Rohren: Aus Bobbahn wird Skilift: Der Winter kann kommen

Rohren: Aus Bobbahn wird Skilift: Der Winter kann kommen

Es klingt wie bestellt: Als Manni Stein und sein Sohn Peter in luftiger Höhe letzte Hand an den massiven Laufrollen des betagten Skilifts anlegen, hört man von weit die Kraniche schreien. Die Schneegänse kündigen den Winter an, und so wird es höchste Zeit für den Betreiber des Sommer- und Wintersportzentrums, von der Bobbahn auf den Skilift umzurüsten.

„Ich weiß nicht, ob es sich diesen Winter lohnen wird. Uns fehlen einfach 200 Höhenmeter, um ein richtiges Wintersportgebiet zu sein“, weiß der 51-Jährige, seit Anfang 2012 Betreiber des Sportzentrums.

15 Tage, an denen die Lifte liefen, davon vielleicht sieben, an denen man den großen Tallift in Betrieb nahm, hat Manni Stein in seinem ersten kompletten Winter als Betreiber bilanzieren können. „Im Winter davor waren es null Tage, nur 2010/2011 war richtig gut, da lag ab Anfang Dezember richtig Schnee und sind die Lifte über 40 Tage gelaufen“, weiß Stein aus der Zeit, als der 2011 verstorbene Rudolf Hermanns noch selbst das Sportzentrum verwaltete.

Fast schon ein wenig neidisch blickt Manni Stein ins südöstliche NRW, in das Sauerland, wo sich der Wintersport weitaus mehr lohnt, wo die Lifte dank Schneekanonen auch an den häufigen kalten, aber schneearmen nordrhein-westfälischen Wintertagen laufen und man in den letzten Jahren touristisch mächtig aufgerüstet hat. „Die haben mit dem Ruhrgebiet natürlich ein ganz anderes Einzugsgebiet, haben gute Bahnverbindungen und mittlerweile eine Wahnsinns-Infrastruktur“, weiß der 51-Jährige.

Nun, investiert hat der neue Betreiber ebenfalls, wenn auch aus den vorgenannten Gründen in kleinerem Rahmen. So hat er für den Verleih am Rohrener Skihang vom Skikeller Schroiff & Kaulard in Eicherscheid 40 Paar moderne Carvingski und Skihelme für Kinder und Erwachsene gekauft, eine Handvoll blitzschnelle Rodelschlitten erworben und in Tschechien ein Dutzend Paar flammneue Skilanglaufschuhe gefunden, weil es sie nur da noch mit dem alten Bindungssystem für die 50 Paar Langlaufski in seinem Verleih gab.

„Langlauf lohnt hier bei uns noch eher, da genügen ja schon ein paar Zentimeter, wenn die Loipen gespurt sind“, weiß Stein, der selbst aber nur für den Verleih der Langlauf-Ausrüstung zuständig ist. Allerdings sieht Manni Stein auch da für die kommende Wintersport-Saison eine Einschränkung: „Was kürzlich über die Wanderwege in der Zeitung stand, gilt leider auch für die schöne Loipe Rothe Kreutz: Die Wege wurden durch Holzrückearbeiten völlig kaputt gefahren. Im Moment weiß ich nicht, wie da ein Loipenspurfahrzeug durchkommen soll“, bedauert der Rohrener.

Den ersten Schnee diese Woche nimmt Manni Stein noch nicht sonderlich ernst, „da muss schon richtig was runterkommen“, sagt der 51-Jährige, „am besten kurz vor Weihnachten“. Denn wenn in den Ferien Schnee liegt, dann ist richtig was los am Skihang in Rohren, dann wimmelt es nur so von Schneefans am Rodelhang, an den beiden kleinen Liften und auf der großen Talabfahrt. Und dann muss Stein seinen gesamten Mitarbeiterstamm von cirka 15 Leuten - Schüler, Studenten, Rentner und andere Leute, die auch tagsüber Zeit haben - aktivieren, um Liftkarten zu verkaufen, zu entwerten und den Leuten in die Liftspur zu helfen.

„Zu 70 Prozent“, schätzt Manni Stein, sind Holländer seine Kundschaft - eine sehr genügsame, wie er beobachtet hat: „Die stellen keine hohen Ansprüche, sondern sind einfach froh, in einer Stunde Fahrzeit im Schnee zu sein“, sagt Manni Stein, und seine Lebensgefährtin Claudia Leyendecker beschreibt lachend einen typischen niederländischen Gast am Ende eines Wintersporttages: „In Jeans und Rolli, durchgefroren, sicke-nass, voll blauer Flecken - aber überglücklich!“

Und wenn die Gäste dann in der gemütlichen Skihütte von Edith Hermanns noch ein warmes Getränk, frische Waffeln oder ein deftiges Essen bekommen, war es der perfekte Wintertag für kleines Geld. Wo sonst leiht man schließlich für 16 Euro und einen Tag eine komplette Skiausrüstung und gibts den wärmenden Absacker nach dem Schneetag („Eifelfeuer“) noch für 1,80 Euro?

Ehe es aber so weit ist, hat Manni Stein knapp zwei Wochen Arbeit, um aus der beliebten Sommerbobbahn ein Wintersportzentrum zu machen. Das geschieht meistens nach den Herbstferien, weil in der schulfreien Zeit gewöhnlich noch viele Gäste die Bobbahn herunterflitzen wollen. Das bedeutet dann selbst an trockenen Tagen etwas Aufwand, denn vor der ersten Talfahrt muss die Bahn von Laub und vom herbsttypischen Tau befreit werden.

Nun aber ruht die Edelstahlbahn, am Mittwoch begann Manni Stein, gemeinsam mit seinem Sohn Peter (19) die 40 Jahre alte, 334 Meter lange Hauptliftanlage für den zweijährlichen Besuch des TÜV Anfang Dezember zu entrosten und zu überholen und die Bügel für die Alpinfahrer einzuhängen. „Nasskalt“ sind die Aussichten für die nächsten Tage, und darf man den mittelfristigen Prognosen Glauben schenken, wird der Rest des Monats zumindest in der Eifel schon richtig winterlich. Ob und welche Lifte sich dann drehen, kann man auch kommenden Winter täglich aktuell unter 02472-4172 abfragen. Die Skihütte hat derzeit nur am Wochenende ab 12 Uhr geöffnet, auch wenn kein Schnee liegt...

Hier geht es zur Bilderstrecke: Erster Schneefall: Winter hält Einzug in der Eifel

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