Roetgen: Adventskonzert in Roetgen: 50 Jahre und noch immer „jung“

Roetgen: Adventskonzert in Roetgen: 50 Jahre und noch immer „jung“

Der Junge Chor Aachen ist schon fast fünfzig Jahre alt — das Prädikat „jung“ kann sich also wohl nicht auf dieses Datum beziehen. Freilich hat sich der Chor bis heute immer wieder durch nachwachsende junge Sängerinnen und Sänger erneuert. Aber als „jung“ will sich der Chor vor allem deswegen verstanden wissen, weil er sich mit Vorliebe um neue Chorliteratur kümmert.

Davon zeugte auch das Programm seines diesjährigen Adventskonzerts, mit dem er am vergangenen Samstagabend in der evangelischen Kirche in Roetgen gastierte. Am Beginn stand allerdings ein ganz altes Adventslied: das mittelalterliche „Aachener Schöffenlied“. Dessen Anfang gab auch den Titel „Nun sei uns willkommen, Herre Christ“ des Konzerts vor.

Singen mit dem Publikum

Dieses alte Aachener Lied trug Chorleiter Fritz ter Wey zunächst einstimmig in der ältesten erhaltenen Fassung vor, bevor der Chor einstieg und dann anschließend gemeinsam mit den Besuchern das Lied in neueren Sätzen sang.

Dirigent Fritz ter Wey hatte den Chor vor nahezu fünfzig Jahren gegründet und ihn in dieser Zeit stets auf einem beachtlichen musikalischen Niveau halten können. In seinen schon traditionellen Auftritten im Monschauer Land haben der Chor und Fritz ter Wey immer wieder zeigen können, wie produktiv die Chorkomponisten sind.

Gleich nach dem Aachener Adventslied gab es einen ganz aktuellen Chorsatz des jungen Norwegers Ola Gjeilo aus dem Jahre 2008. Hinter dem Titel „Northern Lights“ verbarg sich ein Text aus dem „Hohen Lied“ der Bibel, einer Sammlung von Liebesgedichten, die in der mittelalterlichen Bibeldeutung oft mit Maria in Bezug gesetzt wurden.

Zusammen mit einem späteren zweiten Stück mit marianischem Inhalt des gleichen Komponisten war ein Chorklang und eine Thematik zu hören, die einerseits die Innigkeit und Emotionalität der Adventszeit spürbar werden ließ, aber doch fern war von jeder süßlichen Sentimentalität. Dies galt genauso für den Abend im Ganzen.

Und es galt für die Art der Darbietung von Genauigkeit, Klangschönheit und spürbarer innerer Anteilnahme der Sänger. Letzteres war besonders bei einigen kurzen solistischen Passagen zu bemerken. Neben dem Norweger Gjeilo gab es an neuen Stücken durch John Rutter zwei Vertonungen von Weihnachtsliedern englischer Renaissance-Dichter.

Klangprächtiges Alleluja

Und dann — von Fritz ter Wey hervorgehoben — ein sehr differenziertes und besonders klangprächtiges Alleluja des jungen Amerikaners Eric Whitacre. Wie vielfältig das Konzert war, zeigte sich darin, dass auch von klassischen Komponisten etliche eindrucksvolle Stücke zu hören waren. So von Felix Mendelssohn-Bartholdy, von Charles Villiers Stanford und — ebenfalls auffällig — drei Sätze aus dem Gloria von Francis Poulenc.

Dazu gab es ein paar Weihnachtslieder, in den die Zuhörer mit einstimmen konnten. Einen besonderen Akzent setzte der Chorsänger und Klarinettist Martin Busch, der mit dem Pianisten René Rolle die 3 Fantasiestücke op. 73 von Robert Schumann darbot. René Rolle begleitete auch einige der Chorstücke am Klavier. Insgesamt ein sehr schöner Abend. Man darf sich auf den nächsten Auftritt des Chors im Monschauer Land jedenfalls schon jetzt freuen.

(js)
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