Düren: Zwischen freiem Fall und Zuckerwatte: Blick hinter Annakirmes-Kulisse

Düren: Zwischen freiem Fall und Zuckerwatte: Blick hinter Annakirmes-Kulisse

Der „Breakdance“ ist seit mehr als 20 Jahren Kult auf der Annakirmes. Aus dieser Perspektive aber dürfte kaum ein Besucher das besonders bei Jugendlichen beliebte und äußerst rasante Fahrgeschäft bisher erlebt haben.

Betriebsleiter Christian Ewald führte die Teilnehmer der 4. Etappe der DZ-Sommertour beim exklusiven Blick hinter die Kulissen der Annakirmes direkt unters Fahrgeschäft, unter die 40 Tonnen schwere Drehscheibe, die — wie er demonstrierte — sogar per Hand gedreht werden kann. Ewald erklärte die Antriebstechnik der Drehscheibe, und der Drehkreuze der Gondeln und ging auf den Strombedarf des Fahrgeschäfts ein. Mit 250 Kilowatt (kW) gehört der „Breakdance“ zu den Großverbrauchern der Annakirmes, wie Oliver Perz von der Stadtwerke-Tochter „Leitungspartner GmbH“ zuvor in der Schaltzentrale des Rummels erklärt hatte.

Die Annakirmes von unten und von oben: Der Blick hinter die Kulissen eröffnete ganz neue Perspektiven auf das größte Volksfest an der Rur. Die Schausteller gaben Einblicke in die komplexe Technik unter anderem des „Breakdance“ und des „Sky-Fall-Turms“. Dieter Adam erklärte das Mandelbrennen, Bruno Drehsen öffnete seinen Bierkühlwagen und Oliver Perz von den „Leitungspartnern“ erklärte die komplexe Stromversorgung. Foto: Abels

Stromverbrauch wie 80 Haushalte

Die Annakirmes von unten und von oben: Der Blick hinter die Kulissen eröffnete ganz neue Perspektiven auf das größte Volksfest an der Rur. Die Schausteller gaben Einblicke in die komplexe Technik unter anderem des „Breakdance“ und des „Sky-Fall-Turms“. Dieter Adam erklärte das Mandelbrennen, Bruno Drehsen öffnete seinen Bierkühlwagen und Oliver Perz von den „Leitungspartnern“ erklärte die komplexe Stromversorgung. Foto: Abels

Größter Verbraucher ist — wie könnte es anders sein — der mächtige „Olympia Looping“, der mehr als 500 kW benötigt. Perz rechnet damit, dass auf der Annakirmes 2014 in neun Tagen rund 250 000 Kilowattstunden Strom verbraucht werden, so viel wie rund 80 Haushalte und damit ein Stadtteil wie Rölsdorf im gesamten Jahr benötigen. Damit alle Fahrgeschäfte gleichzeitig losfahren können, haben Perz und sein Team im Vorfeld der Annakirmes penibel den Strombedarf aller Attraktionen berechnet und auf die vier Stromstationen auf dem Platz verteilt. „Ein Staubsauger bei Ihnen zu Hause hat eine Leistung von 2000 Watt“, erklärte Perz den DZ-Lesern. „Wir stellen hier so viel Strom bereit, dass 5000 Staubsauger gleichzeitig benutzt werden können.“

Dürens Schaustellerchef Bert Cremer hatte mit seinen Kollegen Udo Lausberg und Micha Peiffer wieder eine abwechslungsreiche, informative und kulinarische Runde organisiert. Dieter Adam gab Einblicke in die Kunst des Mandelbrennens, Kirmesgastwirt Bruno Drehsen öffnete seinen Kühlwagen. Er erklärte, dass das Bier bei ihm auf vier Grad gekühlt und mit Stickstoff gezapft wird, damit es wohltemperiert und mit schöner Schaumkrone auch noch beim Gast in der hintersten Ecke seines Biergartens ankommt.

Ganz nebenbei erwähnte er, dass auch bei ihm während der Annakirmes rund 3000 Gläser verschwinden oder zu Bruch gehen. Eine Zahl, die fast jeder der größeren Kirmeswirte erreicht und die sich wie so vieles — angefangen beim Standgeld bis zu den Personal-, Energie- und Treibstoffkosten — auf den Preis für den Besucher auswirkt. Deshalb haben die Wirte eine Plakataktion unter dem Motto: „Gibst Du Dein Glas nicht ab, trinkst Du bald aus Papp“ gestartet.

Im Mittelpunkt des Rundgangs standen — wie könnte es anders sein, — aber die Fahrgeschäfte. Roswitha Breuer erklärte das schnellste Geschäft der Kirmes — die Zuckerwattenmaschine mit 2500 Umdrehungen pro Minute, Stefan Goetzke das höchste: den 80 Meter hohen „Sky Fall“. Der Turm sollte ursprünglich sogar 100 Meter hoch werden, verriet der Juniorchef. Er sollte eine drehbare Gondel bekommen und 40 Personen Platz bieten. „Als unsere Vorstellungen durchgerechnet waren, kam ein Preis von vier Millionen Euro heraus“, erzählte Goetzke. Da musste selbst die alteingesessene Schaustellerfamilie kleine Brötchen backen. Aber auch die 1,9 Millionen Euro, die der „Sky Fall“ gekostet hat, sind immer noch gewaltig — wie die Aussicht aus 80 Metern, den sich einige Wagemutige unter den Lesern nicht entgehen ließen — freier Fall, nur von einer Magnetbremse gestoppt, inklusive.

„Playball“-Besitzer Wolf Clauß machte deutlich, dass er sich heute sein Fahrgeschäft nicht mehr kaufen würde. Nicht etwa, weil das Geschäft, bei dem aus physikalischen Gründen keine Fahrt der anderen gleicht, nicht mehr vom Publikum angenommen würden. Das Gegenteil ist der Fall. Nur würde ein Neubau zwischen 2,5 und drei Millionen Euro kosten. „Eine solche Investition kann heute wirtschaftlich nicht mehr betrieben werden“, erklärte der Münchner, der eines nämlich nicht will: Den Fahrpreis in die Höhe treiben.

200 Bewerbungen

Zum Abschluss gab Roxanne Weber noch Einblicke in die Technik der „6D-Game-Show“, in der die Besucher nicht nur dreidimensional ins Internet eintauchen, sondern in sich bewegenden Sitzen auch Feuer, Wasser, Schnee und Wind erleben — in jeder der 64 möglichen Filmvarianten anders.

Wieder einmal verging der „Blick hinter die Kulissen“ wie im Fluge und eröffnete den aus knapp 200 Bewerbern ausgelosten Teilnehmern wieder ein ganz besonderen Blick auf die Annakirmes.

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