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Rurberg/Woffelsbach: Abwasser unter Wasser zur Kläranlage

Rurberg/Woffelsbach : Abwasser unter Wasser zur Kläranlage

Eine neue Technik machts möglich. Über eine Kunststoffleitung, die auf dem Grund des Rursees liegt, soll ab 2006 das Abwasser aus Rurberg in die dann ertüchtigte Membranfiltrationsanlage Woffelsbach transportiert werden.

Das ehrgeizige Projekt stellte am Donnerstagabend Dipl.-Ing. Gerhard Tirok, Dezernent für Planen und Bauen beim Wasserverband Eifel/Rur (WVER), in der Sitzung des Simmerather Bauausschusses vor.

Die 1975 gebaute Kläranlage Rurberg soll für 750.000 Euro zur Pumpstation umgebaut und außer Betrieb genommen werden, das komplette Abwasser fließt dann über eine vier Kilometer lange Kunststoffleitung nach Woffelsbach. Die hochmoderne Kläranlage in Woffelsbach am Seeufer soll in der äußeren Form einem Schiffsrumpf nachempfunden werden, um dem Standort gerecht zu werden.

100 Jahre Lebensdauer

Die Seeleitung kostet rund 900.000 Euro. Sie wird an Land verschweißt und dann aufs Wasser verschoben. Dann werden die drei Kunstrohre (eines dient als Reserve) langsam befüllt. Bei diesem Vorgang sinkt die Leitung etwa vier Meter pro Minute langsam Richtung Seegrund. Nach 17 bis 20 Stunden hat sie ihre endgültige Position erreicht, die Trasse ist mit Hilfe von Tauchern bereits festgelegt worden, die Baugenehmigung liegt inzwischen vor. Taucher und Tauchroboter werden beim Einbau und in Zukunft für die Überwachung sorgen.

Wichtig bei der Trassenfestlegung war, nicht mit den Trossen der Steganlagen in Berührung kommen. Zahlreiche Punkte mussten dabei umkurvt werden. Ab Rurberg wird zunächst ein Stück der Leitung in den Weg verlegt, ehe sie tief genug und nicht sichtbar ins Wasser gleitet. Die Leitung ist schlag- und abriefest und es wird ihr eine Lebensdauer von 100 Jahren prognostiziert. Im Abstand von 3,80 Meter wird das Leitungsbündel über Betonreiter zusammengehalten. Zusätzlich werden insgesamt 15 Betonfundamente zur weiteren Fixierung auf den Seegrund abgelassen.

Sicherheit spielt eine wichtige Rolle beim Unterwasser-Abwassertransport. Die ankommende Abwassermenge wird kontinuierlich gemessen, ebenso auch der Leitungsdruck. Zudem besteht die Möglichkeit mit einem Gerät, das die Leitung durchfährt („Molch-Ortung”), mögliche Lecks per Signal anzuzeigen.

Ab Januar soll mit den Arbeiten begonnen werden, damit zur Fremdenverkehrssaison von der Leitung nichts mehr zu sehen ist.

Strömung kein Problem

Auf entsprechende Nachfragen versicherte Tirok, dass die Abwasserleitung auch bei Tiefstand des Rursees allen Strömungen, beispielsweise durch die Rurseeschifffahrt, standhält.

Nur ein Punkt ist nicht kalkuliert worden: Sollte ein strenger Winter folgen und den See mit einer Eisdecke überziehen, dann wird es Verzögerungen beim Einbau der Leitung geben.