Düren: Zusammentreffen von jungen Menschen und Ratsmitgliedern

Düren: Zusammentreffen von jungen Menschen und Ratsmitgliedern

Jugendliche und Kommunalpolitik: Zwei Welten treffen aufeinander. Zumindest zwei Welten, in denen unterschiedliche Sprachen gesprochen werden. „Politiker drücken sich leider häufig so aus, dass sie nicht verstanden werden, ich nehme mich da nicht aus“, sagt Liesel Koschorreck, SPD-Stadträtin und Erste stellvertretende Bürgermeisterin.

Deshalb will sie aus den zwei Welten am liebsten eine Welt machen. Die „Ampel“-Koalition im Dürener Stadtrat will jungen Menschen Politik vor Ort nahe bringen. Möglichst viele Mitglieder des Rates sollen von einem jungen Menschen über mehrere Wochen begleitet werden. Schüler begleiten die Politiker in Ausschüsse, zu Sitzungen und Veranstaltungen. „So sehen sie, wie das Geschäft funktioniert“, sagt Koschorreck.

Und Politiker sehen, wie Jugendliche ticken, welche Vorstellungen und welche Erwartungen sie von Politik haben. „KidS“ heißt das Projekt, das schon in anderen Städten, beispielsweise in Eschweiler, erfolgreich angeboten wurde.

Parteien weniger attraktiv

Das weiß auch Daniel Walter. Die junge Generation sei nicht unpolitisch, sagt Walter, 26, Dürener Sozialdemokrat. „Die Jungen interessieren sich schon, nur anders“, sagt Walter, der stellvertretender Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation, der Jusos, im Kreis Düren war und heute die Juso-Arbeitsgemeinschaft von Aachen, Düren, Euskirchen und Heinsberg koordiniert.

Walter sagt, dass sich viele Jugendliche „mit dem Brexit, Trump oder Martin Schulz beschäftigen“. Und dass sie auch ein Ohr für kommunale Anliegen hätten, allerdings nicht unbedingt in Parteien, sondern im Rahmen von Projekten. Als in Düren Ideen für die Umgestaltung des Holzbendenparks gesucht wurden, waren junge Menschen eingebunden. „Daraus könnte Parteiarbeit entstehen“, sagt Walter. Es ginge vor allem auch darum, Vorurteile abzubauen.

Liesel Koschorreck hofft, dass ihr Antrag bei den anderen Rats-parteien Gehör findet und alle mitmachen. Im nächsten Schritt soll Werbung für das Projekt „KidS — Kommunalpolitik in der Schule“ gemacht werden. Die Schüler sollen im Idealfall drei Wochen mit den Mehrheitsparteien und drei Wochen mit der Opposition unterwegs sein. Wer welchen Politiker kennenlernt, soll das Los entscheiden.

Dass dabei ein Jugendlicher auch an die AfD geraten kann, ist Liesel Koschorreck bewusst. „Die Partei ist gewählt. Und gewählte Vertreter schließen wir nicht aus.“ Natürlich sei es jedem Schüler freigestellt, welchen Politiker er begleiten wolle — trotz Los. Wer eine Partei ablehne, habe das Recht dazu. Auch das gehört zur Demokratie.

(inla)
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