Unser Europa: Zur Sicherheit die doppelte Staatsbürgerschaft

Unser Europa : Zur Sicherheit die doppelte Staatsbürgerschaft

Jennifer Wainwright ist eigentlich kein besonders politischer Mensch, aber seitdem Großbritannien sich entschieden hat, aus der Europäischen Union auszutreten, verfolgt die 57-Jährige das Geschehen um den Brexit schon mit großem Interesse.

Was eigentlich kein Wunder ist, denn schließlich hat Wainwright einen britischen Pass. Sie ist zwar in Düren geboren und hat auch nur zwei Jahre ihres Lebens in England gelebt, fühlt sich aber trotzdem sehr britisch.

„Ich bin stolz, Engländerin zu sein“, sagt sie. „Und bis jetzt war es auch nie eine Option für mich, meinen britischen Pass gegen einen deutschen einzutauschen oder die Doppelstaatsbürgerschaft zu beantragen.“

Jennifer Wainwrights Vater war als britischer Soldat in Gürzenich stationiert, dort hat er auch seine spätere Ehefrau kennengelernt. „Meinem Vater war es immer wichtig, dass meine Geschwister und ich Briten sind. Und ich muss sagen, dass mir England und die Engländer sehr nah sind. Immer, wenn ich dort bin, fühle ich mich sehr heimisch.“ Die Sprache, der britische Humor, das Kauzige der Menschen und deren Liebe zu großen Festen gefalle ihr schon sehr gut. „Deswegen fällt es mir auch so schwer, die britische Staatsbürgerschaft abzugeben.“ Bis jetzt war das ja auch überhaupt nicht nötig. Dank der EU konnte Wainwright problemlos in Düren leben und arbeiten und hin und wieder die Verwandten in England besuchen. „Vielleicht war ich auch zu blauäugig oder naiv“, sagt sie. „Ich hätte jedenfalls niemals damit gerechnet, dass es wirklich zu einem Brexit kommt.“

Auch wenn die Engländer schon immer ein sehr unabhängiges Volk gewesen seien, lägen die Vorteile von Europa auf der Hand. „Freies Reisen, problemlos im Ausland arbeiten zu können – das ist doch großartig. Ich finde es auch gut, wenn reichere Länder ärmeren helfen. Ich bin absolut für Europa und hoffe immer noch, dass der Brexit noch abgewendet werden kann.“ Wainwright ist überzeugt, dass der Brexit in erster Linie ein Generationenproblem ist. „Natürlich sind die jungen Leute fast alle für ein vereintes Europa, die älteren aber nicht. Und dann glaube ich, dass das Thema nicht zu Ende diskutiert wurde. Auf mich wirkt das alles sehr planlos, auch die Politiker in Großbritannien. Für mich ist das eine Farce.“

Um zumindest für sich selbst Sicherheit zu schaffen, auch damit sie beispielsweise weiter krankenversichert bleibt und keine Probleme bei ihrer Arbeit als Erzieherin bekommt, will Wainwright nun doch die doppelte Staatsbürgerschaft beantragen. „Ich weiß einfach nicht, was auf mich zukommt“, sagt sie. „Und deswegen möchte ich jetzt unbedingt etwas tun.“

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