Straß: Zum Brüllen komisch: „Neurosige Zeiten“ in Straß

Straß : Zum Brüllen komisch: „Neurosige Zeiten“ in Straß

Da stutzten die Besucher: Am Eingang des Sport- und Schützenheims in Straß stand ein Emailleschild mit der Aufschrift „Offene Wohngruppe der Psychiatrie Straß“. Hatten sie etwas verpasst? Nein, denn kaum hatten sie im Zuschauerraum Platz genommen, um die Komödie „Neurosige Zeiten“ von Winnie Abel anzusehen, wussten sie, was es mit dem Schild auf sich hatte.

Im Stück, das die Rölsdorfer Theatergruppe „Die Kunterbunten“ unter der Regie von Agi Oepen und Frank Lindner auf die Bühne brachte, wimmelte es von schrägen Charakteren.

Da waren die sexsüchtige Agnes Adolon (Monika Fuchs), ihre nicht weniger männertolle Mutter Cecile (Natalie Dahmen), die Stalkerin Marianne (Ina Ruick), die herrlich spinnerten Zwillinge Pauline und Waltraud (Gabi Nietmann und Anya Swenshon) und der von Martin Swenshon umwerfend gut gespielte Ex-Finanzbeamte Hans, der unter Ordnungs- und Sauberkeitsmanie litt.

Was sich in deren Wohngruppe an Verwirrungen und Querschlägern der Handlung entwickelte, war zwar streckenweise hanebüchen, aber zum Brüllen komisch gespielt und immer wieder gewürzt mit Lokalkolorit wie den Blitzern auf den Straßen im Hürtgenwald oder den Immobilienpreisen in Straß. Die Reihe der perfekt getroffenen Typen komplettieren die Irrenärztin Dr. Dr. Ilse Schanz (Brigitte Heuser), die Therapeutin Rahel (Ute Grap) und der von gleich zwei Frauen umschwärmte Volksmusikstar Hardi Hammer (Rüdiger Leisten) sowie die vielleicht als einzige völlig klare „Tuppertante“ Herta (Simone Kimmerle-Lindner).

Natürlich war auch hier die Liebe und ihre diesmal im wahrsten Wortsinne Irrwege der rote Faden des Stückes. Am Ende macht die dienstbeflissene Ärztin einen Fehler, der sie in die Klemme bringt und den die anderen dazu ausnutzen, ihre „Persilscheine“ zu bekommen. Also tschüss Psychiatrie und hallo Mallorca. Hier hat Hardi Hammer eine Finca, in die die komplette WG wechselt, nachdem auch Hans überzeugt wurde, dass dort alles klinisch sauber ist. Das Publikum belohnte die tolle Leistung des Ensembles und die technische Betreuung durch Wolfgang Siebarth bei den beiden ausverkauften Aufführungen mit heftigem Applaus.

(kel)