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Einruhr: „Auf einmal hat man nichts mehr”

Einruhr : „Auf einmal hat man nichts mehr”

In der Nacht zu Weihnachten brannte seine Wohnung völlig aus. Rene Karbig konnte die Kinder in letzter Minute retten.

„Auf einmal hat man nichts mehr. Nur sich selbst und vielleicht die Hilfe anderer.”

Ein Zettel aus rotem Papier hängt an der Eingangstür zum Konsum an der Franz-Becker-Straße, die Sätze darauf hat René Karbig geschrieben: Die 34-jährige Mutter hat sich und ihre drei Kinder in letzter Minute aus der brennenden Wohnung retten können.

Geblieben ist der Familie so gut wie nichts, nur was Kinder und Mutter mitten in der Nacht anhatten. Was die Familie Karbig nach der schlimmen Katastrophe in ihrer Not erfahren hat: eine große Welle an Hilfe.

Knistern im Wohnzimmer

„Weihnachten ist das Fest der Liebe”, sagt René Karbig, die tiefe Anteilnahme am Schicksal ihrer Familie erlebt hat und ein kaum geahntes Maß an Menschlichkeit. Allen möchte sie von Herzen für die Anteilnahme und Hilfe danken: den Wehrmännern und Rettungskräften, der Familie und Freunden, allen, die Geld und Sachen gespendet und Arbeitsleistung angeboten haben, der Versicherung, die schnell und unbürokratisch geholfen hat.

Gegen 3 Uhr in der Nacht zum 1. Weihnachtstag hörte Karbig über das Babyphon ein Knistern im Wohnzimmer auf der zweiten Etage des Hauses. Auf dieser Etage hatten die Kinder ihre Schlafzimmer, die allein erziehende Mutter hatte das Schlafzimmer auf der dritten Etage.

Flammen im Weihnachtszimmer

In den USA, die ursprüngliche Heimat von René Karbig, ist die Bescherung am Weihnachtsmorgen Brauch. So hatte sie dann noch spät in der Nacht Geschenke eingepackt, andere Geschenke lagen bereits unter dem festlich geschmückten Weihnachtsbaum im Wohnzimmer. Mutter René hatte nun vermutet: Die Kinder sind wach geworden, sie haben sich heimlich ins Wohnzimmer geschlichen und sind nun dabei, die ersten Geschenke auszupacken.

Beim Nachsehen entdeckte René Karbig die Katastrophe: Das Wohnzimmer stand lichterloh in Flammen, Rauch, Hitze schlugen ihr entgegen. Aus Leibeskräften hat sie nach ihren Kindern geschrieen, sie gepackt und ist mit ihnen auf die Straße gerannt. „Die Kinder müssen raus”, hat sie nur gedacht. Zeit, etwas zu retten, blieb nicht, erzählt René Karbig.

Brandursache: Technischer Defekt

Auf nackten Füßen hat sie die Kinder so schnell es ging zu den Schwiegereltern gebracht, die nur 100 Meter entfernt wohnen. Die Schwiegermutter hat gleich die Feuerwehr alarmiert, die schon wenige Minuten später vor Ort war.

Durch den raschen Einsatz konnte die Wehr verhindern, dass das ganze Haus abbrannte. Die beiden Etagen, die die Familie Karbig bewohnt, wurden völlig verwüstet, durch die gewaltige Hitze sind viele Sachen einfach geschmolzen oder verkohlt. Als Brandursache wurde inzwischen ein technischer Defekt ermittelt, vermutlich an der Heizung.

Teddy hat „überlebt”

Durch das angstvolle Schreien der Mutter wurde Tochter Hilary aus dem Schlaf gerissen, sie rannte aus ihrem Zimmer, aber nicht ohne ihren Lieblings-Teddy, den sie aber auf der Flucht im Treppenhaus verloren hat. Ein Feuerwehrmann hat den Plüsch-Teddy später gefunden und ihn Hilary gegeben.

Irgendwie hatte die Tochter das Feuer mitbekommen, wie sich später herausstelle. Sie habe die große Hitze gespürt, und sie hatte „Angst, alle müssten sterben”, sagt René Karbig. Sie selbst fühlt sich „wie taub”, sie ist viel „in Bewegung”, um die Erlebnisse und die Ängste in der Schreckensnacht zu verdrängen.

Vieles verloren

Doch sie weiß: Irgendwann wird die Katastrophe sie einholen. Sie hat mehr verloren als nur Kleidung und Möbel: Sie hat alle Bilder und Erinnerungsstücke aus ihrer Heimat verloren, alle Bücher sind verbrannt, alle Dokumente sind weg, nur den Führerschein hat sie mit dem Portmonee retten können. Auch die Weihnachtsgeschenke, die Tochter Hilary und die Zwillinge Brian und Simon (6) für die Mutter und die Paten gebastelt haben, wurden Opfer der Flammen.

Seit 1992 lebt sie in Einruhr, in jenem Jahr hatte sie auch ihren Mann kennen gelernt, der in den USA auf Montage war.

Auch nach den schlimmen Erlebnissen in der Nacht zum ersten Weihnachtstag möchte René Karbig in Einruhr bleiben, hier hat sie erlebt, dass „Weihnachten wirklich das Fest der Liebe und der Menschlichkeit” sei, sie habe eine ungeahnte Welle an Hilfe erfahren.

Dank für Spenden

„Die Klingel und der Tür und das Telefon standen nicht mehr still”, viele Leuten kamen und brachten Kleidung, Möbel, Geräte für den Haushalt und auch Geld. Mit einer Soforthilfe half auch die Aktion der Aachener Zeitung „Menschen helfen Menschen”.

Allen Spendern, allen Helfern, ihrer Familie, ihren Freunden möchte René Karbig von Herzen danken. Eine Bitte fügt sie hinzu: Die Leute mögen nun auf weitere Spenden verzichten, René Karbig muss sie zunächst ordnen und eine Wohnung einrichten. Die Welle der Hilfsbereitschaft und der Menschlichkeit aber, so sagt sie, gibt ihr auch Kraft, das Leben ihrer Familie neu aufzubauen.