Mützenich: Auf Holz zu den Palsen: Doch kein Kunststoff für Stege im Hohen Venn

Mützenich: Auf Holz zu den Palsen: Doch kein Kunststoff für Stege im Hohen Venn

Immer noch wegen Baufälligkeit gesperrt ist die kleine Steganlage, die zu den künstlich angelegten Palsen im Hohen Venn bei Mützenich führt und dafür sorgt, dass man trockenen Fußes und vor allem barrierefrei bis an das Ufer des Gewässers gelangt und aus nächster Nähe Flora und Fauna bestaunen kann.

Seit April 2017 ist der Holzsteg bereits gesperrt, doch zum Frühjahr 2018 soll die Zuwegung wieder hergerichtet sein. Sobald die Witterung es erlaube, werde der rund 70 Meter lange Vennsteg in unmittelbarer Nähe der belgischen Grenze erneuert, teilte jetzt die Untere Landschaftsbehörde bei der Städteregion auf Anfrage der Lokalredaktion mit.

Anfrage der CDU-Fraktion

Mit Ungeduld und Unverständnis hatte Ende November auch bereits die Monschauer CDU-Fraktion auf Initiative der Mützenicher Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz sich nach dem aktuellen Sachstand erkundigt und um Aufklärung gebeten. „Es ist für unsere Fraktion nicht erklärlich und hinnehmbar, dass die notwendige Sanierung der Zuwegungen in dieser in Mitteleuropa einzigartigen Naturlandschaft solange brachliegt.

Wir würden es sehr begrüßen, wenn für die Sanierung zeitnah eine einvernehmliche Lösung herbeigeführt werden könnte, um Touristen und Naturfreunden spätestens ab dem kommenden Jahr den Zugang zu den Naturschönheiten des Hohen Venns wieder zu gewährleisten“, lautete der Wunsch des Fraktionsvorsitzenden Micha Kreitz in einem Schreiben an die Stadtverwaltung Monschau.

Die Anfrage hat sich inzwischen insoweit erledigt, da die Untere Landschaftsbehörde ja zeitnah aktiv werden möchte.

Dass Vennstege aus unbehandeltem Nadelholz verwittern, ist ein natürlicher Vorgang. Das sah man seinerzeit auch im Monschauer Wirtschaftsausschuss nicht anders, als die Verwaltung über die Sperrung der Stege und das weitere Vorgehen berichtete. Das war im Mai 2017. Bürgermeisterin Margareta Ritter hatte damals berichtet, dass die Erneuerung des Stegs mit einem längerlebigen Produkt erfolgen soll, nämlich mit Holzimitaten aus Recycling-Kunststoff.

Diese Mitteilung löste damals eher fragendes Erstaunen als Begeisterung aus. Auch die Bürgermeisterin selbst bezeichnete es als „nicht nachvollziehbar“, wenn ausgerechnet die Untere Landschaftsbehörde in einem Naturschutzgebiet eine solche Ausführung gestatte.

Zu dieser Ausführung in Kunststoff kommt es nun aber nicht. Der Erneuerung des Steges einschließlich der Plattform, die vor allem angelegt wurde, um Rollstuhlfahrern einen problemlosen Aufenthalt zu ermöglichen, soll mit unbehandeltem Nadelholz erfolgen, wie es auch vorher der Fall war. Die Kosten werden von der Städteregion mit rund 20000 Euro angegeben; 80 Prozent würden vom Land bei einem 20-prozentigen Eigenanteil übernommen. Die Ausführung werde etwa zehn Werktage in Anspruch nehmen, heißt es weiter.

Dass es am Ende nicht zur bei vielen Naturfreunden ungeliebten Ausführung in Kunststoff kam, liegt vor allem am Förderverfahren. Obwohl es bereits positiv verlaufenen Gespräche für eine Förderzusage gegeben hatte, lehnte die Bezirksregierung Köln den Förderantrag der Städteregion Aachen, die Steganlage bei Mützenich in einer Kunststoff-Recycling-Ausführung wiederherzustellen, aber dann doch ab.

Hauptsächlich waren für diese Ablehnung Kostengründe verantwortlich, da die Kunststoff-Ausführung ein Vielfaches gegenüber der traditionellen Bauweise gekostet hätte, wenngleich auch die Langlebigkeit um ein Vielfaches höher gewesen wäre.

Durch die veränderte Sachlage wurde die Umsetzung erheblich in die Länge gezogen. Jetzt musste die Untere Landschaftsbehörde als Eigentümer des Naturschutzgebietes selbst tätig werden und entschied sich für die traditionelle Ausführung.

Die Mützenicher Ortsvorsteherin Jacqueline Huppertz, die in den vergangenen Monaten das Verfahren begleitete und dabei stets auf eine möglichst zeitnahe Umsetzung drängte, hätte übrigens mit einer Ausführung in Kunststoff leben können. Gerade wegen der Langlebigkeit des Recycling-Materials sei das „vielleicht einen Versuch wert gewesen“. Entscheidender aber sei jetzt, dass endlich gehandelt werde und die Palsen wieder zugänglich seien.

Der Palsen einschließlich des Steges und eines barrierefreien Wanderweges vom alten Zollamt Mützenich bis zum Aussichtsturm wurde vor mehr als zehn Jahren im Rahmen des NRW-Ideenwettbewerbs „Natur für alle in Natur 2000-Gebieten“ umgesetzt. Der Bretterweg zum Palsen ist auch für Rollstuhlfahrer gut zugänglich. Inzwischen führt zudem in unmittelbarer Nähe auch der Eifelsteig vorbei, und das kleine Naturschutzgebiet ist bei Wanderern sehr beliebt.

Umgesetzt wurde das Palsen-Projekt vom Naturpark Nordeifel und der Biologischen Station der Städteregion Aachen. Wegen der hohen Förderung musste die Stadt Monschau damals nur einen Eigenanteil von 4000 Euro beisteuern.

(P. St.)
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