Nordeifel: Ausbau der B 258: „Ohne Aachen geht es keinen Schritt weiter“

Nordeifel : Ausbau der B 258: „Ohne Aachen geht es keinen Schritt weiter“

Zum ersten Mal ist jetzt ein Aachener Politiker in die Eifel gekommen, um den Standpunkt der Stadt Aachen mit Blick auf den Ausbau der Bundesstraße 258 zu erläutern. Aachens Oberbürgermeister Marcel Phillipp war der Einladung von Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter zu einer Diskussionsrunde im Bürger-Casino in Imgenbroich gefolgt.

Dort stellten Philipp, Ritter und Städteregionsrat Helmut Etschenberg ihre Positionen vor, nicht zuletzt auch, weil sich die CDU-Kandidaten in der heißen Wahlkampfphase nicht gegeneinander ausspielen lassen wollen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Alexander Lenders, Vertreter der CDU im Städteregionstag.

Rund 50 Personen verfolgten die Veranstaltung, darunter Vertreter des Städteregionstages, der Landtagsabgeordnete Axel Wirtz, Ortsvorsteher und andere Vertreter von Parteien. Aufgrund von terminlichen Verpflichtungen des Aachener Oberbürgermeisters war die Veranstaltung auf 15 Uhr terminiert.

„Ohne Aachen geht es keinen Schritt weiter“, machte Lenders gleich zu Beginn der Veranstaltung klar. Obwohl er bislang ein Befürworter des vierspurigen Ausbaus gewesen sei, freue er sich über die gemeinsame Initiative des Oberbürgermeisters und des Städteregionsrates, die maximal einen dreispurigen Ausbau vorsieht.

So sei eine Blockade aufgebrochen und wieder Bewegung in die Sache gekommen. Nun gelte es, „den momentanen Druck und die Stimmung zu nutzen“, um eine Verbesserung für Firmen, Pendler, Touristen und auch für die Stadt Aachen zu erreichen.

Ob das die Eifeler Bürger zufrieden stellen wird, ist fraglich. Die Anwesenden hatten viele Fragen und sparten auch nicht mit Kritik. Die Entwicklung der Eifel, der ÖPNV und ein Verknüpfungspunkt in Roetgen wurden genauso diskutiert wie die Situation der Gewerbegebiete sowie in der Ortsdurchfahrt von Roetgen und auch der Landesentwicklungsplan wurde am Rande gestreift.

Ein Zuhörer aus Simmerath zum Beispiel sah auch in einem Kompromiss eine Behinderung der Interessen der Eifelkommunen. „Die Eifel wird hier über den Tisch gezogen“, sagte er und forderte einen großzügigen und kompromisslosen Ausbau. Wichtig sei vor allem die Anbindung an die Autobahn, vor allem für Gewerbetreibende.

Ritter erklärte, die Eifeler hätten im Prinzip alle das gleiche Anliegen. In den Parteien gebe es aber unterschiedliche Positionen, die nun im Wahlkampf herausgestellt werden müssten. Von einem vierspurigen Ausbau, wie ihn die SPD und deren Landtagsabgeordneter Stefan Kämmerling fordere, sei man heute weit entfernt. Für die Pendler komme es in erster Linie darauf an, zügig nach Aachen oder zur Autobahn zu gelangen.

Sie berichtete von Bürgern, die die Stadt Aachen nicht nur als Arbeitsplatz, sondern auch als Lebensraum sehen, zum Beispiel weil ihre Kinder dort auch zum Kindergarten oder zur Schule gehen. „Wir stören nicht, wenn wir eine Ausbauforderung stellen, sondern können so auch das Oberzentrum stärken“, sagte Ritter. Den Forderungen nach Umgehungsstraßen ab Kalterherberg oder zumindest ab Roetgen erteilte sie eine Absage. Der Ausbau solle erst hinter Roetgen erfolgen.

Der vierspurige Ausbau sei eine Illusion und nicht durchsetzbar, sagte Etschenberg. „Wer populistisch alles fordert, wird nichts erreichen.“ Klug wäre eine differenzierte Planung mit einem dreispurigen Ausbau ab Kalkhäuschen, möglicherweise im Wechsel. Das Hauptproblem aus Eifeler Sicht sei aber die Anbindung der Pascalstraße in Oberforstbach und die Schaltung der Ampeln dahinter.

Umgekehrt sei aus Aachener Sicht das Linksabbiegen in die Pascalstraße und die damit einhergehenden Staus das Hauptproblem. Es müsse eine Lösung her, die den Verkehr von beiden Seiten besser fließen lasse. Dass man an einer Ampel aber auch schon mal zwei Phasen lang warten müsse, halte er für vertretbar. Er sei mit Philipp übereingekommen einen Anstoß zu geben. Er sei dankbar, dass der OB mit ihm die Erklärung öffentlich abgegeben habe. Dies zeige, dass das Problem erkannt werde.

In der Vergangenheit hätten Gewerbetreibende immer wieder die langen Wartezeiten beim Linksabbiegen in die Pascalstraße kritisiert und einen Kreisverkehr gefordert. Dies könne aber nur im Interesse der Aachener sein, weil diese automatisch immer Vorfahrt hätten. „Deshalb müssen wir uns mehr Gedanken machen“, sagte Philipp. Bei einem Ausbau der Straße seien auch Lärmschutzmaßnahmen nötig, und eine 200 bis 300 Meter lange Lärmschutzwand entlang der Monschauer Straße durch Oberforstbach sei kaum durchsetzbar.

Eine Ausbau-Variante mit anderen Lärmschutzmaßnahmen müsse noch geprüft werden. Nun dürfe es aber keine Verhärtung der Diskussion mehr geben und ein Kompromiss gefunden werden. „Das wird nicht einfach, aber dafür sind wir gewählt worden“, sagte Philipp.

Der Kompromiss könne so aussehen, dass an der Einmündung zur Pascalstraße eine andere Lösung als ein Kreisverkehr gefunden werde. Dazu habe man bereits Modellrechnungen angestellt und dem Landesbetrieb Straßenbau vorgelegt. Das geringste Problem sei die Schaltung der dahinterliegenden Ampeln.

Auf der freien Strecke vor Oberforstbach könne auch über drei Spuren nachgedacht werden. Einen vierspurigen Ausbau nach dem Motto „Alles oder nichts“ werde es aber nicht geben. „Nicht die Breite der Straße ist entscheidend, sondern der Fluss des Verkehrs“, sagte Philipp.

Das Wichtigste sei, möglichst schnell eine gemeinsame Lösung auf den Weg zu bringen, „damit nicht noch mehr Zeit vergeht“. Denn auch wenn die Lösung gefunden sei, werde es noch mehrere Jahre bis zur Umsetzung dauern. Mit einer Umsetzung sei realistisch wohl erst nach der nächsten Legislaturperiode zu rechnen.

Fest stehe, dass finanzielle Mittel für den Ausbau viel leichter zu erreichen seien, wenn zwischen der Stadt Aachen und der Städteregion Einigkeit herrsche. Auch der Landesbetrieb Straßenbau habe signalisiert, das Vorhaben bei Einigkeit zu unterstützen, betonten Philipp und Etschenberg.

Etschenberg sieht für das Projekt viele Anknüpfungspunkte. Schließlich seien in der Vergangenheit schon Bundesmittel für den Ausbau reserviert gewesen, die mit Priorität vergeben würden, wenn man sich auf eine Planung verständigen könne.

Zum Schluss wünschte Lenders Marcel Philipp eine gute Fahrt zurück nach Aachen und zumindest „ein bisschen Stau“.

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