Monschau: Ausstellung zeigt ein Leben voller Spannung und Gegensätze

Monschau: Ausstellung zeigt ein Leben voller Spannung und Gegensätze

Mit einer umfangreichen Ausstellung von Bildern des kürzlich verstorbenen Malers und Galeristen Manfred Beumers wird ein tiefer Einblick in die Schaffenswelt des Meisters des Aquarells im Tuchscherer Atelierhaus in der Altstadt geboten.

Am Sonntag, 23\. März, in der Woche seines Geburtstages findet die Vernissage „Vis à vis, Bilder im Dialog“ ab 12 Uhr in der Galerie Beumers statt.

Schwerpunkt der Ausstellung sind Gegenüberstellungen von jeweils zwei Bildern aus seiner langjährigen Periode des Schaffens, die thematisch zusammenpassen. Bilder aus seinen Studienzeiten stehen im Dialog mit Bildern seiner letzten Jahre, so zum Beispiel ein Selbstporträt aus dem Jahr 1968 mit einem Porträt von 2010, eine Ansicht aus Venedig, gemalt im Jahre 1969 mit einer Gegenüberstellung einer Stadtansicht aus dem Jahre 2000\.

Ein zweiter Ausstellungsschwerpunkt zeigt eine Serie der bekannten „Tafelrunden“, ein beliebtes Thema des Künstlers, dessen er sich zeitlebens immer wieder widmete und welches die lebensfrohe und humorvolle Seite Beumers zeigt. Manfred Beumers hat der Nachwelt ein umfangreiches Werk hinterlassen. Seine Lebensgefährtin, die Galeristin Carla Giessing hat sich zur Aufgabe gemacht, diese Welt aus der Sicht des Künstlers, oft übersteigert, die Schönheit überzeichnet, aufzuarbeiten. Der Betrachter soll gefesselt und gezwungen werden, genauer hinzuschauen und sich gedanklich damit auseinanderzusetzen.

Die Ausstellung spiegelt aber auch den Charakter des Künstlers, der „nie den geraden Weg ging, sondern den unbequemen“, erklärt Giessing. Jemand, der die Herausforderung nicht scheute, sondern zielstrebig voranging und sie meisterte. Seine Ehrlichkeit findet sich in seinen Bildern wieder, die er mit verschiedenen Techniken herstellte, aber auch sein Mut zur Freiheit, so zu sein, wie ihm zumute war. So war er gern einen Tag elegant und adrett gekleidet in der Öffentlichkeit, den Nächsten in abgewetzter Hose und abgenutztem Hemd anzutreffen.

Ein Leben voller Spannung und Gegensätze, eben so wie die Ausstellung „Vis à vis“ es verspricht. Jedes seiner Werke dokumentiert die Weiterentwicklung Beumers, der stets versucht hat sich „beim Ansehen der Wirklichkeit von allen verstandesmäßigen Begriffen freizumachen“, so Carla Giessing. Sie war nicht nur Lebensgefährtin, sondern wurde oft als „Muse“ des an ALS (Amyotrotrophe Lateralsklerose) im Herbst verstorbenen Künstlers bezeichnet.

Besonders interessant sind die Bilder aus den sechziger Jahren in Gegenüberstellung mit seinen letzten Werken, als er, schwer von seiner Krankheit gezeichnet nur noch mit Unterstützung seiner Lebensgefährtin malen konnte. Sie führte seine Hand beim Malen und folgte seinen Farbanweisungen.

Dieses Jahr wäre Beumers 71 Jahre alt geworden. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte der weit gereiste Maler in seiner Wahlheimat Monschau. Dort hat er nicht wenige großartige Bilder geschaffen. Ein Kalender zu seinem 70\. Geburtstag repräsentiert unter anderem sein Schaffen in und um Monschau, zeigt aber auch Ansichten aus vielen Städten Südeuropas, in denen er zeitweise gelebt hat. Die Ausstellung der „Trash People“ von HA Schult konnte er noch miterleben. In seinen Werken gelang ihm eine Umformung des Sichtbaren, eine Verwandlung der Dinge, „eine Täuschung des Wahrnehmungsbewusstseins“, wie Proust es in seinen Texten zum Thema Kunst beschreibt. Sie sensibilisieren den Betrachter für die Schönheit und Freude des Lebens sensibilisiert. Seine Bilder werden weiterleben.

(mon)
Mehr von Aachener Zeitung