Zahl der Unfälle mit Pedelecs im Kreis Düren verdoppelt

Pedelecs werden oft unterschätzt : Probleme sind Tempo und Bremsverhalten

Alle vier Stunden verunglückt in NRW ein Pedelec-Fahrer. Und das zunehmend mit schweren Folgen, wie ein Blick in die landesweite Verkehrsunfallstatistik für das vergangene Jahr zeigt.

Nicht immer ist er schuld, manchmal schätzt auch ein Auto- oder Lkw-Fahrer den motorisierten Radler falsch ein. Auch im Kreis Düren steigt die Zahl der Unfälle, in denen Räder mit Hilfsmotoren verwickelt sind. Im Jahr 2018 hat sie sich nahezu verdoppelt, von 19 auf 36.

Und der Trend droht sich fortzusetzen, befürchtet Hauptkommissarin Claudia Nöthen von der Kreispolizeibehörde, weil Pedelecs einfach immer beliebter werden, sich die wenigsten aber intensiv mit ihrem neuen motorisierten Gefährt auseinandersetzen.

„Viele, die sich jetzt ein Pedelec kaufen, sind jahrelang nicht mehr Rad gefahren und unterschätzen einfach die deutlich höhere Geschwindigkeit“, weiß die Verkehrssicherheitsberaterin. Aber nicht nur das: „Auch das Bremsverhalten ist ein ganz anderes als bei einem normalen Fahrrad“, betont Claudia Nöthen. „Die Bremsen reagieren viel schneller.“ Daher rät sie allen „Fahranfängern“, mit dem neuen Gefährt erst einmal in einem „gesicherten Raum“ intensiv zu üben und auszuprobieren, was das Pedelec alles kann. „Unfälle entstehen meistens in Grenzsituationen, auf die vor allem die älteren Fahrer schlecht vorbereitet sind, weil sie nicht wissen, wie ihr Pedelec reagiert“, erklärt die Hauptkommissarin. Bei Kindern und Jugendlichen sei das anders. Die testeten erst einmal alles aus und gingen auch mal an die Grenzen.

Daher rät nicht nur NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) vor allem älteren Pedelec-Fahrern, ein Sicherheitstraining zu absolvieren. Seminare bietet die Kreispolizeibehörde regelmäßig für Rad und Pedelec fahrende Senioren ab dem 60. Lebensjahr an. Ansprechpartner ist Hauptkommissar Guido Machunske unter 02461/627-5316. In den Seminaren werden neben praktischen Übungen auch rechtliche Fragen besprochen. Zudem gibt es Infos zu den richtigen Sicherheits- und Schutzausrüstungen. „Ich kann allen Pedelec-Fahrern nur dringend empfehlen, einen Helm anzuziehen“, betont Claudia Nöthen.

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