Aachener Polizei gibt Kriminalstatistik für 2018 heraus

Kriminalitätsstatistik : Weniger Drogendelikte, mehr Ladendiebstähle und ein versuchter Mord

Die Aachener Polizei hat die Kriminalstatistik für 2018 herausgegeben. In der Nordeifel gibt es kaum Auffälligkeiten — mit Ausnahme zweier versuchter Tötungsdelikte.

Es ist Anfang 2017, als eine junge Monschauerin in einem Kleinanzeigenportal die Suche für einen Nebenjob inseriert, sie möchte babysitten. Daraufhin meldet sich ein vermeintlicher Professor der Universität München bei ihr. Er bietet ihr Geld, im Gegenzug solle sie Experimente mit Strom an sich selbst vornehmen und ihn per Skype, einem Dienst für Videotelefonie, zusehen lassen. Es werde ihr nichts passieren, versichert ihr der Mann. Die junge Frau willigt ein und lässt es so aussehen, als führe sie seine Forderung aus. Doch sie täuscht nur vor, diverse Stromversuche an sich vorzunehmen.

Der Fall wird später als versuchter Mord eingestuft — und in der Kriminalitätsstatistik für 2018 aufgeführt, die die Aachener Polizei am Mittwoch vorgestellt hat. „Es gibt eine unbekannte Zahl an Fällen dieser Art“, sagte dazu Hans Bourguignon von der Direktion Kriminalität. Auch einen Fall von versuchtem Totschlag habe es gegeben, erklärt er. In Simmerath hat im Jahr 2016 jemand versucht, eine Person mit einer Eisenstange umzubringen.

2018 wurden die beiden Fälle abgeschlossen, deshalb sind sie in der Statistik für dieses Jahr erfasst.

1138 Straftaten in der Nordeifel

Insgesamt gab es 1138 Straftaten im Jahr 2018 in der Nordeifel, 109 Fälle weniger als noch im Jahr zuvor. Die Aufklärungsrate stieg indes von 41,3 Prozent in 2017 auf 45,25 Prozent in 2018. Heruntergerechnet auf die einzelnen Kommunen ergeben sich folgende Zahlen: 343 Straftaten in Monschau, 23 Prozent weniger als 2017, 558 Straftaten in Simmerath und somit 4,6 Prozent weniger als 2017 und 237 Straftaten in Roetgen, 9,2 Prozent mehr als im Vorjahr.

Im gesamten Gebiet der Kreispolizeibehörde, also der gesamten Städteregion, wurden zum Vergleich 44.993 Straftaten verzeichnet. Auch hier sank die Zahl jedoch um 8,4 Prozent zum Vorjahr, was 4149 Fälle weniger ausmacht. „Das ist eine positive Entwicklung, das sind die besten Zahlen seit mehr als zehn Jahren“, sagte dazu Dirk Weinspach, der Polizeipräsident. Und das trotz der schwierigen Lage für die Aachener Polizei. Denn diese sei laut Weinspach extrem belastet durch die Delikte, die durch die Grenzlage begünstigt seien, wie beispielsweise Autodiebstahl oder Einbruch, sowie die Einsätze im Braunkohlerevier.

Betrachtet man die Fallzahlen in der Nordeifel näher, gibt es dabei abgesehen vom versuchten Mord und Totschlag in der Statistik kaum Auffälligkeiten — mit Ausnahme der Umweltdelikte. Zu diesen zählten auch Verstöße gegen den Verbraucherschutz und gegen das Lebensmittelrecht, die beispielsweise bei Kontrollen von Gastronomien zu Tage treten könnten, erläuterte Bourguignon. Diese stiegen von drei in 2017 auf 13 in 2018 an. Straßenraub wurde statt einmal viermal verzeichnet und Kraftwagen wurden 2018 mit 13 Fällen drei mehr gestohlen als 2017.

Das entspricht nicht dem Trend der gesamten Städteregion. Insgesamt konnte die Polizei nämlich für ihr Gebiet einen Rückgang von 36,1 Prozent verzeichnen. 379 Kraftwagen wurden 2018 gestohlen gemeldet, im Vorjahr waren es noch 593. Und blickt man auf das Jahr 2015, hat sich die Zahl fast halbiert. Damals waren 1016 gestohlene Kraftwagen in der Statistik aufgeführt. „Das liegt auch an der guten grenzübergreifenden Zusammenarbeit mit den Niederlanden und Belgien“, sagte Weinspach.

Zahlen, die einen deutlichen Abwärtstrend gewisser Straftaten in der Nordeifel kennzeichnen, findet man in der Statistik bei den Rauschgiftdelikten. Diese sind um 45,16 Prozent gesunken. Waren es 2017 noch 31 Rauschgiftdelikte, sank die Zahl im Folgejahr auf 17. Auch beim Betrug gibt es einen deutlichen Rückgang um 43,14 Prozent. Waren in 2017 noch 153 Menschen betroffen, waren es 2018 noch 87.

Betrug von älteren Menschen

Eine Klasse, die in der Statistik nicht extra aufgeführt wurde, sind die Betrugsfälle speziell bei älteren Menschen. In dem Bereich gebe es eine Verdoppelung der Taten und eine hohe Dunkelziffer. Mit dem Enkeltrick oder dem Ausgeben als Polizeibeamte versuchen Betrüger, ältere Menschen um hohe Geldsummen zu bringen. Nicht selten gelingt ihnen dies. In 2018 gab es 1363 Fälle in der Städteregion, 1,4 Millionen Euro erbeuteten die Täter. Der Tatort liegt meist im Ausland.

„Dort werden regelrechte Call-Center betrieben, in denen Telefonbücher nach alt klingenden Vornamen abgesucht werden“, erklärte Stephan Wey, Leiter der Direktion Kriminalität. In teils stundenlangen Telefongesprächen würden die älteren Menschen so unter Druck gesetzt, dass viele letztlich nachgeben, hohe Geldsummen von der Bank abheben und einem Betrüger geben würden. „Es ist wichtig, dass auch die Mitarbeiter der Banken für solche Fälle sensibilisiert werden“, sagte Wey. Sozialkontrolle sei schließlich einer der wichtigsten Faktoren, um Straftaten zu verhindern.

Das könne man auch in der Nordeifel gut beobachten. Diese hat die geringste Häufigkeitszahl. Das bedeutet, auf 100.000 Einwohner hochgerechnet werden nur 3201 Einwohner Opfer einer Straftat, also 3,201 Prozent. „Die Sozialkontrolle in dörflichen Gemeinschaften scheint anders zu funktionieren als die Anonymität in der Großtstadt“, meinte Wey. In der gesamten Städteregion liegt die Zahl bei 8120 (8,12 Prozent).