Höfen: 32 Arbeitsplätze gehen im Juni in Höfen verloren

Höfen: 32 Arbeitsplätze gehen im Juni in Höfen verloren

Da hilft kein Heulen und kein Zähneknirschen. Die Tage der Eltern-Kind-Kuren im St. Josefs-Haus in Höfen sind gezählt. Am 30. Juni ist Ultimo. 32 Arbeitsplätze sind von der Einstellung des Kurbetriebes im bundesweit einzigen katholischen Haus mit dieser Spezialisierung betroffen.

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind bereits seit Mitte Januar im Bilde. Das Wohnheim mit seinen 24 Plätzen und seinem 30-köpfigen Betreuungspersonal ist von der Schließung nicht berührt.

Die unzureichende Belegung, schlechte Zukunftsprognosen und letztlich die gescheiterten Pflegesatzverhandlungen Ende Januar haben die Gesellschafterversammlung der Caritas-Lebenswelten GmbH, zu der das St. Josefs-Haus gehört, zu dieser Entscheidung gezwungen, wie Geschäftsführer Marc Inderfurth erläuterte. Von einem „schweren Schritt” sprach auch Gerd Schnitzler, Pressesprecher des Caritasverbandes für das Bistum Aachen. Finanzielle Probleme mit der Einrichtung, die 25 Kurplätze vorhält, gebe es bereits länger, aber man habe immer wieder versucht, diese zu kompensieren. Mittlerweile habe sich das Defizit auf 1,5 Millionen Euro addiert, ein Loch, das man versucht habe, mit Eigenmitteln zu stopfen. Die Belastung habe damit eine Dimension erreicht, die nicht mehr zu stemmen sei.

„Wir haben uns die hohe Priorität bei den Kuren etwas kosten lassen. Getragen hat sich der Betrieb schon lange nicht mehr”, bestätigte auch der Geschäftsführer. „Mit großem Herzen und offenem Portmonee” habe die Caritas versucht, das Problem in den Griff zu bekommen, jedoch, so Marc Inderfurth, „ist es uns nicht gelungen, jemanden zu finden, der sagt, er legt jedes Jahr zwischen 500.000 und 700.000 Euro drauf”. „Die Kosten sind immer mehr aus dem Ruder gelaufen”, bestätigte auch Gerd Schnitzler.

Nicht mehr benötigt werden ab dem Sommer 28 Räume, vom Einzel- bis zum Sechs-Bett-Zimmer, mit medizinischem Bereich und Anwendungszimmern. Was mit dem leerstehenden Gebäudetrakt wird, steht noch in den Sternen. Marc Inderfurth schulterzuckend: „Wir haben noch keinen Plan.”

Konkreter sind die Aussagen, wenn es um das Schicksal der 32-köpfigen Belegschaft geht, die von der Schließung betroffen ist. Sieben Beschäftigten droht die betriebsbedingte Kündigung, wobei, so Inderfurth, mit den Betroffenen verhandelt wird, ob Vorruhestandsregelungen oder Ähnliches greifen. Zehn Mitarbeiterinnen sei bereits die Weiterbeschäftigung in anderen Einrichtungen der Caritas-Lebenswelten angeboten worden. Alle übrigen Verträge laufen aus und werden nicht verlängert. Auch der Tagungsbetrieb schließt gleichzeitig, weil man, so Inderfurth, dafür eigens Personal vorhalten müsste.

Das dicke finanzielle Ende kommt auch noch auf die Caritas-Lebenswelten zu: Die an den Betrieb des Kurhauses gebundenen Zuschüsse des Bundesfamilienministeriums und der Stiftung Wohlfahrtspflege belaufen sich auf mehr als ein halbe Million Euro. Gerd Schnitzler: „Sobald das Haus geschlossen ist, werden wir diese öffentlichen Mittel zurückzahlen müssen.”

Familien mit behinderten Kindern werden für die Lebenswelten weiterhin ein großes Anliegen bleiben, nicht zuletzt in ihren integrativen Kindertagesstätten. Auch werde man die Schließung des St. Josefs-Hauses zum Anlass nehmen, intern die „solidarische Gesellschaft” auf die Agenda zu setzen. Schnitzler: „Das Solidarsystem bröckelt!”

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