Kleinhau: Zahlreiche Künstler geben der Kapelle eine besondere Note

Kleinhau: Zahlreiche Künstler geben der Kapelle eine besondere Note

Wäre es nach dem Aachener Bistum gegangen, dann stünde sie heute nicht: die Hürtgenwaldgedächtniskapelle an der Ecke Rurstraße/Roßheckenweg. Doch die Kleinhauer wollten ihr Kirchlein im Dorf haben. Den ersten Entwurf für die Wunschkapelle arbeitete Architekt Heinrich Richartz 1954 aus.

Zwölf Jahre lag der Plan in der Schublade, ehe der 1966 gegründete Kapellenbauverein Druck machte, nachdem der Aachener Bischof den Bauantrag abgelehnt hatte. Begründung gegenüber Pfarrer Josef Esser: Priestermangel. 1965 erhielt die Gemeinde die Genehmigung, die Pläne zu einer Leichenhalle zu schmieden.

Die Kleinhauer ließen nicht locker, errichteten für 145100 Mark, wovon die Hälfte Spenden aus der Bevölkerung waren, die Kapelle, die am 4. Oktober 1970 eingeweiht wurde. Nachdem sie ins Eigentum der Pfarre übertragen war, löste sich der Kapellenbauverein 1973 auf. Bis 1985 wurden hier regelmäßig katholische und evangelische Gottesdienste gefeiert; seither wird sie nur noch zu bestimmten Anlässen genutzt.

Am und im Gotteshaus hat Architekt Richartz Spuren hinterlassen - selbst bei Details. In der Vorhalle steht als Erinnerungsmahnmal für die Kriegstoten ein Sarg, den der Dürener Steinmetzmeister F. Schiffer angefertigt hat und in dem ein unbekannter Soldat beigesetzt ist, erzählt Robert Hellwig. Darauf zwei Helme: ein amerikanischer, der aus dem Nachlass des Schriftstellers Ernest Hemingway stammen soll, der als Kriegsberichterstatter im Hürtgenwald war, und ein deutscher: Symbole der Versöhnung. Der Christuskörper an der Wand - geschaffen vom verstorbenen Gerhard Kluckow - trägt eine Gloriole aus Stacheldraht.

Ebenfalls von Kluckow sind die beiden Türgriffe: als Schlange gearbeitet (Zeichen für den Tod) und als Hahn als Zeichen des Lebens. Im Windfang das „Hemingway”-Fenster mit einem Zitat aus einem Buch seines Bruders Leicester im Glas; Paul Franz Bonnekamp aus Inden (heute Wuppertal) hat das Fenster angefertigt, Architekt Richartz stiftete es.

Ungewöhnlich wie das Tonnengewölbe des Hauptschiffes auch der Standort des Altars - in der Mitte des Raumes. Den Altar „krönt” ein vier Kerzen tragender Ringleuchter - ein Karrenradreifen, der - wie alle anderen geschmiedten Gegenstände - vom Langerweher Kunstschmied Franz Wirtz stammt.

Der Eichenholz-Christuscorpus an der Altarrückwand hat eine bewegte Vergangenheit, so Hellwig: „Er stammt von einem Holzkreuz, das in preußischen Katasterplänen von 1827 vor dem Haus Nr. 27 stand. Im zweiten Weltkrieg wurde es zerstört, war danach verschwunden, tauchte erst 1974 wieder auf und wurde restauriert.”

Bedeutendstes Kunstwerk der Kapelle ist das in 15 Einzelfelder gegliederte, bleiverglaste Parabolfenster. Ebenfalls von Paul Franz Bonnekamp entworfen, zeigt es in der Mitte in leuchtenden Farben den „Engel des Friedens”, daneben „Hinterlassenschaften” der Hürtgenwaldschlacht: verbrannte Baumstümpfe, Ruinen, Waffen, Geräte und Munition.

Statt der ursprünglich von der Kleinhauerin Gertrud Oepen als Stiftung geplanten Friedenstaube an der Nachbarwand schnitzte Pater Laurentius Englisch aus Lindenholz den Heiligen Geist, der mit Oepens Stiftungsgeld vergoldet wurde. Das mit Emaillearbeiten verzierte Tischkreuz in der Nische des Seitenschiffes hat die Familie Günter Dolfen gestiftet. Zwei Glasfenster mit Blumenmotiven entwarf Mildred Thompson, die in Langerwehe wohnte und bei den Dürener Ursulinen Kunstlehrerin war.

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