1. Lokales
  2. Düren

Neue Bleibe gesucht: Zehnköpfige Familie steht bald auf der Straße

Neue Bleibe gesucht : Zehnköpfige Familie steht bald auf der Straße

Der Vermieter in Arnoldsweiler hat Eigenbedarf angemeldet, die Deliqis finden aber kein neues Haus. Die Antwort am Ende der Telefonate ist stets dieselbe. Und die Zeit drängt, denn die Räumung steht an.

Sanie Deliqi sitzt am blitzblank gewischten Esszimmertisch. Sie erzählt von ihrer verzweifelten Suche nach einer neuen Bleibe für ihre Familie. Davon, dass sie nachts manchmal nicht schlafen kann und ihr manchmal tagsüber die Tränen in die Augen schießen. Auch wenn sie ihre Kinder damit nicht belasten möchte, ganz verbergen kann sie ihre Sorgen nicht. Und so schleichen sich ihre Sorgen auch leise in die Träume der Kinder. Einer ihrer Söhne habe neulich geträumt, ein Einbrecher sei ins Haus gekommen und habe die Familie vertreiben wollen, erzählt die Mutter.

In der Realität gibt es den Einbrecher nicht, die Vertreibung, wenn man so will, aber schon. In Form einer Räumungsklage. Der Vermieter des Hauses an der Cormeillesstraße in Arnoldsweiler hat Eigenbedarf angemeldet, was sein gutes Recht ist. „Ich war gerade mit den Zwillingen schwanger, als wir die Kündigung erhalten haben“, erzählt Sanie Deliqi. Seit diesem Moment sucht die Familie.

Es sei immer das Gleiche. Sobald sie auf die Frage antworte, zu wie vielen sie seien, käme die prompte Absage. Sie hat deswegen schon die Stadt Düren um Hilfe gebeten, bei Vereinen wie In Via nachgefragt, sogar im Büro des Bürgermeisters hat sie angerufen. Ohne Erfolg.

 Sogar Flyer hat die Familie schon verteilt.
Sogar Flyer hat die Familie schon verteilt. Foto: MHA/Verena Müller

Die Stadt Düren habe ihr versichert, nicht auf der Straße landen zu müssen, sondern im Zweifel im Obdach unterkommen zu können. „Die älteren Kinder gehen auf die Realschule. Was meinen Sie denn, wie die dann gehänselt werden?“, sagt Sanie Deliqi. Mal ganz davon abgesehen, wie die Größeren auf engstem Raum und ohne Internet Hausaufgaben machen sollten.

Das Sozialamt der Stadt Düren bestätigt unserer Zeitung, sich bemüht zu haben, die Familie bei der Suche zu unterstützen. Es seien Mietangebote übermittelt und Anlaufstellen, die in solchen Fällen helfen können, genannt worden. Neben dem Bauverein ist das das Projekt „Endlich ein Zuhause“ von In Via. All das blieb ergebnislos. „Damit sind unsere Möglichkeiten leider ausgeschöpft“, teilt die Stadt Düren mit.

Flyer hat die Familie inzwischen auch gedruckt und verteilt. „Mein Handy ist voll mit Immobilienanfragen“, sagt Sefer Deliqi, der als Maschinen- und Anlagenführer einen festen Job in Düren hat. „Wir würden auch ein Haus kaufen, wenn es für uns finanzierbar ist“, erklärt er. Seine Frau hat zwei abgeschlossene Berufsausbildungen – Einzelhandelskauffrau und Schwesternhelferin –, ist derzeit aber wegen der noch recht kleinen Zwillinge zu Hause.

Als sie und ihr Mann mit den Kindern vor fünfeinhalb Jahren in das rund 160 Quadratmeter große Haus in Arnoldsweiler gezogen sind, haben sie im größeren Umfang renoviert. Alte Teppiche raus, neuer Boden rein, Wände, und so weiter. Haus und Garten machen einen mehr als ordentlichen Eindruck.

Es mangelt also nicht an Bereitschaft, in der neuen Bleibe erst einmal die Ärmel hochzukrempeln. Nur Häuser, die eine einzige Baustelle seien, übersteigen ihre Möglichkeiten, sagt Sefer Deliqi. Denn die Zeit drängt. Zum 30. Juni muss die Familie eigentlich ausgezogen sein.

 Im Esszimmer ihres alten Mietshauses: Sanie und Sefer Deliqi mit drei der insgesamt acht Kinder.
Im Esszimmer ihres alten Mietshauses: Sanie und Sefer Deliqi mit drei der insgesamt acht Kinder. Foto: MHA/Verena Müller

Während das Ehepaar von seiner Lage erzählt, huscht immer mal wieder eines der Kinder rein. Die Mutter gibt mit einem Lächeln kurze Regieanweisungen: „Hausschuhe anziehen. Oder Socken.“ „Nein, das trinkst du nicht.“ „Gleich, Schatz.“ Ohne zu murren dackeln die Kinder wieder ab. Sie sagt, dass sie ihren Kindern Respekt und Anstand beibringt. „Die Kinder sind gut erzogen. Das ist uns wichtig. Da ist es egal, ob man zwei oder acht Kinder hat.“ Wenn man die Familie so sieht, wirkt das glaubwürdig.

Deshalb versteht Sanie Deliqi auch nicht, warum sie mit ihrer Familie indirekt in die Schublade „asozial“ gesteckt wird. Die Anzahl der Kinder könne nicht der Maßstab sein, findet sie.

Sie hofft, dass sich vielleicht kurzfristig doch noch ein Vermieter oder Verkäufer findet, der der Familie ein Haus anbieten kann. Vielleicht über diesen Weg. Die Familie ist unter 0162/9620017 zu erreichen.