Kreuzau: „World Police & Fire Games“: Cremer kehrt erfolgreich zurück

Kreuzau: „World Police & Fire Games“: Cremer kehrt erfolgreich zurück

Dass Ingo Cremer am Hochzeitstag nicht zu Hause war, fand seine Frau Sabrina nicht so schlimm — sie hatte nur eine Bedingung. „Ohne Gold hätte er nicht wiederkommen brauchen“, erzählt sie lachend.

Ihr Mann gehorchte, mit zwei goldenen Medaillen kam er aus Los Angeles zurück: Ingo Cremer, 42, ist nun zweifacher Weltmeister — einmal im Bankdrücken, einmal im Kraftzweikampf. Und Weltrekordhalter ist er jetzt auch.

Erfolgreiches Ehepaar im Kraftsport: Ingo und Sabrina Cremer.

Gesammelt hat er die Titel bei den „World Police & Fire Games“. Sie finden alle zwei Jahre statt und sind quasi die Olympischen Spiele für Polizisten, Feuerwehrleute, Zoll- und Justizbeamte, die sich in mehr als 50 olympischen und nicht-olympischen Disziplinen messen. Über zehn Tage gingen die Wettkämpfe mit gut 10.000 Teilnehmern. Ingo Cremer, gebürtig aus Arnoldsweiler, ist vor kurzem nach Kreuzau gezogen, er kam aus Euskirchen, weil er dort in der Justizvollzugsanstalt als Sportbeamter arbeitet.

In Kalifornien hat Cremer seinen Titel im Kraftzweikampf von 2015 (Fairfax County, USA) verteidigt, 2013 bei seinem Debüt holte er Bronze. Der Wettkampf besteht aus Bankdrücken (siehe Foto) und Kreuzheben. Bei der ersten Disziplin müssen die Athleten das gestemmte Gewicht mindestens eine Sekunde halten; beim Kreuzheben zieht der Sportler das Gewicht stehend vom Boden über die Knie und muss es auch kurz halten. Cremers Leistung: 150 Kilo im Bankdrücken, 170 Kilo im Kreuzheben, erster Platz. „Ich muss aber ehrlich sagen, dass die Konkurrenz beim Zweikampf dieses Mal nicht so stark war“, sagt Cremer. „Beim Bankdrücken war das anders.“

Dort hatte der Sportbeamte, der in dieser Disziplin 2015 Silber und 2013 Bronze holte, zunächst Bronze anvisiert. „Ich bin wieder in der Klasse bis 83 Kilo angetreten und nicht in der 75-Kilo-Klasse. Es war das letzt mal echt schlimm, acht Kilo ,abzukochen‘“, erzählt er. Mit seinem dritten Versuch stemmte er 147,5 Kilogramm — Weltrekord.

Amateur-Weltrekord im Bankdrücken

Dazu muss man sagen, dass diese Lorbeeren quasi Bonus waren, denn da die Amateur- und Profiklassen zusammengelegt wurden, mussten auch die Rekorde neu verteilt werden. Es ist nicht sein erster: Cremer hält im Bankdrücken auch den Amateur-Weltrekord sowie den Deutschen und Europarekord. Profis, die an den Spielen teilnehmen, seien zum Beispiel Gewichtheber aus Osteuropa, die Polizisten sind und auch zu den „richtigen“ Olympischen Spielen fahren würden.

Seine Leistungssteigerung in den vergangenen Jahren erklärt Cremer wie jeder erfolgreiche Sportler: Disziplin, kein Training auslassen, auch nachts an die Geräte. Beim Bankdrücken komme ihm außerdem zugute, dass er mit 18 Jahren das Boxen angefangen hat und später auch Trainer bei den Faustkämpfern Düren-Grüngürtel war: „Das war die Basis für meinen starken Trizeps.“ Der Trizeps, also der Muskel auf der Rückseite des Oberarmes, hat Cremer zu Gold verholfen — mit einer Technik, „bei der Publikum und Schiedsrichter gestaunt“ hätten. „Ich habe auf der Innenbahn der Stange gedrückt und nicht auf den eigentlichen Markierungen weiter außen.“

Cremer will mit Blick auf Alter und Körper beim Bankdrücken nicht mehr volles Risiko gehen. „Damals hieß es immer: Ehrgeiz über Schmerz, die Zeiten sind aber vorbei.“ Dennoch hat er noch Ziele, trotz zweifachem WM-Titel: Bis zu den Spielen 2021 will er 200 Kilo beim Kreuzheben ziehen.

Kommende Woche aber geht es zunächst zurück zur Arbeit in die JVA Euskirchen. Und wenn man Cremer so zuhört, werden ihm die goldenen Medaillen bei der Arbeit wohl helfen. „Resozialisierung durch Sport“ ist ein Programm, das er mit ins Leben gerufen hat. Er kann den Gefangenen im offenen Vollzug, die er trainiert, sportlich ein Vorbild sein. Auf den Bankdrückwettbewerb im Dezember, bei dem Gefangene gegen Sportler von außerhalb gegeneinander antreten, wird er sie aber nicht besser vorbereiten müssen — bislang haben JVA-Insassen immer gewonnen.

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