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Dritter „Corona-Jahrgang“ : Abschied von der Schule fast wie in alten Zeiten

Dritter „Corona-Jahrgang“ : Abschied von der Schule fast wie in alten Zeiten

Auch wenn sie der dritte Jahrgang in Folge waren, der die finale Schulzeit zumindest teilweise unter Pandemiebedingungen bestreiten musste, durften die diesjährigen Abschlussklassen ihren „Schritt ins Leben“ beinahe wieder wie vor Corona feiern.

„Herzlich willkommen zum Farbfestival!“ steht auf dem riesigen Tuch, das den Eingang zum Schulhof versperrt. Durch ein ausgeschnittenes halbrundes Tor gelangt man zur „Baustelle St. Ursula“, wo eine bunte feiernde Menge nicht zu übersehen und schon gar nicht zu überhören ist. Es ist der denkwürdige letzte Tag für 77 junge Damen an der über 300 Jahre alten Schule hoch oben auf dem Berg. Die Abschlussschülerinnen sind an den leuchtend gelben und orangefarbenen Sicherheitswesten zu erkennen, und für die zurückbleibenden gut 300 Mitschülerinnen haben sie sich etwas Besonderes ausgedacht: „Vor Corona wurde am letzten Schultag hier immer mit Wasserpistolen herumgeschossen, aber das erschien den Mädchen angesichts des Kriegs in der Ukraine diesmal etwas unpassend. Deshalb haben sie sich das Farbfestival ausgedacht“, erzählen die Klassenlehrerinnen Claudia Klein-Rampazzo (10b), Simone Geicht-Culicki (10a) und Lena Gronen (10c).

Und so steht die komplette Schülerschaft an diesem Morgen auf dem hinteren Schulhof am Pavillon und bildet eine überdimensionale Friedensfahne in Regenbogenfarben. Denn heute sind alle Schülerinnen der Bitte der Abschlussklassen nachgekommen und haben sich je nach Klasse farbig angezogen: die Jüngsten in Rot, das sechste Schuljahr in Orange, die beiden Siebenerklassen in Gelb und die Klassen acht und neun in Grün, Blau und Lila. Zu einem festgelegten Song kommen die Klassen und Farben nach und nach dazu, und so bietet sich schließlich aus der Vogelperspektive das wunderbare Bild der Regenbogenfarben, das später noch durch gezündete Farbpatronen unterstützt wird. Als die Lieder aus den Boxen dröhnen, beginnt die Meute wild zu tanzen, singen und feiern, es wirkt alles total befreit und erleichtert.

Ein solches Happening wäre vor einem Jahr und auch im Jahr davor undenkbar gewesen. Abi- und Abschlussfeten wurden frühzeitig abgeblasen, das „Zumachen“ an der Schule fiel ebenfalls aus oder wurde im kleinsten Rahmen gefeiert, und die beliebten Mottotage wurden in den letzten beiden Jahren ebenfalls gestrichen oder mehr oder minder intern abgehalten.

 Die traditionsreiche Hupfahrt des Monschauer Gymnasiums war sogar zu Coronazeiten möglich gewesen und durfte natürlich auch in diesem Jahr nicht fehlen. Heute gibt's die Abizeugnisse für den Jahrgang.
Die traditionsreiche Hupfahrt des Monschauer Gymnasiums war sogar zu Coronazeiten möglich gewesen und durfte natürlich auch in diesem Jahr nicht fehlen. Heute gibt's die Abizeugnisse für den Jahrgang. Foto: MHA

2022 aber wird dieser wichtige Lebensabschnitt wieder so beendet, wie das vor Corona der Fall war, auch offiziell. Am Freitag füllten die 77 Abschlussschülerinnen, diesmal im feinsten Outfit, und ihre Familien die Aukirche wieder beträchtlich, nachdem die letztjährigen Absolventinnen noch in kleiner Besetzung und mit Abstand den Schlussgottesdienst hatten feiern müssen.

Die strengen Regelungen waren 20 und 21 natürlich auch für alle anderen Schulen und Abschlussfeiern vorgegeben: reduzierte Gästezahl, Abstand, teilweise Testpflicht, ein passender Impfstatus oder Maske im Innenraum. Das klingt heute so, als wäre es schon Jahre her.

 Über den roten Teppich: An der Sekundarschule Nordeifel haben in den vergangenen Wochen 122 junge Frauen und Männer ihre Abschlussprüfung abgelegt, davon 67 in Simmerath (Bild). Dabei erreichten 44 Mädchen und Jungen den Hauptschulabschluss, 78 den mittleren Schulabschluss (früher mittlere Reife genannt) und davon wiederum 42, also mehr als die Hälfte, mit der Qualifikation für ein Gymnasium.
Über den roten Teppich: An der Sekundarschule Nordeifel haben in den vergangenen Wochen 122 junge Frauen und Männer ihre Abschlussprüfung abgelegt, davon 67 in Simmerath (Bild). Dabei erreichten 44 Mädchen und Jungen den Hauptschulabschluss, 78 den mittleren Schulabschluss (früher mittlere Reife genannt) und davon wiederum 42, also mehr als die Hälfte, mit der Qualifikation für ein Gymnasium. Foto: MHA/Heiner Schepp

Doch in Wahrheit sind die vielen Entlassschülerinnen und Schüler 2022 ein weiterer Corona-Jahrgang. Schließlich haben sie die letzten drei Jahre ihrer Schulzeit und damit die entscheidende Phase ihrer Laufzeit am Gymnasium, an der Realschule oder an der Sekundarschule unter veränderten Bedingungen durchleben müssen: mit reichlich Distanzunterricht, einer eingeschränkten Klassen- oder Schulgemeinschaft, strengeren Vorgaben bei Abitur- oder Abschlussarbeiten und ausgefallenen Stunden oder mehr Krankheitstagen.

Dies dürfte auch bei den Entlassfeiern der Abiturientien in Vossenack (gestern) und Monschau (heute) zur Sprache kommen. Das Franziskus-Gymnasium konnte am Freitag bei traumhaftem Sommerwetter wie schon im Vorjahr auf dem Schulhof feiern und dabei sogar den Gottesdienst unter dem strahlend blauen Himmel statt in der Klosterkirche halten. Danach ging’s zur großen Sause in die Tanzwerkstatt Rollesbroich.

Dagegen werden die 70 jungen Frauen und Männer der Abiturientia des Monschauer St.-Michael-Gymnasiums heute in der zum Festsaal umgestalteten Sporthalle Haag ihr Reifezeugnis erhalten, was angesichts der tropischen Temperaturen sicher nicht die schlechteste Idee ist. Um 13 Uhr geht’s los, um 15 Uhr versammeln sich die Hauptpersonen des Tages zum Abschlussfoto und Sektempfang auf dem Hof der ehemaligen Hauptschule, wo absehbar auch Klassen des MGM unterrichtet werden sollen. Danach fährt die Festgemeinde zur Vereinshalle Kalterherberg, wo dann – wie in alten Zeiten – Buffet und ein unterhaltsames Abendprogramm warten. Auch die MGM-Abiturientia hatte mit Abifeten, Funturnier, Mottowoche und der traditionsbeladenen Hupfahrt den folkloristischen Teil der Abschlussfestivitäten gefeiert.

Beides, Pflicht und Kür der erfolgreichen Abschlussjahrgänge hat die Sekundarschule Nordeifel als Einrichtung mit der höchsten Zahl von Absolventen – insgesamt 152 Mädchen und Jungen - bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Nach Pfingsten hatten die 97 Zehntklässler am Standort Simmerath drei Mottotage feiern dürfen und mittwochs den Unterricht für alle Klassen durch ein wildes Schulfest der besonderen Art ersetzt, bei dessen Spielen – na klar – auch die Lehrerinnen und Lehrer nicht verschont blieben.

Umso festlicher ging es dann am Dienstag in Kleinhau und am Mittwoch in Simmerath zu, wo die Abschlussklassen ihren Abgang als Oscarverleihung zelebrierten. Stilecht schritten die jungen Hauptdarsteller über einen langen roten Teppich zur Übergabe der Oscars, pardon: Zeugnisse, begleitet von persönlichen Worten ihrer Klassenlehrerinnen und -lehrer.

Nicht zum großen Rahmen, wie zuletzt vor drei Jahren, kehrte hingegen das Simmerather Berufskolleg (BK) zurück. „Diese Riesenfeier in unserer Sporthalle hat sich, nicht nur durch Corona, vielleicht überholt“, sagt der Standort-Verantwortliche Axel Tings. Die Bandbreite an Schülerinnen und Schülern und Abschlüssen sei „manchmal des Guten zu viel gewesen“, sagt Tings. Deshalb hätten die einzelnen Klassen in diesem Jahr im kleinen Rahmen gefeiert und ihre Zeugnisse erhalten. 139 junge Frauen und Männer in sechs Angebotsbereichen verlassen das BK Simmerath in diesen Tagen.

Für das im August beginnende neue Schuljahr am Berufskolleg sind dagegen noch einige Kapazitäten frei, neben der Erzieherinnenklasse (wir berichteten) auch an der Höheren Handelsschule, wo die jungen Menschen mit dem Fachabitur abschließen. „Hier freuen wir uns auch in den kommenden Wochen noch über Anmeldungen und können unter anderem ganz neu Niederländisch als zweite Fremdsprache anbieten“, wirbt Axel Tings.