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Louis-Braille-Schule schlägt Alarm: Zum Schulstart fehlen Freiwillige

Louis-Braille-Schule schlägt Alarm : Zum Schulstart fehlen Freiwillige

Die LVR-Louis-Braille-Schule unterrichtet und betreut etwa 220 junge Menschen mit schweren Seheinschränkungen. Jetzt schlägt die Schulleitung Alarm. Zuletzt gab es eine Notbetreuung.

Menschen mit Handicap haben einen höheren Unterstützungsbedarf. Dies gilt auch und vielleicht in besonderem Maße für die sehbehinderten Schüler der LVR-Louis-Braille-Schule. Um den Kindern und Jugendlichen dort bestmögliche Unterstützung zu geben, setzte man in der Vergangenheit immer wieder auf junge Menschen, die dort ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder den Bundesfreiwilligendienst absolvierten. Jetzt schlägt Schulleiterin Kerstin Grün-Klingebiel Alarm: „Von den zehn Stellen für das kommende Schuljahr sind erst drei besetzt.“

 Auch in der Vergangenheit habe es immer wieder Zeiten gegeben, in denen die Bewerbungen erst spät im Briefkasten der Schule für Sehbehinderte landete. Die Situation jetzt nennt die Schulleiterin jedoch „dramatisch“. Auch eine Ursache hat sie schon gefunden: „Die Corona-Pandemie hat junge Menschen umdenken lassen“, glaubt sie, „sie wollen sich nicht lange in Praktika binden lassen.“ Dabei sind sich die Verantwortlichen in der Schule sicher, dass man von den Erfahrungen als FSJler ein Leben lang zehrt.

Dies bestätigt auch die ehemalige FSJlerin Sarah Schaffrath aus Niederzier. Nach den elf Monaten an der Schule traf sie eine wichtige Entscheidung: „Ich wusste nach meinem Abitur nicht so recht, was ich beruflich machen möchte.“ Die Zeit an der Dürener Schule und die Betreuung von Menschen mit Sehbehinderung bestärkte sie in dem Wunsch, Sozialpädagogik zu studieren. Und dies, obwohl sie anfangs nach eigener Aussage starke Zweifel hegte, ob dies etwas für sie sei.

 Der Umgang mit der Punktschriftmaschine will gelernt sein. In der Dürener LVR-Schule mit Förderschwerpunkt Sehen werden etwa 220 Kinder und Jugendliche mit massiven Sehschädigungen betreut und unterrichtet.
Der Umgang mit der Punktschriftmaschine will gelernt sein. In der Dürener LVR-Schule mit Förderschwerpunkt Sehen werden etwa 220 Kinder und Jugendliche mit massiven Sehschädigungen betreut und unterrichtet. Foto: Patrick Nowicki

Im August 2020 trat die 20-Jährige ihren Dienst an, die Corona-Pandemie hatte den Schulalltag schon im Griff. „Einen Monat lang haben wir eine Notbetreuung angeboten“, erinnert sie sich. Ihre Aufgabe bestand vorrangig darin, Schülern der 2. Klasse Hilfestellungen zu geben. Aber das Aufgabenspektrum der Freiwilligen reicht weit darüber hinaus, weil das Personal in der Schule an vielen Stellen gefordert ist: „Wir benötigen auch technisch affine Menschen“, schildert Grün-Klingebiel. In der Schule des Landschaftsverbands mit 25 Klassen und etwa 220 Schülern ist immer viel zu tun. Dabei könnte man meinen, dass zwei Lehrkräfte pro Klasse mit maximal elf Schülern ausreichen. Aber jedes Kind und jeder Jugendliche benötigt zusätzliche Hilfsmittel. Hinzu kommen junge Menschen, die neben ihrer Sehbehinderung noch weiteren Förderbedarf haben. Da reichen zwei Betreuende pro Klasse bei weitem nicht aus.

Im Frühzentrum werden zudem Kinder im Alter von bis zu sechs Jahren auf die Schulzeit vorbereitet. „Zum Glück finanziert uns der Landschaftsverband noch die ein oder andere Stelle, sonst wäre es sehr schwierig“, berichtet Grün-Klingebiel. Allerdings sind in dieser Rechnung die zehn FSJler enthalten. Deswegen schrillten auch die Alarmglocken, als erst drei Bewerbungen vorlagen. „Wer hier arbeitet, bekommt Einblicke in verschiedene Berufsbilder, wenn er mag“, erläutert die Schulleiterin. Dazu gehören natürlich Pflegeberufe, aber eben auch Ergo- und Logopädie, Computertechnik und anderes. Da das Bewegungsangebot erweitert werden soll, hofft die Schule auch auf Bewerbung sportlicher Menschen.

Begleitet wird die Tätigkeit als FSJler von Seminaren. Darüber hinaus lässt sich die Anerkennung zum Fachabitur erreichen. Zudem wird das Kindergeld weitergezahlt, auch wenn die elf Monate in der Schule mit einem „Taschengeld“ in Höhe von bis zu 423 Euro honoriert werden. Dieses Gesamtpaket macht auch die Sonderpädagogin Sina Rentzsch optimistisch, dass sich kurzfristig noch Bewerber melden. Sie und ihre Kollegin Christin Schönborn sind Ansprechpartnerinnen für die Gruppe der Freiwilligen an der Schule, die sich regelmäßig trifft und in der auch Probleme besprochen werden. „Der regelmäßige Austausch ist wichtig“, sagt Rentzsch.

Für Sarah Schaffrath geht das Studium weiter. Zehn Semester beträgt die Regelstudienzeit für Sonderpädagogik auf Lehramt. Nach Prüfung und Referendariat kehrt sie vielleicht wieder an die Louis-Braille-Schule zurück. Als Lehrerin.