Düren: Zeichen gegen Rassismus mitten in der Stadt

Düren: Zeichen gegen Rassismus mitten in der Stadt

An eine Begebenheit können Susanne Rössler und Frank Kreß vom Café International der Evangelischen Gemeinde zu Düren sich genau erinnern. Es war Mitte der 90er Jahre, als Flüchtlinge in Düren kein Bargeld, sondern Gutscheine bekommen haben, um sich mit Lebensmitteln zu versorgen.

Susanne Rössler ist Pfarrerin, Frank Kreß Leiter des Zentrums für Sozial- und Migrationsberatung der Evangelischen Gemeinde. Flüchtlingsarbeit wird bei der Gemeinde schon immer groß geschrieben, vor 25 Jahren hat sich das Café International als Treffpunkt für Menschen mit ohne Migrationshintergrund gegründet. Rössler: „Damals gab es an der Stockheimer Landstraße ein großes Flüchtlingslager als Landeseinrichtung. Die Stimmung in der Gesellschaft war rassistisch aufgeheizt. Für uns als Gemeinde gab es die Notwendigkeit, uns in der Flüchtlingsarbeit zu engagieren.“

Die Gemeinde hat seinerzeit vier zusätzliche Stellen für die Asylarbeit eingerichtet. Drei übernahmen im Erstaufnahmelager Asylverfahrensberatung. Kreß: „Etwa zur gleichen Zeit gab es rassistische Anschläge in Mölln, Solingen und Rostock. Als Gemeinde wollten wir dagegenhalten und mitten in der Stadt einen Ort der Begegnung schaffen.“ Das Café International war geboren.

Andere Stimmung

Waren es anfangs vor allem Menschen aus Algerien, dem Kosovo, Bosnien, dem Kongo und Rumänien, sind es heute Syrer, Iraker und Nigerianer die im Café International Hilfe suchen. Neben der Möglichkeit des offenen Treffs gibt es Beratungen zu allen Themen, die mit Asyl und Migration zu tun haben, eine Formularsprechstunde zum Beispiel für Menschen, die einen Kindergeldantrag ausfüllen müssen, eine Sprechstunde für Menschen ohne Papiere, Deutschkurse und ein Angebot speziell für Frauen. Rund 1600 Beratungen finden jedes Jahr im Café International statt. „Aber es kommen natürlich viel mehr Leute“, sagt Kreß. „Weil das Café für viele einfach nur ein Treffpunkt ist.“

Zum Geburtstag wünschen Frank Kreß und Susanne Rössler sich, dass das Café als Begegnungsraum weiter angenommen wird. „Und dass die Ausländerbehörden“, sagt Rössler, „die Spielräume, die sie hat, ausnutzen.“ Mit Sorge betrachten Kreß und Rössler die wachsende Abschottungspolitik und Pläne, sogenannte Anker-Zentren einzurichten. Dort sollen Asylbewerber ankommen, bis zur Entscheidung über ihren Asylantrag bleiben und im Fall einer Ablehnung von dort in ihre Heimat zurückgebracht werden.

„Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll“, sagt Kreß. „Und es ist auch falsch, Flüchtlinge aus den Kommunen rauszuhalten. Unsere Gesellschaft besteht aus Kommunen.“ Wirkliche Ablehnung hat das Café International in den vergangenen 25 Jahren nicht erlebt. „Auf grundsätzliche rechte Bewegungen“, sagt Rössler, „haben wir in Düren mit der Gründung des ‚Bündnisses gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt‘ reagiert, das sich anfangs auch häufig im Café International getroffen hat.

Das Café International feiert am Donnerstag, 24. Mai, 14 Uhr, Geburtstag im Gemeindehaus. Dietrich Eckeberg vom Fachverband Migration und Flucht spricht zum Thema „Vom Wollkommen zur Abschiebung: Flüchtlingsschutz zur Disposition?“

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