35 Leserinnen und Leser erfahren in Monschau alles über den Senf

Aktion 7 x Sommer : Von lecker-süß bis schön-scharf

Die Besucher sind begeistert: „Den kann man ja mit dem Löffel essen!“ schwärmt eine Dame, als sie den Honig-Mohn-Senf von ihrem Probestäbchen schleckt. Auch die übrigen mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Führung durch die Senfmühle im Rahmen unserer Aktion „7 x Sommer“ waren angetan von den kulinarischen Schätzen, die hier quasi vor ihrer Haustür entstehen.

Und auch wenn die Besucher an diesem Tag gar nicht von so weit herkamen – die meisten aus Aachen, aus dem Nordkreis und aus dem Dürener Raum -, war es doch für viele der erste Besuch in der Senfmühle, wo sie viel Neues von Elvira Plath erfuhren, die ihre Führungen höchst unterhaltsam und lebendig gestaltet.

Unzählige Besucher haben Elvira Plath, Chefin Ruth Breuer und die anderen Senfmühlen-Experten schon durch die historischen Gemäuer geführt, seit Breuer 2004 als fünfte Generation in das Familienunternehmen eingestiegen ist. 2013 löste Ruth Breuer ihren Vater Guido auf dem Chefsessel ab. Überhaupt ist die Familie Breuer in der Monschauer Senfmühle allgegenwärtig. Ein buntes Ölgemälde zeigt Ruth mit ihrem Vater und Sohn Emil, der sechsten Generation, wie man in Monschau hofft. Porträts der Ururgroßeltern, Urgroßeltern und Großeltern schmücken die Wände auf dem Weg zum Herzstück des Unternehmens: der eigentlichen Mühle.

„Mit der industriellen Revolution wurden die Mühlen von Maschinen abgelöst. Bei uns kann man eine Station in dieser industriellen Entwicklung sehen, den Weg vom Wasserrad zur alten Transmission“, erklärt Elvira Plath, bevor sie die imposante Maschine mit dem Riemengetriebe in Gang setzt. „Transmission ist eine althergebrachte Form der Kraftübertragung“, brachte Plath einen kleinen Physikteil in ihre Führung ein.

22 verschiedene Sorten Monschauer Senf auf der Grundlage des Ur-Rezepts werden mittlerweile in der Senfmühle angeboten. Foto: Heiner Schepp

Der erste Topf stammt von 1882

Den ersten Topf Senf stellte Clemens August Breuer im Jahr 1882 her. Sein Bruder Heinrich übernahm den Verkauf. „Für Clemens August war das Geschäft nur Nebenerwerb, er war eigentlich Bau- und Kunstschlosser“, sagt die Führerin. Ruth Breuers Ururgroßeltern erwarben dann die Transmission, die zunächst per Wasserkraft und ab 1895 mit einer Dampfmaschine lief.

Heute treibt ein kleiner Motor die Transmission an, bei der es sich tatsächlich um das Original handelt. Um die Maschine ab und an zu schonen, hat die Familie Breuer sie eins zu eins nachbauen lassen. Bei den Führungen wird aber nur das Original gezeigt.

Einmal probieren bitte: „Wenn der frische Senf direkt am Mahlwerk gekostet wird, ist er noch ein wenig schärfer als später aus dem Topf“, verriet Elvira Plath den Gästen. Foto: Heiner Schepp

Alte Mühlsteine aus Lava-Basalt

Zwischen zwei alten Mühlsteinen aus schwarzem Eifeler Lava-Basalt, die pro Stück fast 400 Kilogramm wiegen, wird der Senf so hergestellt wie in alten Zeiten. „Wir vermahlen kalt, dadurch bleiben die wertvollen ätherischen Öle aus den Samen erhalten“, erklärt Elvira Plath. Deshalb sei der Monschauer Senf delikater als Industriesenf, bei dessen Produktion große Hitze entsteht. „Das ist wie beim Olivenöl – kaltgepresst ist es am besten.“ 400 Kilogramm kann die Monschauer Mühle pro Tag herstellen. Die Großindustrie schaffe 20 bis 30 Tonnen pro Tag, sagt Ruth Breuer.

Der wichtigste Bestandteil des Monschauer Senfs, die Senfkörner, werden seit jeher und bis heute aus Osteuropa in die Eifel geliefert, weil man eine Senfpflanze auch in der weiteren Umgebung von Monschau nicht finden wird. „Dass die Gründerväter damals auf Senf als Verkaufsschlager kamen, war purer Zufall“, erzählt Elvira Plath.

Elvira Plath wusste den Teilnehmern der Führung viel Interessantes über den Senf und die alte Senfmühle zu erzählen. Foto: Schepp

Mit jeder Generation, die das Zepter übernahm, ist die Mühle gewachsen. Schon Gründer Clemens August erweiterte das Sortiment um Sauerkraut und Weinessig. Sein Sohn Emil Bruno produzierte Selterswasser und Limonaden, nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm er die Generalvertretung für den Aachener Kaiserbrunnen. Mit Ruth Breuers Großvater – ebenfalls ein Clemens August – zog die Firma aus dem Monschauer Ortskern in die Laufenstraße, wo sie bis heute sitzt.

Guido Breuer trat 1981 in die Fußstapfen seiner Vorfahren. Nach und nach entwickelte er 17 neue Senfsorten, darunter den Verkaufsschlager „Honig-Mohn“. Er integrierte das „Monschauer Weinkontor“ und eröffnete das Restaurant Schnabuleum auf dem Firmengelände.

Die schwarzen und weißen Senfkörner, die man vor allem als Beilage von Gewürzgurken kennt, bilden die Grundlage für den Monschauer Senf. Foto: Schepp

Ruth Breuer, nach vier Senfmüllern die erste Senfmüllerin, kann sich ein Leben ohne Senf nicht vorstellen. „Wenn ich etwas esse, kommt immer Senf dazu. In Restaurants frage ich mich, welche von unseren Sorten wohl zu dem Gericht passen würde.“ Selbst im Urlaub denkt sie an Senf. „Senfmojo“ und „Senfaioli“ entstanden nach einem Urlaub in Spanien, die Idee zu den „Monschauer Senffrüchtchen“ kam ihr in Frankreich.

Die Senfmaus Emil

Kaffee-Sahne-Senflikör, Senfpralinen, Spirituosen mit Senf – neben dem Kernprodukt im Steinzeugtopf ist einiges im Angebot, was auf den ersten Blick skurril wirkt. Bisher habe sich aber noch niemand nach dem Probieren der Spezialitäten beschwert, sagt Ruth Breuer und lacht.

Um Kindern die Produktion zu erklären, hat sie die Senfmaus Emil erfunden, eine Handpuppe, deren Abenteuer in der Mühle auch mit Illustrationen in kleinen Heftchen erzählt werden.

Wie viele Steinzeugtöpfe pro Jahr die Monschauer Produktion verlassen, wird nicht verraten. Den höchsten Umsatz macht das Unternehmen im Weihnachtsgeschäft, für das jeweils im August die Produktion startet und für das der Mitarbeiterstamm alle Jahre wieder aufgestockt wird. Inklusive Saison- und Teilzeitkräften beschäftigt die Senfmühle rund 70 Mitarbeiter.