Auf Platz zwei der Landesliga florieren noch die Aufstiegshoffnungen

Saisonhalbzeit-Bilanz der Fußball-Clubs : Der SV Rott ist komplett mit sich im Reinen

„Wir sind mit uns komplett im Reinen“, sagt Jürgen Lipka, und das nimmt man dem Trainer des SV Rott keineswegs als Schönwetter-Rede ab.

Elf der 16 Spiele der Herbstrunde in der Fußball-Landesliga, Staffel 2, hat seine Mannschaft gewonnen und liegt bei 36 Zählern punktgleich mit dem Top-Favoriten und Spitzenreiter Spielvereinigung Wesseling-Urfeld auf Platz zwei der Tabelle.

Sechs Spiele lang blieb der SV Rott zu Beginn der Saison unbesiegt, feierte dabei vier torreiche Siege mit jeweils zwei Gegentoren und teilte sich zweimal mit 1:1 die Punkte. Erst dann gab es gegen Union Schafhausen die erste Niederlage, weil der sonst so durchschlagskräftigen Offensive des SV kein Tor gelang. „Die Niederlage war dennoch unverdient, weil wir die bessere Mannschaft waren“, sagt Jürgen Lipka im Rückblick. Sein Team fand auch gleich danach wieder in die Spur, kassierte in den folgenden vier Begegnungen nur noch jeweils einen Treffer, schaffte damit aber drei Siege und ein Remis und fegte unter anderem Eintracht Verlautenheide mit 5:1 vom Platz, gegen die man im Pokal wenige Wochen zuvor noch mit 2:3 ausgeschieden war. „Vor allem wegen – sagen wir mal kurioser – Schiedsrichterentscheidungen …“, trauert Lipka schon einem Weiterkommen im Pokal nach.

In der Meisterschaft kam es dann am „Elften im Elften“ zum absoluten Spitzenspiel bei der Spvgg Wesseling-Urfeld, nach welchem die Rotter im Siegfalle die Tabellenführung übernommen hätten. Doch es kam anders. In einem Spiel auf Augenhöhe stand am Ende ein 3:1 für die Gäste zu Buche, doch dass dies Lipka & Co. Kaum beeindruckte, zeigten die Folgewochen: Bis zur Winterpause gelangen in den nächsten vier Partien vier Siege in teilweise hochklassigen und schweren Spielen. Besonders beim 2:1 gegen Teveren begeisterte die Rotter Mannschaft ihren Trainer: „Das war schon allerhöchstes Niveau“, urteilte Lipka, der zur Saisonhalbzeit resümierte: „Nach der unglücklichen Niederlage im Spitzenspiel ist die Mannschaft in vier schweren Spielen danach sofort zurückgekommen und hat vier Dreier eingefahren. Das zeigt ihren Charakter!“

Jürgen Lipka wäre aber nicht Jürgen Lipka, wenn er nicht noch Verbesserungspotenzial sähe: „Unsere Spielidee ist, mit gepflegtem Kurzpassspiel und schnellen Ballzeiten nach vorne zu spielen, auch im letzten Drittel. Das ist sicherlich noch verbesserungswürdig.“ Gleichwohl hat Lipka für das Spiel seiner Mannschaft, die mit 43 Toren die beste Offensive und mit 22 Gegentoren immerhin auch die viertbeste Defensive stellt, viel Lob von den Trainer-Kollegen erhalten: „Das sei für Landesliga-Verhältnisse kaum zu verteidigen“, wurde laut Lipka das Rotter Angriffsspiel von einigen Trainern geadelt.

Geballte Eifeler Fußballerfahrung im Rücken: Rotts Trainer Jürgen Lipka (vorne) ist mit dem bisherigen Saisonverlauf äußerst zufrieden. Foto: Heiner Schepp

Glücklich ist Jürgen Lipka, dass die aufgetretenen Personalprobleme seiner Mannschaft im Herbst nicht mehr ins Gewicht gefallen sind. „Wir haben vor dieser Saison fünf Defensive verloren, hatten aber auf der anderen Seite bei der Auswahl neuer Spieler ein wirklich glückliches Händchen“, lobt Lipka die neun Sommerzugänge. Beeindruckt hat den Trainer in der Hinrunde besonders auch die junge Garde mit Alexander Förster (20), Jerome Dammköhler (21), Yassine Ali Gnondi (20) und Aboudoul-Rachid Tchadjei (19). „Wenn es für uns nach dieser Spielzeit höher gehen sollte, werden diese Jungs sich entsprechend weiterentwickeln“, ist der Trainer überzeugt.

Apropos höher gehen: „Wir haben uns, ehrlich gesagt, mit der Möglichkeit eines Aufstiegs in die Mittelrheinliga noch nicht enger befasst“, versichert Jürgen Lipka. Er weiß, dass neben den Meistern auch der punktbeste Zweite der beiden Landesliga-Staffeln aufsteigen kann, schränkt aber ein: „Da aber in der Regionalliga viele Mittelrhein-Clubs gegen den Abstieg kämpfen, ist es derzeit wahrscheinlicher, dass nur der Erste unserer Staffel aufsteigt“, rechnet Lipka vor. Auch der erste Platz ist aber durchaus noch in Reichweite, weil Wesseling-Urfeld die beiden ausstehenden Partien erst einmal gewinnen muss und im Frühjahr mit dem SV Rott das derzeit stärkste Auswärtsteam der Liga empfängt.

„Das kann durchaus noch klappen“, sagt Lipka und schickt gleich hinterher: „… muss es aber nicht.“ Schließlich ging vor der Saison die gesamte Liga davon aus, „dass Wesseling mit zehn Punkten Vorsprung Meister wird“. Jetzt aber herrscht durchaus noch Spannung an der Spitze, wobei Jürgen Lipka auch Union Schafhausen noch auf dem Zettel hat: „Die haben bei diesem kuriosen Spielplan von 15 Spielen erst vier im eigenen Kessel gehabt und könnten auch noch einmal eingreifen, falls Wesseling oder wir schwächeln“, glaubt der Coach. Auch die beiden Eilendorfer Teams sieht Jürgen Lipka noch im Rennen um vordere Plätze, wobei der SV Eilendorf am 10. März auch gleich als Wiederauftaktgegner in den Rotter Mathworks-Sportpark kommt.

Bis dahin aber wird am Tiergarten noch eine Menge gearbeitet und werden auch einige interessante Testspiele absolviert – so der Eifelwinter dies zulässt. Nach dem mittelprächtigen Abschneiden beim Hallencup zu Jahresbeginn gönnte Jürgen Lipka seinen Jungs 20 Tage Pause, ehe man vorletzten Donnerstag das Training wieder aufnahm. Nicht weniger als 20 Trainingseinheiten wird der Kader bis zum Wiederbeginn absolvieren, unterbrochen durch die Tests gegen den Dürener A-Liga-Spitzenreiter Türkischer SV Düren (geplant: Sonntag, 3. Februar), Hertha Walheim (7. Februar), die guten Eifeler A-Ligisten TV Konzen (10. Februar) und TuS Lammersdorf (24. Februar), den FV Haaren (17. Februar), Mittelrheinligist Borussia Freialdenhoven (26. Februar) und den SV Breinig (2. März, ebenfalls Mittelrheinliga).

Jürgen Lipka freut sich auf Teil zwei der Saison, den man genauso genießen möchte wie die Herbstrunde. „Es ist schon cool, zu den Besten der Liga zu gehören“, stellt der Coach fest und kündigt an: „Wir hoffen natürlich, dass wir gut ins neue Jahr kommen. Und falls ja, befassen wir uns dann so ab dem 24. Spieltag mit der Mittelrheinliga.“

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