Das neue Regionalteam: Zuhören, reden und Strukturen aufbrechen

Das neue Regionalteam : Zuhören, reden und Strukturen aufbrechen

Die acht Regionen im Bistum Aachen werden seit dem 1. September von sogenannten Regionalteams geleitete, die die früheren Regionaldekan abgelöst haben.

In der Region Düren gehören Pfarrer Norbert Glasmacher, Pastoralreferentin Maria Buttermann und die ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heimbach-Nideggen, Gudrun Zentis, zu diesem Team.

Am Montagabend sind sie in einem feierlichen Gottesdienst von Bischof Helmut Dieser in der Pfarrkirche St. Peter in Birkesdorf eingeführt und den Menschen in der Region vorgestellt worden.

Pfarrer Glasmacher und Pastoralreferentin Buttermann wurden vom Bischof ernannt, Gudrun Zentis vom Pastoralrat gewählt. Die drei Katholiken sehen sich als gleichberechtigte Partner auf Augenhöhe. „Wir spüren seit langem, dass sich etwas ändern muss“, sagt Maria Buttermann, die von einer „Implosion der Volkskirche“ spricht und auch gleich erklärt, was sie damit meint: „Als ich 1993 als Pastoralreferentin in Birkesdorf angefangen habe, gab es in unserer GdG 25.000 Katholiken, neun aktive Priester und einen Subsidiar. Heute gibt es 15.000 Katholiken, einen aktiven Priester und drei Subsidiare. Daran müssen wir arbeiten.“ Sudsidiare sind Geistliche, die häufig schon in Pension sind, aber trotzdem noch Unterstützungsaufgaben in den Pfarreien übernehmen.

Eine klare Aufgabenbeschreibung des Bischofs für die Regionalteams gibt es nicht, eher viele Freiheiten. Gleichwohl soll es auch Aufgabe des Regionalteams sein, den vom Bischof initiierten Gesprächsprozess „Heute bei Dir“ in der Region Düren voranzutreiben. „Wir brauchen eine gute Gesprächskultur, keine Streitkultur“, sagt Norbert Glasmacher, der seit 2011 wieder in Düren in der GdG St. Franziskus arbeitet und vorher viele Jahre in Kanada Dienst getan.“ Und Gudrun Zentis ergänzt: „Vielleicht hat es Fehler gegeben in der Art und Weise, wie dieser Gesprächsprozess vom Bischof initiiert worden ist. Grundsätzlich ist es aber eine hervorragende Idee, mit Hilfe von Gesprächen und Zuhören zu versuchen, Veränderungen anzustoßen.“ Es sei wichtig, ergänzt Buttermann, dass die Zeit der Grabenkämpfe in der katholischen Kirche vorbei sei. „Was wir brauchen, ist ein deutlich wertschätzender Umgang miteinander.“

„Mehr als Folklore“

Norbert Glasmacher, Maria Buttermann und Gudrun Zentis wollen zu Beginn ihrer Arbeit, die zunächst auf drei Jahre, also genauso lange wie der vom Bischof initiierte Gesprächs- und Veränderungsprozess angelegt ist, die Gläubigen in der größten Region des Bistums, die den Kreis Düren und Teile der Eifel umfasst, besuchen. „Wir möchten mit den Menschen sprechen und hören, was ihre Sorgen und Wünsche sind“, sagt Norbert Glasmacher. Viele Menschen, ergänzt der Geistliche, würden existenzielle Fragen nach Frieden, Verantwortung und Liebe nicht mehr mit Kirche verbinden. „Viele verbinden auch die caritativen Einrichtungen wie Krankenhäuser und Seniorenheime lange nicht mehr mit Kirche. Wir müssen es schaffen, dass die Menschen wieder sehen, dass die Kirche und ihre Sakramente viel mehr sind als bloße Folklore.“

Das neue Regionalteam — übrigens das einzige in der Region Düren mit zwei Frauen — möchte ein Netzwerk aufbauen und versuchen auch Menschen, anzusprechen, die keine Beziehung mehr zu Kirche haben. „Kinder- und Jugendarbeit ist aus meiner Sicht sehr wichtig“, sagt Glasmacher. „Wir müssen zeigen, wie lebendig Kirche ist und dass wir wirklich Träger der frohen Botschaft sind.“ Gleichzeitig, sind Glasmacher, Zentis und Buttermann überzeugt, sei es wichtig, Strukturen aufzubrechen. Zentis: „Unsere Gesellschaft hat sich stark verändert. Dem muss auch die Kirche Rechnung tragen.“ Dabei, ergänzt Zentis, gehe es nicht um die Botschaften. „Aber es geht um die Strukturen, in denen Kirche gebunden ist. Es passt nicht mehr in die Lebenswirklichkeit vieler Menschen, sonntags um 8 oder um 10 Uhr in den Gottesdienst zu gehen.“

Die Geschäftsführung des Regionalteams übernimmt Thomas Tönnessen im Büro der Regionaldekane in Düren, Langenberger Straße 3 (02421/28020).