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Helmut Peters: Auf dem höchsten Regal die Flut überlebt

Helmut Peters : Auf dem höchsten Regal die Flut überlebt

Es klingt wie in einem amerikanischen Katastrophenfilm: Marathonläufer Helmut Peters hat das Hochwasser auf dem höchsten Regal seines Sportartikelgeschäfts in Gemünd überlebt.

Im Monschauer Land kennt man ihn als einen der besten Ausdauerläufer der Region, vielfachen Sieger und Platzierten des Monschau- und Rursee-Marathons und zahlreicher Volksläufe. 20 Jahre lang hat er die vielen schönen Laufveranstaltungen in Monschau und Simmerath, Roetgen, Schmidt und Vossenack mitgeprägt und unter der Flagge von Bergwacht Rohren, der LG Mützenich, des TV Konzen oder des Sportteams Erkensruhr auf dem Siegertreppchen gestanden.

Und nicht wenige Läuferinnen und Läufer in der Nordeifel gehen auch deshalb ihrem Hobby mit hochwertigen Laufschuhen und Bekleidung von „Sport Peters“ nach, weil Helmut Peters „einer der ihren“ war und ist, weil man sich unter Eifelern persönlich kennt.

Doch Peters‘ kleines, aber feines Sportgeschäft an der Dreiborner Straße in der Fußgängerzone von Gemünd wird es wohl nicht mehr geben. Wie so viele Läden in der Schleidener und Gemünder Innenstadt wurden Einrichtung, Ware und Gebäude vom Hochwasser völlig zerstört. Und doch konnte Helmut Peters selbst am Tag nach der Katastrophe erleichtert aufatmen, denn fast hätte ihn die Jahrhundertflut sogar das eigene Leben gekostet.

Helmut Peters hatte seinen Laden am Mittwochabend wie gewohnt abgeschlossen und wollte ihn durch die Vordertür verlassen. „Da stand das Wasser schon 1,20 Meter hoch“, erzählte er der „Kölnischen Rundschau“. Schnell habe er das Geschäft durch den Hinterausgang verlassen wollen, doch auch dort sei bereits das Wasser hüfthoch gewesen.

Während die braunen Wassermassen immer weiter stiegen, kletterte Peters im Lager seines Geschäfts auf das höchste seiner Regale, machte sich klein und beobachtete das weiter steigende Wasser. „Ich hatte noch 80 Zentimeter bis zur Decke“, berichtete der Ladeninhaber. Doch glücklicherweise sei das Wasser irgendwann nicht weiter gestiegen, erzählt Peters und versichert glaubhaft, dass er in den langen Stunden der Angst gesungen und vorbeischwimmende Schuhe gezählt habe. Denn Hilfe war nicht zu erwarten, weil man von außen im überfluteten Geschäft keinen lebenden Menschen mehr vermuten durfte.

Erst als die Fluten die Hintertür zerbarsten, bekam Helmut Peters wieder mehr Luft zum Atmen. Und es kehrte die Hoffnung zurück, diese Nacht überleben zu können. Es dauerte dann aber noch bis 3 Uhr früh, ehe der Wasserspiegel langsam zu sinken begann und Helmut Peters sich schließlich ins Freie flüchten konnte, völlig durchnässt und unterkühlt.

„Wir haben geschlossen“, schrieb Peters Sportteam am vergangenen Samstag auf Facebook, „dekoriert“ mit zwei gebrochenen Herzen. „Vorübergehend geschlossen“ liest man auf der Internetseite des Sportgeschäfts, doch das bleibt für die vielen Freunde der guten Beratung und guten Ware von Helmut Peters wohl ein frommer Wunsch, denn wie er der „Rundschau“ sagte, wird er sein Geschäft nicht wieder eröffnen. „In dieser Nacht habe ich beschlossen, aufzuhören“, sagt er.

(hes)