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DZ feiert 150. Geburtstag: Zukünftige Leserinnen und Leser gewinnen

DZ feiert 150. Geburtstag : Zukünftige Leserinnen und Leser gewinnen

Mit dem Projekt „Medienstunde“ verfolgt das Medienhaus Aachen das Ziel, junge Menschen zu erreichen. Auch die Dürener Zeitung wird in Schulen verteilt – zum Beispiel im Burgau-Gymnasium.

Halb versteckt sitzen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9d des Burgau-Gymnasiums hinter ihren iPads. Doch nach und nach tauen sie auf und beantworten die Fragen der Multimedia-Redakteurin der Dürener Zeitung: Wie war es für sie, Teil des Projekts „Medienstunde“ zu sein, welches das Medienhaus Aachen in Zusammenarbeit mit Schulen aus der Region vornimmt?

Die 14-jährige Victoria antwortet folgendermaßen: „Es war ziemlich interessant. Wir haben uns mit dem Aufbau der Zeitung und den verschiedenen Bereichen beschäftigt. Ich mag das Ressort ‚Aus aller Welt‘ und das Rätsel.“ Nasrin (15) wiederum interessiert sich eher für den Lokalteil: „Ich finde es spannend zu erfahren, was in meiner Heimatstadt geschieht.“ Dieser Meinung schließt sich der 14-jährige Hamza an.

Vier Wochen haben die 28 Schülerinnen und Schüler der 9d die gedruckte Tageszeitung erhalten und sich mit dieser beschäftigt. Was die eigene und die Lesegewohnheit ihrer Eltern betrifft, stellt Til (14) fest: „Meine Eltern erhalten die Zeitung in gedruckter Form. Ich lese sie nur, wenn ich per Zufall etwas Interessantes wie Texte über neue Filme und Technikgeräte entdecke.“ Sein Onkel und seine Tante wiederum würden online konsumieren.

Auch Natalies Eltern erhalten die Print-Ausgabe: „Wenn mein Vater etwas Wichtiges für meinen Bruder und mich entdeckt, schneidet er es aus und gibt es uns“, berichtet die 14-Jährige. Nur wenn die Familie in Urlaub fahre, stelle ihr Vater das Abonnement auf Online um.

Vorwiegend informieren sich die jungen Menschen im Internet. Das bestätigt Arzu, die hauptsächlich in Sozialen Netzwerken wie Instagram und TikTok surft. „Wenn etwas Wichtiges geschieht, bekomme ich das darüber mit – und das sehr schnell“, sagt die 14-Jährige. Wobei ihr bewusst sei, dass Schnelligkeit nicht immer Richtigkeit bedeute.

Junge Menschen begeistern

Wie also junge Menschen für Qualitätsjournalismus begeistern? Sonja Vetten, die die „Medienstunde“ mit der 9d vorgenommen hat, weiß darauf auch keine richtige Lösung. Aber die Lehrerin für Deutsch, Englisch und katholische Religion weiß, dass das Projekt zumindest ein Interesse am Zeitungslesen geweckt hat. Wie bei anderen Schulen auch besuchen das Burgau-Gymnasium nach Angaben von Vetten etliche junge Menschen, deren Eltern und somit sie selbst mit den lokalen Medien nicht unbedingt vertraut sind. „Wenn das Zeitunglesen nicht vorgelebt wird und nicht zum Tagesablauf dazugehört, ist es schwierig, dessen Wichtigkeit zu vermitteln“, stellt die Lehrerin fest. Frei nach dem Motto: Was ich noch nie mitbekommen habe, kann ich auch nicht vermissen.

Bei den Schülerinnen und Schülern beobachte sie dementsprechend eine gewisse Unkenntnis. So sei vielen nicht bewusst, dass die Dürener Zeitung auch digital in den Sozialen Netzwerken vertreten ist und auf der Internetseite weitere Bereiche zu finden sind, die in der gedruckten Ausgabe naturgemäß nicht stattfinden können – so wie Bildergalerien zur Annakirmes und Videos über Spiele des 1. FC Düren.

Sonja Vetten stellt fest: „Es ist von hoher Bedeutung, in der Zeitung abzubilden, was jungen Menschen gefällt. Die Erwachsenen werden fündig, und auch eine Kinderseite ist vorhanden, aber eben kein Bereich für die Jugend.“

Trotz der sich veränderten Informationsbeschaffung – weg von klassischen Medien und hin zum Internet – sieht die Lehrerin einen entscheidenden Vorteil: „Je nachdem, auf welchen Seiten man surft, muss man genau überprüfen, ob die Informationen verlässlich sind. Das ist bei der Zeitung nicht notwendig.“

 Schulleiter Dr. Maak Flatten sieht es als Aufgabe der Schule an, jungen Menschen beizubringen, wie sie sich im Informationsdschungel zurechtfinden können.
Schulleiter Dr. Maak Flatten sieht es als Aufgabe der Schule an, jungen Menschen beizubringen, wie sie sich im Informationsdschungel zurechtfinden können. Foto: MHA/Merve Polat

Kurs zu „Fake News“

Weil sich das Burgau-Gymnasium darüber bewusst ist, wird im November in drei Klassen ein Kurs zu Fake News, also Falschinformationen stattfinden, den das Medienhaus Aachen Schulen anbietet. Schulleiter Dr. Maak Flatten betont: „Unsere Verantwortung liegt darin, die jungen Menschen auf das Leben vorzubereiten. Wenn wir das nicht leisten, kann eine Demokratie nicht funktionieren.“ Dazu gehöre eben auch, ihnen beizubringen, wie sie sich im Informationsdschungel zurechtfinden. Maak Flatten bezeichnet das als ein sehr anspruchsvolles Unterfangen, weil die meisten hauptsächlich im Internet unterwegs seien. „Wir müssen den Medienkonsum der Schülerinnen sowie Schüler verstehen und dann da ansetzen, um sie zu einem kritischen Umgang zu befähigen“, ist der Schulleiter überzeugt.

Auch aus diesem Grund hat das Burgau-Gymnasium in allen 5. Klassen ein neues Fach namens Medienerziehung eingeführt. „Eine frühe Sensibilisierung ist wichtig“, erläutert Flatten. Es bestünden Überlegungen, das Fach auf andere Jahrgangsstufen auszuweiten.

In der Einschätzung, wie Schülerinnen und Schüler zum Zeitunglesen gebracht werden können, schließt er sich Sonja Vetten an: „Die Zeitung muss unbedingt besser ihren Mehrwert herausstellen und zeigen, dass sie im Gegensatz zum Internet eine vertrauenswürdige Informationsquelle ist.“