Frauwüllesheim: Zwölf Stunden lang „kölsche Tön“ aus dem Wohnzimmer

Frauwüllesheim: Zwölf Stunden lang „kölsche Tön“ aus dem Wohnzimmer

„Leeve Fründe von Hallo Kölsch, leeve Jecke und die, die et noch werden wollen.“ Arno Lensing sitzt in seinem Wohnzimmer in Frauwüllesheim am Computer und teilt seine Freude für „kölsche Tön“ oder besser gesagt „rheinischen Tönen“, mit Gleichgesinnten. Der 47-Jährige ist Vorsitzender des Vereins „Hallo Kölsch“ und einer von aktuell acht Moderatoren des gleichnamigen Internetradios.

Das sein Herz kölsch schlägt, merkt man nicht nur an der Musik. Neben seinem PC stehen auf einem Schrank auch Fanartikel des 1. FC Köln.

„Hallo Kölsch“ sendet seit dem 23. Dezember, täglich von 12 bis 24 Uhr. Und die Fangemeinde wächst seitdem kontinuierlich. „Kölner, die es nach Südafrika und in die USA verschlagen hat, hören zu“, berichtet Lensing. „Wir haben aber auch Zuhörer von München bis Kiel.“

Über den sogenannten Stream auf der Homepage des Vereins kann sich jeder an den kölschen Klängen erfreuen. Wer sich mit anderen Hörern und Freunden der Domstadt während der Musiksendungen im „Chat“ schriftlich austauschen will, muss sich kostenlos registrieren, nur wer Mitglied des Vereins werden möchte, muss eine monatliche Gebühr entrichten.

„Hallo Koelsch“ ist offiziell bei der GEMA und der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechte (GVL) lizenzsiert. Die Gebühren und die Kosten für den Server, der bei einem Vereinsmitglied in Köln steht, werden über die Mitgliedsbeiträge gedeckt.

Es ist eine Gruppe kölscher Idealisten, die sich da im Herbst des vergangenen Jahres zusammengefunden hat, nachdem sich der schon 2006 gegründete Vorgängerverein „Kölsches Radio“ nach internen Querelen aufgelöst hatte. Kommerzielle Absichten verfolgt das Team nicht. „Wir haben Spaß an der Musik und wollen als Verein mit plus minus null rauskommen“, betont Lensing.

Gespielt wird alles. Dabei beschränken sich die Moderatoren beileibe nicht nur auf die bekannten Bands wie Bläck Fööss, BAP, Brings, Höhner und Räuber. „Wir haben mehrere Tausend Lieder im Repertoire, auch von vielen Bands, die oft außerhalb des heimischen Veedels kaum einer kennt“, erklärt der 47-Jährige. Für Abwechslung ist also gesorgt.

Kein festes Programmschema

Ein festes Programmschema gibt es nicht. Die Moderatoren stimmen sich ab und teilen über das Forum der Internetseite und über die eigene Facebook-Gruppe mit, wann sie senden. Ist keiner „on Air“, springt der Musikcomputer ein. „Jedem DJ ist selbst überlassen, was er macht“, erklärt Lensing. Einer hat sich beispielsweise auf Kölschrock mit Bands wie BAP und Zeltinger spezialisiert, ein anderer auf Oldies.

Arno Lensing hat vor wenigen Tagen eine Sondersendung „Irish Folk“ gefahren, der bekanntlich Grundlage vieler Kölner Lieder ist, unter anderem vieler Höhner-Hits aus den Anfangsjahren. „Zu 90 Prozent aber senden wir Kölner oder rheinische Lieder“, betont der Chef des kleinen Vereins. „Natürlich würden wir auch Dürener Bands spielen“, betont er. „Wenn uns die Gruppen die Lieder zur Verfügung stellen.“

Der kleine Verein und Internetradiosender steckt zwar noch in den Kinderschuhen, hat aber schon einiges vor. „Über Weihnachten werden wir durchgängig kölsche Weihnachtsmusik und Geschichten senden“, kündigt Arno Lensing an, für 2016 ist im Kölner Südstadion ein Konzert mit Jürgen Zeltinger vorgesehen, auch eine Spendensendung ist in der Planung, bei der kleine Geschenke befreundeter Musiker für den guten Zweck versteigert werden.

Aber das ist noch Zukunftsmusik. Arno Lensing und seine Frau, Tanja, die einzige weibliche Moderatorin im Team, hoffen erst einmal auf möglichst viele Gleichgesinnte, die sich an „Hallo Kölsch“ im Internet erfreuen und das Programm einschalten.