Adventskonzert in der Pfarrkirche Simmerath

Adventskonzert in der Pfarrkirche Simmerath : Ein kleines Werk überzeugt ganz besonders

„Öffnet die Tore weit!“ Unter diesem Titel stand das Adventskonzert, das der Kirchenchor Simmerath und der Kammermusikkreis Simmerath gemeinsam am dritten Adventssonntag aufführten. Pfarrer Michael Stoffels hob bei seiner Begrüßung in der Pfarrkirche hervor, dass zu früheren Zeiten die Erwartung des Advent nach geöffneten Türen sicher ausgeprägter war.

Heute dagegen seien vielleicht eher noch zu viele Türen geöffnet, die aber nicht nach Erbauung sondern nach Konsum verlangen. So aber war eine besinnliche Stunde wie diejenige in der Simmerather Pfarrkirche umso eher angebracht.

Es war ein buntes, vielfältiges und anspruchsvolles Programm, das die Musiker zu Gehör brachten. Drei geistliche Motetten von Michael Haydn, dem oft unterschätzten Bruder des berühmteren Joseph Haydn, bildeten neben einer eben erst komponierten Pastoralmesse des walisischen Kirchenmusikers Robert Jones eine Art Gerüst für das Konzert. Der Simmerather Kirchenchor war dabei ganz in seinem Element, auch die Begleitung durch den Kammermusikkreis war sehr gediegen und verlässlich. Daneben konnte sich aber auch eine Reihe von Solisten auszeichnen.

So spielte Ulrike Schuppener zusammen mit Friedhelm Schütz ein Duo von Ignaz Pleyel für zwei Violinen. Judith Scheidweilers anrührender Sopran war in mehreren kleineren Motetten, die der ehemalige „Junge Chor“ unter dem neuen Namen „SimmFlair“ vortrug, eine besondere Attraktion. Auch hier waren Stücke aus der sehr aktiven englischen Kirchenmusik-„Szene“ zu hören, so von Simon Lindley und William Lloyd Webber (dem Vater der bekannteren Andrew und Julian Lloyd Webber).

Am meisten allerdings überzeugte in dieser Hinsicht ein kleines Werk des deutschen Komponisten Andreas Boltz, der die adventliche Antiphon „Rorate caeli“ („Tauet Himmel den Gerechten“) mit einem interessanten Chorsatz des Liedes „Maria durch ein Dornwald ging“ verschmolz. Auch hier konnte sich Judith Scheidweiler als Sopransolistin auszeichnen; Friedhelm Schütz spielte das zugehörige Violinsolo.

Die „Pastoralmesse“ von Robert Jones – sie sollte wohl so etwas wie das Hauptwerk des Nachmittags sein – wurde vom Chor zweifellos gut dargeboten. Es fehlte beim ersten Anhören dieses Werkes allerdings ein wenig die musikalische Substanz – das „Pastorale“ an der Messe etwa erschloss sich nicht unmittelbar. Lediglich das „Agnus Dei“ konnte durch eine sehr nahe gehende musikalische Grundidee für sich einnehmen.

Das Gesamtkonzept und die Leitung des Nachmittags lag bei Gabriele Scheidweiler-Pleines, die neben ihrem „Stammchor“ in Lammersdorf auch den Kirchenchor in Simmerath zu einer erfreulichen Qualität gebracht hat. Das Zusammenwirken mit dem Kammermusikkreis unter der Leitung von Friedhelm Schütz tut offensichtlich beiden Klangkörpern gut und führt immer wieder zu den positiven Ergebnissen wie am Sonntag, als das Publikum in einer recht gut gefüllten Simmerather Pfarrkirche am Schluss großen Beifall spendete.

Dieser Beifall schloss auch zwei verlässliche Begleiter ein, nämlich Birgit Röseler am Klavier und Werner Witzenhausen an der Orgel. Der Vorsitzende des Kirchenchors, Norbert Kaufmann, ließ es sich nicht nehmen, am Schluss allen leitend oder solistisch Aktiven des Nachmittags persönlich einen herzlichen Dank abzustatten. Mit dem gemeinsam gespielten und gesungenen Weihnachtslied „Engel auf den Feldern singen“ ging eine besinnliche und bewegende Adventsstunde zu Ende.

(js)
Mehr von Aachener Zeitung