Aachen/Düren: Zu viele Widersprüche: Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung

Aachen/Düren: Zu viele Widersprüche: Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung

Beinahe bedauernde Worte fand der Vorsitzende der 6. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht für die Tatsache, dass der ursprünglich wegen Vergewaltigung angeklagte Arif D. nicht wegen dieses schweren Deliktes verurteilt werden konnte.

„Wir wissen nicht was passiert ist, es bleibt ungeklärt“, bilanzierte Richter Matthias Quarch nach einer langen Hauptverhandlung. Das heiße im Rechtsstaat aber auch „im Zweifel für den Angeklagten“ und damit Freispruch für eine Vergewaltigung der Ehefrau, die es möglichweise durchaus gegeben habe.

Unter Druck gesetzt

Nach der Trennung des Ehepaares mit zwei minderjährigen Kindern im Jahr 2015 hatte Arif D. begonnen, die Kinder und die Ehefrau unter Druck zu setzen. Unschöne Szenen wurden im Prozess geschildert, etwa ein Gang des hinausgeworfenen Ehemanns mit der jüngsten, vierjährigen Tochter zum Hauptbahnhof. Dor habe der 44-Jährige dann gedroht, sich mit dem Kind vor einen Zug zu werfen, falls seine Frau die Anzeige wegen der Vergewaltigung nicht zurücknehme.

Im Prozess habe die Ehefrau und Nebenklägerin in ihren Aussagen so „geschwankt“, stellte die Kammer fest, dass man den Angeklagten in dieser Sache nicht verurteilen konnte. Der Beginn der behaupteten Vergewaltigungsszenen, so ein Beispiel des Richters, sei „an vier verschiedenen Orten“ in der gemeinsamen Wohnung in Düren geschildert worden. Unmöglich für das Gericht, daraus eine zusammenhängende Aussage zu filtern.

Es habe insgesamt „zu viele Widersprüche und Ungereimtheiten“ in den Einlassungen des Opfers gegeben, befand das Gericht. In den weiteren Anklagepunkten wie einer Nötigung oder versuchten Nötigung der Ehefrau im Jahr 2016 glaubte die Kammer der Klägerin dagegen.

Es sei richtig, dass der Ehemann immer wieder versucht habe, mit Druck und teilweise auch Gewalt das Rad zurückzudrehen. Er habe das Ende der Ehe nicht wahr haben wollen, habe deswegen damals völlig in Rage die elfjährige Tochter mit der flachen Hand geschlagen.

Für diese Körperverletzung und Nötigung kassierte D. eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen; ein Tag wird mit zehn Euro berechnet. Da der bislang unbescholtene Arif D. jedoch sieben Monate in Untersuchungshaft saß, ist die Strafe abgegolten. Im Gegenteil: Der wegen der Vergewaltigung freigesprochene Angeklagte bekommt von Rechts wegen eine Entschädigung, weil er insgesamt zu lange im Gefängnis saß.

(wos)
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