Auch berühmte Persönlichkeiten hatten die Lese-Rechtschreib-Schwäche

Sekundarschule in Simmerath bietet spezielle Förderung an : LRS – Herausforderung, aber kein Hindernis

Die Sekundarschule in Simmerath bietet Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler mit LRS an. Auch berühmte Persönlichkeiten hatten die Lese-Rechtschreib-Schwäche.

LRS. Drei große Buchstaben stehen für ein großes Thema mit zunehmender Bedeutung an unseren Schulen. „Denn immer mehr Kinder haben Schwierigkeiten mit dem Schreiben und Lesen“, sagt Sandra Wynands, die deshalb seit dem vergangenen Schuljahr am Standort Simmerath der Sekundarschule Nordeifel speziellen Förderunterricht für Schülerinnen und Schüler mit der sogenannten Lese-Rechtschreib-Schwäche (oder auch Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit) anbietet.

„LRS ist eine Herausforderung, aber kein Hindernis“, steht auf einem Plakat im kleinen Arbeitszimmer der Schule, auf dem Portraits bekannter Persönlichkeiten abgebildet sind: Albert Einstein und Bill Gates, Robby Williams, Mozart und die weltberühmte Schriftstellerin Agatha Christie hatten sie nämlich auch, die Schwierigkeiten beim Erwerb der geschriebenen Sprache. „Das zeigt den Kindern, dass sie trotz dieser Schwäche einen guten Abschluss machen und im Leben etwas erreichen können“, sagt die Pädagogin.

Einmal in der Woche trifft sich Sandra Wynands mit den betroffenen Schülerinnen und Schülern aus dem fünften und sechsten Schuljahr in Kleingruppen, um ganz gezielt an der LRS zu arbeiten. Der Bedarf ist groß: Aktuell besuchen zwei große Gruppen mit je zehn Kindern aus der Jahrgangsstufe 5 sowie zwei Gruppen zu je sechs Schülern aus der Klasse 6 das Förderangebot der Schule, das damit sehr gut in Anspruch genommen wird.

Pädagogin Sandra Wynands arbeitet aktuell mit über 30 Schülerinnen und Schülern der Sekundarschule in Simmerath in Kleingruppen an der Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS). Dabei macht sie den Kindern klar, dass jeder Schüler Schwächen, aber auch Stärken hat. Foto: Heiner Schepp

Der Weg dorthin führt über die „Hamburger Schreibprobe“, einen standardisierten Rechtschreibtest, der häufig verwendet wird, um die Rechtschreibleistungen von Kindern einzuordnen und die Möglichkeit einer vorliegenden LRS zu überprüfen. Der kurze Test kann sowohl einzeln als auch mit der gesamten Klasse durchgeführt werden, dauert rund 30 Minuten und wird anschließend ausgewertet.

Bei einer festgestellten Auffälligkeit und nach der Information der Eltern können die Schülerinnen und Schüler dann den Kleingruppenunterricht besuchen und arbeiten dort mit Hilfe unterschiedlicher Methoden und Materialien an ihren Schwerpunkten. Das bedeutet auch viel üben, üben, üben. „Das Ganze geschieht möglichst individuell und oft spielerisch“, erläutert Sandra Wynands und zählt Lege- und Silbenspiele, Konzentrationsübungen und Memory als Gedächtnistraining auf. Natürlich gehören auch Laut- und Leseübungen mit einfachen Regeln und für jedes Niveau geeignet zum Förderunterricht. Einbezogen wird auch das Lernen am PC, „das für die Kinder besonders motivierend ist“, wie die Pädagogin festgestellt hat.

Eine Lese-Rechtschreib-Schwäche, auch als Legasthenie bezeichnet, kann unterschiedliche Gründe haben, wie Hörprobleme, eine genetische Veranlagung oder eine andere Muttersprache. „Im Rahmen der LRS-Förderung betreiben wir aber keine Ursachenforschung, sondern konzentrieren uns im Austausch mit den Eltern auf die Hilfsmöglichkeiten”, erklärt Sandra Wynands, die sich durchaus vorstellen könnte, den großen Bedarf für dieses Angebot an der Sekundarschule mit einer zweiten Kraft abzudecken. Sie hat sich im Rahmen von Fortbildungen speziell mit LRS befasst und auch an ihren vorherigen Schulen ähnliche Förderprojekte angeboten.

Ab der 7. Klasse gibt es keine individuelle Förderung mehr, doch am Ende der 6. Klasse steht erneut die Hamburger Schreibprobe auf dem Stundenplan. Zum einen, um Erfolge des Förderunterrichts zu belegen, vor allem aber als Grundlage für den sogenannten Nachteilsausgleich, der auch für die Klassen 7 bis 10 gewährt wird. Denn Schüler und Schülerinnen mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen, Rechtschreiben und Rechnen haben unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Notenschutz. „Ein Nachteilsausgleich für Kinder und Jugendliche mit Teilleistungsschwächen soll ein gemeinsames Lernen über die gesamte Schullaufbahn und eine faire Leistungsbeurteilung erleichtern und entspricht somit dem Grundsatz der schulischen Inklusion“, wie es im Schulprogramm der Sekundarschule heißt.

Der schulische Nachteilsausgleich kann durch die Nichtbewertung von Rechtschreibleistungen, das Erlauben von Hilfsmitteln (Wörterbuch), eine verlängerte Bearbeitungszeit oder eine reduzierte Aufgabenstellung erfolgen. „Um den Schülerinnen und Schülern diesen Ausgleich auch bei den Zentralen Abschlussprüfungen (ZAP) in Klasse 10 zu ermöglichen, wird zum Ende der Klasse 9 sogar noch ein drittes Mal auf LRS getestet“, erklärt Sandra Wynands. Dabei gilt der Nachteilsausgleich nicht nur im Fach Deutsch, sondern auch in allen anderen Fächern, wie sie versichert: „Auch die Kollegen der anderen Fachrichtungen haben im Blick, ob bei einem Kind eine LRS vorliegt.“

Für Sandra Wynands ist bei der LRS-Förderung nicht nur die Arbeit an den Schwierigkeiten der Kinder wichtig, „denn jede Schülerin und jeder Schüler hat Schwächen, aber auch Stärken. Und die Stärken aufzuzeigen und zu fördern ist unsere Aufgabe als Schule“, sagt die Pädagogin. Bei Einstein, Bill Gates und Mozart hat das schließlich auch geklappt.

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