Nordeifel: Angriffe auf Einsatzkräfte sind in der Eifel eher selten

Nordeifel : Angriffe auf Einsatzkräfte sind in der Eifel eher selten

Nach Angriffen auf Polizisten und Rettungskräfte an Silvester und Neujahr wird erneut über härtere Strafen für die Täter diskutiert.

In Berlin wurden Sanitäter mit einer Schusswaffe bedroht, Polizisten und Feuerwehrmänner wurden mit Böllern beworfen und mit Feuerwerksraketen beschossen. Zwei Fahrzeuge der Polizei wurden von Jugendlichen unter Applaus mit einer Schreckschusswaffe beschossen. Auch in Leipzig wurden Polizisten von einer größeren Gruppe mit Knallkörpern, Flaschen und Steinen attackiert.

Wie die Tagesschau der ARD berichtet, wurden auch in NRW 25 Polizisten verletzt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft hatte anschließend erklärt, die Attacken hätten lebensbedrohliche Ausmaße angenommen.

„Es ist höchste Zeit, Rettungskräfte wirkungsvoller zu schützen“, sagte Justizminister Heiko Maas. Die Angriffe seien leider keine Ausnahmen, Polizisten und Rettungskräfte hätten täglich damit zu tun, erklärte Maas und erinnerte daran, dass der Bundestag im Jahr 2017 die Strafen für Angriffe auf Rettungskräfte verschärft habe. Gleichzeitig forderte er, tätliche Angriffe müssten härter bestraft werden.

Auch die Aachener Polizei stellt bereits seit einigen Jahren eine immer weiter steigende Zahl an Gewaltdelikten gegenüber Polizeibeamten und Rettungskräften fest. „Im Bereich der Eifelkommunen gibt es ebenfalls Übergriffe, die zahlenmäßig jedoch im Vergleich zur Stadt Aachen noch nicht solche Ausmaße angenommen haben. Trotzdem ist natürlich jeder Übergriff einer zu viel“, erklärt die Polizei auf Anfrage.

Die von der Polizei zur Verfügung gestellte Statistik enthält nur Delikte, die auch Opferangaben erfordern, also zum Beispiel Gewaltdelikte und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Beleidigungen oder Beschimpfungen können nicht ausgewertet werden. Laut dieser Statistik gab es im Jahr 2016 in Aachen insgesamt 478 Fälle (428 Polizei, 34 sonstige Vollzugsbeamte, 16 Feuerwehr und Rettungsdienste), in Monschau insgesamt 6 Fälle (alle Polizei), in Simmerath 11 (9 Polizei, 2 sonstige Vollzugsbeamte) und in Roetgen einen Fall (Polizei).

Hier handele es sich jeweils um die Anzahl der Personen und nicht um die Anzahl der Vorfälle. In einem Fall könnten auch gleichzeitig mehrere Personen geschädigt sein, erklärt die Polizei. Auch im Jahr 2017 seien insgesamt bereits an die 320 Fälle registriert worden, im Bereich der Eifel-Kommunen insgesamt eine Handvoll Übergriffe auf Polizeibeamte.

In der polizeilichen Praxis sollen verschiedene Trainings- und Fortbildungsmaßnahmen dafür sorgen, „dass die Beamten im Rahmen ihres täglichen Dienstes handlungssicher sind“. Deeskalierende Gesprächsführung, taktische Eigensicherung, konsequentes Auftreten und die anschließende Nachbearbeitung der Einsätze würden die Beamten in die Lage versetzen, „in diesen Situationen angemessen reagieren beziehungsweise agieren zu können“, erläutert die Polizei.

Entspannter als bei der Polizei sieht es bei den Feuerwehren in der Nordeifel aus. „Hier und da gibt es Ausnahmen. Aber was Kollegen aus den Städten berichten, haben wir hier in der Eifel in der Form nicht“, sagt Simmeraths Wehrführer, Christian Förster. Es komme vor, dass Betroffene bei Bränden laut würden oder auch Kommentare abgeben würden. „Das liegt aber in der Natur der Sache, und es handelt sich um Ausnahmen, die angesichts der Situation verständlich sind. Angriffe auf Feuerwehrleute hat es aber noch nie gegeben“, sagt Förster.

Fälle, in denen es Gewalt gegenüber Feuerwehrleuten gegeben hat, sind auch Roetgens Wehrführer, Joachim Wynands nicht bekannt. Das Gegenteil sei eher der Fall. „Im Einsatz erfährt man oft Unterstützung von Betroffenen oder von den Nachbarn, die Kaffee und Verpflegung bringen“, sagt Wynands. Bei Straßensperrungen stoße man schon mal auf Unverständnis. „Aber das äußert sich in Worten und nicht in Taten“, sagt Wynands.

„Bei uns gibt es da keine Probleme. Wir werden in der Regel weder beschimpft noch angegriffen“, sagt auch Monschaus Wehrführer, Falk Claßen. Zu Behinderungen durch Schaulustige komme es in Einzelfällen aber schon. Der stellvertretende Leiter der Monschauer Feuerwehr, Alexander Bongard, erinnert in diesem Zusammenhang an einen medizinischen Notfall in der öffentlichen Toilettenanlage am Burgau in Monschau. Dort hätten Schaulustige auf den Parkdecks gestanden und das Geschehen mit ihren Mobiltelefonen gefilmt. „Das war schon erschreckend“, sagt er.

„Wir wurden noch nicht angepöbelt oder angegriffen. Ebenso selten hört man auch mal Dank. Aber das erwarten wir auch gar nicht“, sagt der Ortsbeauftragte des THW Ortsverbandes Simmerath, Sven Kämmerling.

„In der Eifel hat man im Rettungsdienst eine andere Klientel an Patienten als in einer Stadt“, sagt Manuel Iskra, stellvertretender Wachbereichsleiter Süd beim Deutschen Roten Kreuz (DRK). Die Eifeler seien „ein nettes und freundliches Volk“, das für jede Hilfe dankbar sei. Zu tätlichen Übergriffen sei es hier noch nicht gekommen.

Aber zu sagen, dass ein Mitarbeiter im Rettungsdienst noch nie beschimpft oder angepöbelt wurde, sei falsch. Beleidigungen oder Pöbeleien von alkoholisierten oder psychisch erkrankten Menschen seien nicht an der Tagesordnung aber durchaus möglich.

Allerdings müsse man auch die Umstände betrachten. „Es ist auch dem Beruf geschuldet, dass wir Menschen in für sie akuten Ausnahmezuständen begegnen, wo niemand vorher weiß, wie er selbst reagieren würde. Hierbei hilft uns die Ausbildung und die Erfahrung als Rettungsdienstler, die Situation anders beziehungsweise gelassener aufnehmen zu können“, sagt Iskra.

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