Simmerath: Auf Simmeraths Friedhöfen wandelt sich das Bild

Simmerath: Auf Simmeraths Friedhöfen wandelt sich das Bild

Ein einheitliches Gestaltungsbild existiert längst nicht mehr auf den Friedhöfen in der Gemeinde Simmerath. Die individuelle Form der Bestattung gewinnt auch im ländlichen Raum immer mehr Raum. Vom Friedwald über anonyme Grabfelder bis zum Doppelwahlgrab reichen die Möglichkeiten.

Vor dem Hintergrund dieser sich rasant verändernden Bestattungskultur ist die Friedhofssatzung der Gemeinde nicht mehr zeitgemäß. Die Satzung soll an die neuen Vorstellungen und Wünsche angepasst werden und bereits zum 1. Januar 2010 in Kraft treten.

Anregungen erwünscht

Zuvor aber gibt es noch viel zu besprechen. Um den Diskussionsprozess in seinem ganzen Umfang zu erfassen, hatte die Verwaltung zu zwei Informationsveranstaltungen eingeladen, um Anregungen von den Bürgern zu erhalten, die dann auch bei der Aufstellung der neuen Satzung Berücksichtigung finden sollen. Der Fachausschuss wird den neuen Entwurf einschließlich der überarbeiteten Gebührensatzung bereits in seiner Sitzung am 1. Dezember diskutieren.

Am Mittwochabend fanden sich rund 40 Bürger im Ratssaal ein, die sich lebhaft an der gut 90-minütigen Diskussion beteiligten, am Donnerstagabend stand eine weitere Veranstaltung in Rurberg auf dem Programm.

Beim Termin in Simmerath wies Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns darauf hin, dass Anregungen aus der Bevölkerung ausdrücklich erwünscht seien. Bereits 2007 sei der Antrag diskutiert worden, Urnen in bereits vorhandene Doppelwahlgräber beizulegen. Es sei aber kein Beschluss gefasst worden, sondern man habe sich darauf verständigt, die Friedhofssatzung insgesamt zu überarbeiten.

Gerade aber das Thema Urnenbeilegung in bereits existierende Grabstätten ist ein Thema, das viele Menschen bewegt, wie im Verlaufe der Diskussion auch deutlich wurde. Die Satzung ließ bisher diese Bestattungsform nur in „begründeten Ausnahmefällen” zu - eine Formulierung, mit der die Gemeinde zuletzt vor Gericht das Nachsehen hatte.

Die Beilegung von Urnen in Grabstätten werde immer häufiger gewünscht, sah auch Karl-Heinz Hermanns, dass sich in diesem Punkt der Satzung eine Änderung abzeichnet. Dass die Gemeinde diese Bestattungsform bislang grundsätzlich abgelehnt habe, habe nichts damit zu tun, dass die Einnahmeverluste befürchte, betonte der Bürgermeister. Hermanns: „Die Gemeinde verdient nichts an den Friedhöfen.” Man müsse wohl die Gebühren so bemessen, dass die Gesamtkosten des Friedhofswesens, die auf die Allgemeinheit umgelegt würden, gedeckt seien.

Auch gelte es zu bedenken, dass eine spätere Urnenbeilegung zu einer Verlängerung der Ruhefristen führe, wobei aus den Reihen der Bürger der Einwand kam, dass eine Ruhefrist von 30 Jahren bei einer Urne „ein Witz” sei.

Als Kompromissverschlag stellte Ratsherr Alex Stiel die Möglichkeit in den Raum, eine Urnenbeilegung bis zu einem Zeitraum von 10 Jahren nach Inanspruchnahme eine Erdgrabstätte zu ermöglichen. Die Erfahrung zeige, dass eine 30-jährige Ruhefrist von der Mehrheit der Bevölkerung gewünscht werde. Deutlich gesagt wurde aber auch, dass eine Urnenbeilegung auf keinen Fall gebührenfrei erfolgen kann. Ratsherr Bruno Löhrer: „Diese Bestattungsform darf nicht zu einer Mehrbelastung der Allgemeinheit führen.”

Deutlich wurde im Rahmen der Diskussion aber auch, dass die die Gemeinde nicht ihre eigene Satzung zurechtlegen kann, sondern an die Landesgesetzgebung gebunden ist, die zum Beispiel gleich lange Ruhefristen für Urnen- und Erdbestattung vorschreibt. Daher sah es Ratsherr Günter Scheidt als unumgänglich an, möglichst im Verbund mit anderen Kommunen die Landesregierung zu einer Gesetzesänderung zu bewegen.

Ein weiterer Diskussionspunkt war die komplette Abdeckung von Grabstätten, um den Pflegeaufwand besonders bei Wahlgräbern (2,20 x 2,40 Meter) zu reduzieren. Ein Problem ist dabei allerdings die verzögerte Verwesung. In der neuen Satzung ist daher womöglich eine Abdeckung zu 50 Prozent der Fläche denkbar.

Eine Komplett-Abdeckung wie auch Umrandungen stellten zudem ein statisches Problem dar, machte Steinmetz Karl Goffart deutlich, der aus fachlicher Sicht wichtige Aspekte in die Diskussion einbrachte.

Ein weniger ausgeprägter Wunsch in der Gemeinde Simmerath scheint das Angebot eines „Friedwaldes” zu sein, was aber nicht ausschließt, dass zu einem späteren Zeitpunkt das Thema neu aufgelegt wird.

Die „häufigste Bestattungsform in 20 Jahren”, so die Prognose von Bruno Löhrer, wird aber das pflegefreie Gemeinschaftsgrab sein. Dabei errichtet die Gemeinde eine Gemeinschaftsdenkmal auf einer pflegefreien Fläche. Am Denkmal besteht dann die Möglichkeit, auf einer kleinen Tafel an den Verstorbenen zu erinnern.

Die gesamte Diskussion aber wurde auch immer wieder von einem Gedanken begleitet: Egal, welche Bestattungsform zum Tragen kommt, der Wille des Verstorbenen soll respektiert werden.