75 jahre Befreiung vom NS-Regime: „Musik unter der Kastanie“

Swingkonzert im Saal Hütten : Rott feiert mit dem Sound der Freiheit

In wenigen Tagen jährt sich die Befreiung Roetgens durch die amerikanischen Alliierten zum 75. Mal. Am Samstag fand der musikalische Beitrag, „Musik unter der Kastanie“, zur Gedenkwoche statt, die am Donnerstag, den 12. September, mit einem Festakt im Bürgersaal an der Rosentalstraße ihren Höhenpunkt finden wird.

Rainer Hülsheger, Vorsitzender des Heimat- und Eifelvereins Rott, freute sich, dass viele Gäste den Weg zum Jazznachmittag gefunden hatten: „Die Idee war, die neue Zeit mit neuen Melodien einzuläuten. Das Ende der NS-Zeit war der Anbruch einer neuen Zeit.“

Es war der Jazz, der im Dritten Reich als „Negermusik“ verboten war, der durch die Alliierten seinen Weg nach Europa fand und als „Musik der Freiheit“, so Hülsheger, gilt. Die „Jazzotic Bigband“, die vom stellvertretenden Leiter der Musikschule Aachen, Walter Hennecken dirigiert wird, brachte den Sound der Freiheit nach Rott.

Aufgrund des wechselhaften Vorherbstwetters musste das Swingkonzert in den Saal verlegt werden, was der Stimmung allerdings keinen Abbruch tat. Mit Glenn Millers Klassikern wie „In the mood“, „Moonlight Serenade“ und „Pennsylvania 6-5000“ feierten der vollbesetzte Saal den Sieg der Freiheit über das NS-Terrorregime.

Die von der „Hitlerbild“-Posse überschatteten Vorbereitungen zur Gedenkwoche machte Hülsheger nachdenklich. Entschlossen sagt er: „Die Diskussion ist gut, weil die Menschen dadurch für das Thema sensibilisiert werden. Selbstverständlich wurde Roetgen befreit. Keine Frage. Es war eine Befreiung von außen durch die militärische Zerschlagung NS-Deutschlands durch die Alliierten und deren millionenfachen Opfer.“

Bürgermeister Jorma Klauss bestätigte in seinem kurzen Grußwort zu Beginn der Veranstaltung, dass es sich um Befreiung handelte, die auch noch 75 Jahre nach Kriegsende gefeiert werden muss: „Der musikalische Beitrag zur Erinnerungskultur passt gut in das Programm der Gedenkwoche. Es muss sachlich aufgeklärt, aber auch beschwingt die Freiheit gefeiert werden.“

Hülsheger, der bereits die Ausstellung „Ende der NS-Gewaltherrschaft – Wege zur Freiheit“ in der Rotter Sparkasse erarbeitet hat, mahnte, die Demokratie als „wertvollstes Gut“ zu wahren und zu „genießen“.

Auch der lukullische Beitrag stand ganz im Zeichen der amerikanischen Befreier: „No Krauts, but Hot Dogs with Krautsalad“ scherzte der ehemalige Geschichtslehrer.

Unter den Gästen war auch der Roetgener Unternehmer Stamos Papas. Er lobte die „ruhige und würdevolle Auftaktveranstaltung der Gemeinde zur Befreiung Roetgens“.

Deutlich appelliert Hülsheger an die Verantwortung: „Lassen wir nicht zu, dass infolge nationalegoistischen Wahlverhaltens – wie in den Jahren 1932 und 1933 – Grundwerte menschlicher Würde und menschlichen Zusammenlebens zertreten werden!“