Düren: Wondratschek liest auf Schloss Burgau aus der Erzählung „Mara”

Düren: Wondratschek liest auf Schloss Burgau aus der Erzählung „Mara”

Als Kind rannte Wolf Wondratschek Schmetterlingen hinterher und hört im Radio Benjamino Gigli singen. Das ist ziemlich lange her. Bestimmt mehr als 50 Jahre. Heute rennt der Schriftsteller wohl niemandem mehr hinterher. Und wen heute er im Radio singen hört, ist eigentlich gar nicht so wichtig.

Viel wichtiger ist, dass Wondratschek am Sonntag, 15. November nach Düren kommt, um auf Einladung des Kunstfördervereins Kreis Düren aus seiner Erzählung „Mara” zu lesen.

Mara ist durchaus der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Aber Mara ist keine Person. Mara ist ein nach seinem Erstbesitzer Giovanni Mara benanntes Cello - nicht etwas irgendeines unter vielen, sondern ein vom legendären Cremoneser Meister Antonio Stradivari gebautes. Wolf Wondratschek erzählt in „Mara” also so etwas wie die Lebensgeschichte des Musikinstrumentes, die im Jahre 1711 beginnt und am 11. Juli 1963 beinahe zu Ende gegangen wäre. An diesem Tag nämlich versank das Stradivari-Cello im südamerikanischen Strom Rio de la Plata bei einem Schiffsunglück.

„Wenn man das alles liest, darf man nicht vergessen, das Wolf Wondratschek ein Dichter ist”, warnt Gerhard Quitmann, Vorsitzender des Kunstfördervereins. Warum? Darum: „Ein Dichter darf den Tatsachen auch Erfundenes hinzugesellen.” Wieviel Dichtung und wieviel Wahrheit das Buch enthalte, lasse sich nicht so genau sagen, glaubt Quitmann. Auf jeden Fall erzähle Wondratschek seine Geschichte spritzig, amüsant und mit vielen Gedanken zu Musik. Der Bezug zur Kammermusik brachte den Kunstförderverein auch auf die Fährte des Werkes.

Apropos: Begleitet wird die Lesung von Tonbeispielen, die allesamt auf dem Mara-Cello gespielt worden sind. Die ursprüngliche Idee des Kunstvereins, das fast 300 Jahre alte Originalinstrument erklingen zu lassen, konnte nicht umgesetzt werden. Es befindet sich im Besitz des international bekannten Cellisten Heinrich Schiff, dessen Verpflichtungen im November keinen Abstecher nach Düren erlauben. Schiff war bereits mehrfach Gast beim Kammermusikfest „Spannungen: Musik im Kraftwerk Heimbach” und wird dort voraussichtlich auch wieder im kommenden Jahr auftreten.

Mit einiger Berechtigung lässt sich behaupten, dass auch Wolf Wondratschek ganz gerne in die Region kommt. So las er zuletzt im Herbst 2008 im Haus der Stadt mit Raoul Schrott aus dessen Neuübersetzung von Homers „Ilias”. Im November des gleichen Jahres gehörte er zu den Autoren von „Lass hören - Lange Nacht der Poesie”.

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