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Am Aschermittwoch: Aschekreuze für die Stirn lösen Hautreaktionen aus

Am Aschermittwoch : Aschekreuze für die Stirn lösen Hautreaktionen aus

Etwa 20 Personen haben am Aschermittwoch Hautreaktionen von leichten Rötungen bis hin zu spürbaren Hautverletzungen erlitten, nachdem sie ein in allen katholischen Kirchen Monschaus bereitgestelltes Asche-Wasser-Gemisch auf die Haut aufgetragen hatten.

„Aschekreuz to go“ hatte die GdG Monschau eine Aktion genannt, in deren Rahmen Gläubige in allen sieben katholischen Kirchen trotz abgesagter Gottesdienste das traditionelle Aschenkreuz empfangen konnten. In der GdG Monschau wählte man – ebenso wie in vielen anderen Pfarrverbänden – dabei eine andere Form, um den Gläubigen die Möglichkeit zu geben, sich selbst mit dem Aschekreuz zu bezeichnen.

Pfarrer i.R. Karl Schnitzler segnete am Montagmorgen die Asche aus vertrocknetem Buchsbaum und unbehandeltem Brennholz mit Weihwasser in einer kleinen Andacht, anschließend füllten Helferinnen die Asche in viele sehr kleine, zu diesem Zweck gekaufte Gläschen. Die verschlossenen kleinen Behältnisse konnten dann am Aschermittwoch zusammen mit dem Text für eine kleine Segensfeier für zu Hause in den Kirchen abgeholt werden.

Dazu hatte die Leitung der Gemeinschaft der Gemeinden Monschau vor den Altären jeweils zwei Dutzend Tüten bereitgestellt und eine „Anleitung“ dazu ausgelegt: „Hier können Sie gerne ein ‚Aschermittwochstütchen‘ mitnehmen. In diesem Tütchen finden Sie ein kleines Glas mit gesegneter Asche, eine Anregung zur Austeilung des Aschenkreuzes zu Hause sowie eine Bildkarte. Diese Tüten können Sie gerne auch noch für Familien, Freunde oder Nachbarn mitnehmen. So wird die Tradition der Austeilung des Aschenkreuzes auch in diesem Jahr fortgeführt – wenn auch ein wenig anders!“, stand dort zu lesen.

Offenbar machten dann schon zeitig am Aschermittwoch viele Katholiken von dem Angebot Gebrauch, das über soziale Netzwerke, den Pfarrbrief und E-Mails an alle Erstkommunionkinder und andere Gruppen verbreitet worden war. „Im Laufe des Vormittags meldeten sich erste Anrufer und berichteten von Rötungen und Reizungen der Stirnhaut nach der Bestreichung mit der Asche. Daraufhin wurden in den Kirchen die noch vorhandenen Gläser mit der Asche sicherheitshalber sofort entfernt“, berichtete Gemeindereferentin Monika Breuer am Abend.

 In den Kirchen der GdG Monschau standen am Vormittag des Aschermittwoch Tüten bereit, mit deren Inhalt sich die Gläubigen das traditionelle Aschekreuz selbst spenden konnten.
In den Kirchen der GdG Monschau standen am Vormittag des Aschermittwoch Tüten bereit, mit deren Inhalt sich die Gläubigen das traditionelle Aschekreuz selbst spenden konnten. Foto: H. Schepp

Man könne sich diese Reaktion nur damit erklären, dass die kleinen Glasgefäße verschlossen wurden, nachdem man das Gemisch am Montagabend aus den üblichen Ingredienzen angesetzt habe. „Da hat möglicherweise im verschlossenen Glas eine chemische Reaktion stattgefunden, deren Ausmaß uns so nicht bewusst war“, meinte Breuer. In Absprache mit dem Administrator der GdG, Pfarrer Philipp Cuck, soll nun mittels einer Untersuchung der Asche versucht werden zu klären, wie es zu diesen Reaktionen kommen konnte.

Im Namen der GdG bat Monika Breuer alle Betroffenen um Entschuldigung: „Wir wollten mit der gut gemeinten Aktion in diesen schweren Zeiten ein Zeichen der Hoffnung setzen und waren uns wirklich nicht der Folgen bewusst. Dass einige Menschen dadurch Unannehmlichkeiten hatten, bedauern wir zutiefst“, meinte die Gemeindereferentin.

Die Bezeichnung Aschermittwoch kommt von dem Brauch, an diesem Tag im Gottesdienst die Asche der verbrannten Palmzweige des Vorjahres mit Weihwasser zu weihen und die Gläubigen mit einem Kreuz aus dieser Asche zu bezeichnen. Die Aschenweihe und der Empfang des Aschenkreuzes gehören zu den heilswirksamen Zeichen, den Sakramentalien.

Aschlauge ist aber auch ein historisches Reinigungsmittel auf Basis von Wasser und Asche. Aschenlauge war bis Mitte des 20. Jahrhunderts üblich zur Reinigung von Wäsche und Fußböden. Aufgrund des hohen pH-Wertes kann Aschenlauge bei längerer Einwirkzeit zu Verätzungen der Haut und Schleimhäute führen.

Am Aschermittwoch 2018 hatten Gottesdienstteilnehmer einer Gemeinde im Erzbistum Freiburg nach dem Auftragen des Aschekreuzes in der Kirche zum Teil schwere Hautverätzungen auf der Stirn erlitten. Daraufhin hatten mehrere katholische Bistümer in ihren Amtsblättern vor Gesundheitsgefahren gewarnt, die durch Vermischung von Asche und Wasser entstehen könnten. Mit dem Hinweis, die Aschlauge künftig mit einem geringeren Weihwasseranteil anzusetzen, hatten die Bistümer den Fall dann wieder zu den Akten gelegt.