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Witzerath/Biel: 100 Kilometer durch die „Nacht der Nächte”

Witzerath/Biel : 100 Kilometer durch die „Nacht der Nächte”

Der Klassiker unter den 100-Kilometer-Läufen ist, zumindest in Europa, vielleicht sogar weltweit, der „100er” von Biel. Wie so viele Schweizer Läufe ist auch dieser aus einer langen Tradition von Armeemärschen entstanden. In diesem Jahr wurde die 51. Veranstaltung ausgetragen, wobei 1090 Männer und 180 Frauen das Ziel erreichen sollten.

Der von der Laufikone Werner Sonntag (mit 84 Jahren dieses Jahr zum 34. Mal dabei) geprägte Leitspruch „Irgendwann musst Du nach Biel” hatte auch dem Ultraläuferpaar Marion und Wolfgang Braun schon seit Jahren im Kopf geschwebt und wurde in diesem Jahr endlich in die Tat umgesetzt.

So starteten beide am vergangenen Freitag um 22 Uhr bei angenehmen 18 Grad in „die Nacht der Nächte”, wie sie vom Veranstalter auch bezeichnet wird.

Marion Braun startete von Anfang an ein beherztes Rennen. Obwohl gleich zu Beginn ein hohes Tempo gelaufen wurde, pendelte sie sich bald auf Platz sechs bei den Frauen ein. Der Einrundenkurs verlief durch Felder, Wiesen, Wälder, Schotter und Teerwege und immer wieder kleine Dörfer, in denen Leute die ganze Nacht hindurch feierten und die Athleten lautstark anfeuerten. Bei Kilometer 40 lag Marion Braun bereits an zweiter Position, nun folgten immer wieder lang gezogene oder kurze, knackige Anstiege, die sich am Ende auf 650 Höhenmeter summieren sollten.

Bei Kilometer 56 begann der berüchtigte „Ho Chi Minh-Pfad”. Sind die Beine hier eh schon schwer, wird der Laufrythmus zusätzlich noch arg gestört, da es über einen gut zehn Kilometer langen, mit Wurzeln übersäten, steinigen Trampelpfad durch dichtes Gebüsch geht.

„Eine Lampe ist hier dringend notwendig, ansonsten wären Stürze garantiert”, beschrieb Wolfgang Braun hinterher diesen Abschnitt. Erst ab Kilometer 66 konnte wieder auf Teer gelaufen werden, „was für die Füße erstmal eine Wohltat bedeutet”, so die Brauns.

Langsam erwachte der Morgen, die Temperaturen waren unter 10 Grad gefallen, und Marion musste bei Kilometer 72 einer jüngeren Konkurrentin den zweiten Platz überlassen. Bei Kilometer 77 ging es über einen steilen Hügel und schließlich hinab zur Aare, an der die Strecke über 10 Kilometer durch eine wunderbare Flusslandschaft im aufgehenden Sonnenlicht verlief. Noch ein letzter Anstieg bei Kilometer 92, und dann war das Ziel in greifbare Nähe gerückt.

Marion Braun erreichte überglücklich das Ziel in 9:10:25 Stunden, wurde Drittbeste unter 180 Frauen und Siegerin ihrer Alterklasse W50. Im Schnitt benötigte die kleine Läuferin aus Witzerath nur 5:30 Minuten für jeden der 100 Kilometer.

Ihr Mann Wolfgang belegte mit einer Zeit von 9:16:29 Stunden den 53. Platz von 1090 Männern im Ziel und den zweiten Platz in der Alterklasse M55.

Das Fazit von Marion und Wolfgang Braun nach diesem Lauf fiel schon fast euphorisch aus: „Der Bieler 100er ist in seiner Art einmalig, es ist ein ganz besonderes Gefühl, diesen Nacht- und Naturlauf zu erleben. Wir haben jetzt den Bieler Laufspruch erweitert: Irgendwann kommen wir wieder nach Biel.”