Eicherscheid: 60 Jahre lang verbunden durch Musik und Heimatliebe

Eicherscheid: 60 Jahre lang verbunden durch Musik und Heimatliebe

„Mit Musik und miteinander geht alles besser…“ Der Schlager aus den „goldenen Zwanzigern“ als irdisches Motto und Wegweiser passt zum Leben von Theo und Trude Heiler geborene Offermann aus Eicherscheid. Kommenden Montag, 25. November, begehen die „Ur—Eescher“ in begnadeter körperlicher wie geistiger Frische das Fest ihrer diamantenen Hochzeit.

Und das wird im Rurberger Gasthaus „Paulushof“ im familiären Rahmen gebührend gefeiert. Der Tag beginnt für das Jubelpaar und seine Gäste - in ihrer Runde auch Sohn Jürgen und Tochter Gabriele, die aus Bad Homburg bzw. aus dem Raum Köln anreisen - mit einem Gottesdienst in der heimischen Pfarrkirche Sankt Lucia.

1953 gaben sich Theo und Trude (beide Jahrgang 1927) in Sankt Lucia das Ja-Wort. Theo Heilers Vater Theodor stammte aus Hildesheim. Er leitete seit deren Eröffnung, 1910, bis zu seiner Pensionierung die Eicherscheider Molkerei. Filius Theo trat beruflich in die Fußstapfen seines Seniors. Der Ehejubilar absolvierte die Doppel-Ausbildung zum Molkerei- und zum Kaufmanns-Gehilfen. Dann wurde der höhere Handelsschüler als Flakhelfer eingezogen und geriet bei Braunschweig in amerikanische Gefangenschaft. „Da hatte ich auf einmal schreckliche Angst.

Durchgestartet in Eicherscheid

Im November 1945 kehrte Theo zurück ins väterliche Borsum bei Hildesheim. Um dann sofort mit viel Temperament und jugendlicher Lebensfreude an seinem künftigen Lebensmittelpunkt Eicherscheid durchzustarten: „Wir besaßen ein Akkordeon, das die Evakuierung der Nordeifeler zum Glück heil überstanden hatte. Zu Silvester ging es im Saale Förster und auf der Bühne melodisch rund: Wir hatten doch nach den Kriegsentbehrungen und Gefahren unbändigen Hunger auf Lebensfröhlichkeit“, sagt Trude Heiler. Wurden die Tänze und der Lärm von Pauken und Trompeten gar zu wild, erschien die Polizei. „Wer noch nicht 16 war, dem drohte Ungemach. So versteckten sich viele Jungen und Mädchen zur „Polizeistunde“ im Keller des Gasthauses oder flohen vor der Festnahme durch Sprünge aus dem Tanzbodenfenster in die Nacht. „Es war eine grausame Zeit voller Not und Mangel an allem, was der Mensch zum Leben braucht. Aber es war doch schön“, sagen die Heilers wie aus einem Mund.

Über zaghaft-bescheidenem Erwachen von Freizeitvergnügen wurden sprichwörtliche Eifeler Tugenden wie Fleiß und Schaffenskraft nicht vergessen. Theo wechselte, als die Eicherscheider Milchverwertungsanlagen 1953 ihre Pforten schlossen, zur Molkerei nach Imgenbroich. Und als die 1969 ebenfalls ihren Betrieb für immer einstellte, trat der Ehejubilar in die Dienste des Druck- und Verlagshauses Weiss. Er war hier im Lohn— und Personalbüro beschäftigt und trat 1989 in den Vorruhestand.

Theo Heilers Herz schlug für das Trommler- und Pfeiferkorps im Golddorf. Hier spielte er aktiv und übte Vorstandsfunktionen aus. 19 Jahre war Heiler zudem Vorsitzender des Ortskartells. Ein Begriff, weit über Eifelgrenzen hinaus, war Theos Vier-Mann-Kapelle „Ruckzuck“, die ihr treues Auditorium mit Auftritten bis nach Hessen anlockte und erfreute. Den Begriff „Band“ für Tanzmusikensembles verwendete damals noch niemand.

Seit Kindertagen

Trude wuchs mit drei Schwestern auf. Sie absolvierte ein landwirtschaftliches Lehr- und Pflichtjahr und trat dann in Monschau in die Lehre als Schneiderin. Nach kriegsbedingter Unterbrechung bestand sie 1948 die Abschlussprüfung und machte sich im Handwerksmetier feiner Damenmoden und -roben bis 1987 selbstständig.

Theo und Trude kannten sich schon von Kindertagen. Sie kamen sich näher, wissen beide noch genau, „als wir Theater spielten, dabei Blickkontakte über die Rolle hinaus knüpften, im gemischten Chor sangen und nach den Proben in der Molkerei gemeinsam nach Hause gingen…“

Bei der Erinnerung an ihre standesamtliche Trauung müssen die Diamanthochzeiter schmunzeln: „Staatlich geheiratet wurde prinzipiell mittwochs, nicht etwa am Wochenende, um nur ja den Sonntag zu heiligen. Die Trauung fand beim Standesbeamten Martin Heinrichs zu Hause statt. Als ich abwesend und in Gedanken versunken war, hörte ich seine mahnende Stimme: Mädche, wöllst de jetraut were, moste jo sare!“

Heimatforschung

Theo und Trude leben heute im mehrfach um— und ausgebauten Haus von Theos Vorfahren (Zum Belgenbach 9, „Hüppeheck“, Hövel). Aber auch Trude spürt dort familiäre Wurzeln: „Meine aus Konzen stammende Großmutter lebte dort. Deshalb fühle auch ich mich hier wohl und zu Hause.“ Ihr Schwiegervater Theodor erwarb das Anwesen später als Altersruhesitz.

Trudes Ende der 1980er Jahre erwachte Passion zur Erforschung lokaler Heimathistorie und Ergründung alter Nordeifeler Haus-, Familien- und Flurnamen ist weit über Eifelgrenzen bekannt. Das Paar unternahm zahlreiche Forschungsreisen, stöberte in Archiven und Kirchenbüchern wie kommunalen Dokumenten. So entstand, konstatiert die Initiatorin, „eine Riesensammlung Nordeifeler Ahnenforschung mit nahezu komplettem Register“.

(M. S.)
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