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Roetgen: Anderthalb Kilo sagen aus, wie viel Roetgen wert ist

Roetgen : Anderthalb Kilo sagen aus, wie viel Roetgen wert ist

Wie viel ist die Gemeinde Roetgen wert? Ein 1,4 Kilo schweres Papierwerk gibt über diese Frage Aufschluss: Der neue Roetgener Haushaltsplan erfasst alle Vermögenswerte der Gemeinde, von Straßen und Gebäuden über den Forstbetrieb bis hin zum Abwasserwerk.

Das gewichtige Werk markiert den Einstieg der Roetgener Verwaltung in eine neue finanzwirtschaftliche Steuerung, die als Neues Kommunales Finanzmanagement (NKF) bezeichnet wird. „Ein schreckliches Wort”, sagt Heinz Mertens, Amtsleiter der Roetgener Finanzverwaltung, beim Blick auf den schweren Wälzer.

Dem stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde graut es wohl jetzt noch vor dem Aufwand, der hinter der finanzwirtschaftlichen Reform steckt. An der Umstellung, die den Gemeinden NRWs von der Landesregierung bis spätestens zum 1. Januar 2009 verbindlich vorgeschrieben wird, hat die Roetgener Verwaltung bereits seit den letzten fünf, sechs Jahren gearbeitet. Nun liegt das Ergebnis in biblischem Umfang vor.

Es stellt den Wechsel von der kameralistischen zur Buchführung der Doppik dar. Im Klartext heißt das, dass die bisherige Darstellung kassenmäßiger Ein- und Ausgaben von einer doppelten Buchführung abgelöst wird.

Diese folgt dem System der betriebswirtschaftlichen Buchführung, betrifft jeweils zwei Konten (eines im Soll, eines im Haben) und erfasst auch Wertveränderungen. Wie bei Privatunternehmen gibt es eine Eröffnungsbilanz, für die das gesamte kommunale Vermögen bewertet werden muss.

Künftige Generationen entlasten

Ziel ist eine transparentere Haushaltswirtschaft, die den Ressourcenverbrauch in der Gemeinde offen legt und eine ergebnisorientierte, sprich wirtschaftlichere Steuerung ermöglicht. „Vereinfacht gesagt geht es darum, dass die Gemeinde intergenerativ gerecht handelt und darüber nachdenkt, wie kommende Generationen belastet werden”, so Mertens.

Ob der etwa 500-seitige Haushaltsplan allerdings auch das hält, was er verspricht, da ist sich Mertens nicht so ganz sicher. „Ob das funktioniert, müssen wir mal abwarten. Ich erlebe jetzt bereits die zweite Haushaltsreform”, sagt er. In den frühen 70ern habe es schon eine Reform gegeben, damals wurden ordentlicher und außerordentlicher Haushalt vom Vermögens- und Verwaltungshaushalt abgelöst.

„Im Prinzip hatte man sich damals das gleiche wie vom NKF versprochen, aber irgendwie ist die Reform der 70er ins Leere gelaufen.” Die Skepsis des Amtsleiters der Finanzverwaltung zieht sich übrigens vom Bürgermeister bis zum Kämmerer durch das ganze Rathaus.

Klar ist allerdings bereits jetzt: Die Umstellung auf das NKF war mit gewaltigen Kosten verbunden. Alleine die notwendigen Schulungen für die Mitarbeiter und eine neue Software haben Roetgen an die 200.000 Euro gekostet, weiß Heinz Mertens zu berichten. Dabei seien Personalkosten noch gar nicht mitgerechnet. Und die Umstellung ist noch immer nicht beendet: „Wir sind täglich dabei das Vermögen in der Gemeinde zu erfassen”, so Mertens. So wird etwa Inventur im Rathaus gehalten, Tische, Stühle, Geräte, Computer und alle weiteren Vermögensgegenstände werden festgehalten - viel Arbeit für relativ geringe Vermögenswerte.

Gar nicht so reiche Gemeinde

Was das Vermögen Roetgens im Wesentlichen ausmacht, sind der gemeindeeigene Forstbetrieb (14 Millionen Euro), das Straßennetz (10 Millionen Euro), das Abwasserwerk (15,2 Millionen Euro), Gebäude wie das Rathaus (6,5 Millionen Euro) und die Schulen der Gemeinde (3,7 Millionen Euro). Insgesamt schätzt Mertens das Vermögen von Roetgen auf 65 Millionen Euro.

„Wir sind gar nicht so eine reiche Gemeinde”, bilanziert Mertens. „Wir haben das, was man als Gemeinde in unserer Größenordnung so hat.”