Mützenich: 25 Jahre Feuerwehr auf dem Riesentandem

Mützenich: 25 Jahre Feuerwehr auf dem Riesentandem

„Die Initialzündung entflammte buchstäblich mit einer Schnapsidee“, erzählt Arthur Schütt, rurstädtischer Brandinspektor i. R. in seiner Laudatio auf Entstehung und Entwicklung der Fahrrad-Wehr-Kameradschaft. Aus der „Schnapsidee“ wurde, nüchtern betrachtet, eine seltene Erfolgsgeschichte.

Die acht Crewmitglieder des Fahrradteams waren auf dem fünfsitzigen „Supertandem“, Marke Eigenbau, exzellente Botschafter für die Nordeifel, europäische Brückenbauer von Mensch zu Mensch und Integrationsaktivisten der deutschen Einheit.

„Blue—Man-Group“ auf Tandem

Am Samstagabend beging die Löschgruppe des Venndorfes in Monschaus städtischer Gefahren-Schutztruppe das 25-jährige Bestehen ihres Bikerteams im Format XXL. Renate Schütt, als einzige Frau der „Blue—Man-Group“ auf dem Tandem, hieß zur Feier zahlreiche Gäste willkommen. Unter ihnen Aachens Städte-Regionsrat Helmut Etschenberg, Monschaus ehemaliger Stadtdirektor Heinrich Jansen und, als Förderer der Tandemtruppe, der frühere Direktor des „Carat“-Hotels, Francois Szabo.

„Bei feucht-fröhlicher Einweihung unseres Gerätehauses wurde der Wunsch deutlich, 1990 den Deutschen Feuerwehrtag in Friedrichshafen am Bodensee zu besuchen und bei dieser Gelegenheit unseren Kollegen im Schwabenland Aufwartung zu machen“, sagte Schütt weiter, „wir wollten ein besonders originelles und spektakuläres Radl einsetzen, weil zugleich unsere Mützenicher Turnfreunde mit normalen Velos unterwegs waren.“

Ob in Monschaus Partnerkommune Bourg-St. Andeol, auf der Insel Rügen in der Ostsee, dem „heilige Berg“ des Klosters Andechs in Bayern oder in Bad Schandau und Leipzig in Sachsen, ob Weinfeste oder Jubiläen — die Eifeler waren stets gern gesehene, gefeierte Ehrengäste. „Ausgezeichnete Monschauer Stadtwerber und Praktizierende echter Völkerfreundschaft“ sagte Etschenberg. Auf ihren Etappen entstanden wertvolle persönliche internationale Kontakte.

Arthur Schütt blieben markante Ereignisse und Begegnungen im Gedächtnis haften: „Unsere Schwarzwald-Fahrt war besonders hart und kräftezehrend.“ Vor dem Start waren bürokratische Fragen zu klären, gesetzliche Bestimmungen zu beachten — etwa wie lang ein Tandem im Straßenverkehr überhaupt sein darf — und erhebliche Kosten und Gebühren zu begleichen. Berater und Handwerker wie Kurt Offermann waren als Tour-Paten gefragt.

Vor der ersten Pedaldrehung hatte der spätere Motivationstrainer Manfred Clahsen noch geunkt: „Ihr habt längst nicht genug geübt und Kondition gebolzt. Die steile Wallenthaler Höhe schafft ihr nie! Da geht euch die ´Pief aus´.“ Clahsen irrte, wurde danach dennoch zum unentbehrlichen Durchhaltecoach der insgesamt achtköpfigen Radel-Besatzung. Arthur Schütts Urteil über den guten Teamgeist und Mutmacher: „Manfred hat die Gabe, Menschen zu Spitzenleistungen zu bewegen.“ Dazu motivierte auch Carat-Manager Szabo das Starterfeld: „Ich gab den Teilnehmern das Kraftwunder Banane gleich staudenweise mit auf den Weg.“

Milde Meeresbrisen inklusive

Seit ihrer Jungfernfahrt legten sie mehr als 9000 Kilometer auf geländegängigen Pneus quer durch Europa zurück. Sie stürmten alpine Gipfel, trotzten dem „ewig rauen Wind“ der schottischen Highlands, wiegten sich auf Nordseewellen, genossen südfranzösische Lebensart und Gastfreundschaft, milde Meeresbrisen inklusive, erkundeten manch touristische Stadtschönheit und historischen Schatz.

(M. S.)