Simmerath: 100 Jahre Eifelklinik St. Brigida: Blick nach vorne

Simmerath: 100 Jahre Eifelklinik St. Brigida: Blick nach vorne

Wenig Grund zum Feiern gab es in den letzten Jahren am Simmerather Krankenhaus, doch am Wochenende stand das Stimmungsbarometer wieder auf gute Laune. Das 150 Betten-Haus feierte sein 100-jähriges Bestehen, und besser hätte der Einstand für die Artemed-Gruppe, die das Haus am 1. September 2010 als neuer Träger übernahm und in Eifelklinik St. Brigida umtaufte, nicht sein können.

Zwar wurde das Jubiläum des 1909 gegründeten Hauses mit leichter Verspätung gefeiert, aber im vergangenen Jahr war niemand in Stimmung, um die Sektkorken knallen zu lassen, stand das Krankenhaus, damals noch in der Trägerschaft der Malteser, doch vor der Insolvenz.

Mit dem dritten Träger in der 100-jährigen Geschichte soll nun der Blick wieder nach vorne gerichtet werden. Die Erwartungshaltung in eine gesunde Zukunft war deutlich spürbar beim Festakt am Samstag in Simmerath. Im Zelt auf dem Krankenhausgelände hatten sich rund 120 geladene Gäste eingefunden, nachdem zuvor bereits Weihbischof Karl Reger in einem Festgottesdienst in der Pfarrkirche Simmerath den Blick nach vorne gerichtet hatte, verbunden mit dem Wunsch, das Krankenhaus im christlichen Sinne fortzuführen.

Es waren im Jahr 1909 vier Ordensschwestern der Cellitinnen aus Köln, die im alten Simmerather Pfarrhaus ein provisorisches Krankenhaus einrichteten und es 87 Jahre lang führten. Heute sind übrigens noch fünf Schwestern dieses Ordens am Krankenhaus tätig.

Die lange Geschichte des Krankenhauses stellte auch Prof. Dr. Rainer Salfeld, Geschäftsführer der Artemed Kliniken Tutzing in seinem Grußwort heraus. Die Cellitinnen hätten das Fundament gelegt, „auf das sich aufbauen ließ.” St. Brigida sei für die Menschen in der Eifel stets „ihr Krankenhaus” gewesen. Nach der Übernahme des Hauses durch die Malteser im Jahr 1997 hätten sich diese sich „sehr engagiert”, bescheinigte er dem Vorgänger.

Antonius Freiherr Geyr von Schweppenburg, der Vorsitzende des Kuratoriums der Malteser-Trägergesellschaft, legte Wert auf die Feststellung, dass man das Krankenhaus „in einem exzellenten Zustand” übergeben habe. Die Stürme, die über dass Haus hinwegziehen würden, habe man bei der Übernahme der Trägerschaft des „hervorragend geführten Hauses” vor 13 Jahren nicht ahnen können.

Eine Vielzahl von Sanierungsmaßnahmen, die Optimierung medizinischer Leistungen, der Bau von Tagespflege und Malteserstift und Investitionen von rund neun Millionen Euro aus Eigenmitteln dokumentierten, dass das Engagement der Malteser „langfristig angelegt war. Es sollte ein neue Epoche eingeleitet werden.” Um so mehr erscheine es „unfassbar”, dass es nicht gelungen sei, diese Absicht auch wirtschaftlich umzusetzen.

Bis zum letzten Tag habe man sich um den Fortbestand des Krankenhauses bemüht. Dennoch hätten die Malteser oft „unter Beschuss” gestanden. „Entweder hat man uns unsere Bestrebungen, das Krankenhaus zu erhalten, nicht abgenommen, oder die Kritiker waren nicht ausreichend informiert”, übte von Schweppenburg Vergangenheitsbewältigung. Dem neuen Träger wünschte er „eine glücklichere Hand als wir sie hatten.”

Mit einem ebenso informativen ausführlichen Blick auf 100 Jahre Krankenhaus zeichnete Dr. Hartmut Wiechmann, der ärztliche Direktor der Eifelklinik, ein umfassendes Bild der Einrichtung, eine der letzten Gelegenheiten für den im nächsten Jahr ausscheidenden Mediziner, wie er genüsslich anmerkte. Die Betrachtung zog sich von den Cellitinnen über Pfarrer Quadflieg bis hin zum langjährigen ärztlichen Direktor Dr. Theo Schwonzen, der als damals 32-Jähriger und jüngster Chefarzt in NRW „die Aufbaujahre und Blütezeit” des Krankenhauses erlebte, wie Wiechmann feststellte. Dr. Schwonzen, soeben 90 Jahre alt geworden, hatte es sich nicht nehmen lassen, der Feierstunde beizuwohnen.

Die Einrichtung der Krankenpflegeschule, die neue Intensivstation, aber auch die im März 2008 durch das Komitee „Rettet das Krankenhaus” organisierte Großdemonstration, fanden Eingang in den Rückblick.

Den Maltesern bescheinigte er zwar „Engagement in turbulenten Zeiten”, sparte aber auch nicht mit Kritik. Mit nicht nachvollziehbaren Entscheidungen, einer unklarer Kompentenzlage und Vertrauens-Defiziten sei die Trägerschaft begleitet worden. Um so erfreulich sei es jetzt, dass der Radikal-Ansatz einer Portal-Klinik vom Tisch sei. Der erste Eindruck vom neuen Träger sei durch gegenseitige Wertschätzung und positive Begegnungen geprägt.

Schwester M. Hedwig, die aus Strauch stammende Generaloberin der Cellitinnen aus Köln, wünschte sich eine „fruchtbare Zukunft für die Eifelklinik auf der Grundlage eines christlichen Menschenbildes”. Ihr Dank galt allen, die St. Brigida „durch gute und schwere Zeiten” begleitet hätten.

Auf die Rolle des vor 10 Jahren gegründeten Krankenhaus-Fördervereins ging dessen stellvertretender Vorsitzender Kurt Schmitz ein. Mit dem Trägerwechsel und dem Start in ein neues Jahrhundert sei der Wunsch auf eine „gute Zeit” verbunden.

Abschließend sprach Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns von der großen Hoffnung der Menschen, die mit dem Trägerwechsel verbunden sei. Er bezeichnete das Krankenhaus als „wichtigste Einrichtung der Region und unverzichtbar für die medizinische Versorgung”. Verbunden mit der Erwartung an eine gute Zukunft sei auch der Wunsch, dass die Cellitinnen noch viele Jahre in Simmerath tätig sein mögen.

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