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Wollersheim: Dancing Diamonds im Kölner Gürzenich

Showtanz mit Latein-Einfluss : Wollersheimer „Diamanten“ tanzen im Kölner Gürzenich

Die „Dancing Diamonds“ sind eine Showtanzgruppe mit einem einzigartigen Stil, den sie in der kommenden Session in der traditionsreichen guten Stube des Kölner Karnevals zeigen dürfen.

Ein einziges Mal standen die „Dancing Diamonds“, die tanzenden Diamanten, 2013 bei einem Wettbewerb des Regionalverbandes Düren auf der Bühne. Erfolgreich war die Showtanzgruppe aus Wollersheim damals nicht, sie wurde förmlich disqualifiziert, weil ihre Tanzschritte, ihr ganzer Tanz, nicht so aussahen, wie sich die karnevalistische Jury das vorgestellt hatte. Die Gruppe gibt es zwar bereits seit 13 Jahren, aber jener Turniertag war so etwas wie eine zweite Geburtsstunde, weil kaum deutlicher gesagt werden konnte, dass ihr Stil einzigartig ist. Ihre Tänze ähneln einer Lateinformation, und auf dieses Alleinstellungsmerkmal sind die 22 Tänzerinnen stolz. In der Session 2019/20 werden sie im Kölner Gürzenich auftreten – der traditionsreichen guten Stube des Kölner Karnevals und Adresse der großen Prunksitzungen.

Andrea Brack ist die Trainerin und mit 31 Jahren der älteste „Diamant“ und hat den übrigen den lateinamerikanischen Schliff verpasst, weil sie unter anderem für die FG Aachen/Düsseldorf in der Bundesliga getanzt hat. „Dieser Einschlag hebt uns ab, und deswegen tanzen wir auch in hohen Schuhen und nicht in Stiefeln, wie es sonst beim karnevalistischen Tanz üblich ist“, betont sie. „Wenn wir bald im Gürzenich auftreten, leben wir natürlich unseren Traum.“

Den Auftritt haben sie im Mai als Beste des Showtanz-Wettbewerbes auf der Nachwuchssitzung der Großen von 1823, einer der ältesten Kölner KGs, gewonnen. Eingeplant war er aber nicht, die Einladung zu dem Wettbewerb an sich schon „irre genug“. Daher ist die Gruppe höchstens mit der Hoffnung angetreten, anschließend für einen Geburtstag gebucht zu werden.

Die Geschichte der „Dancing Diamonds“ begann 2005, als sie sich mit insgesamt 13 Tänzerinnen aus der Jugend- und Teeniegarde bei der KG Wollersheim formten und für den Showtanz entschieden. Für die Nicht-Karnevalisten: Garde- und Showtanz sind zwei Arten des karnevalistischen Tanzes. Bei Turnieren gibt es noch weitere Untergruppen der Showtänze. Gardetänzerinnen sind in der Regel uniformiert, beim Showtanz sind Kostüme üblich. Weil die „Dancing Diamonds“ nun den Latein-Anschliff haben, nutzen sie auch – anders als Gardetänzerinnen – ihre Schultern. „Wir haben mehr Dynamik“, sagt Jenny Claßen, 30, ohne aber den Gardetanz abwerten zu wollen, Rivalität herrsche ohnehin nicht. Und ihre Trainerin betont: „Bei uns sind die Tänze auch sehr Po-lastig.“ Eben wegen dieser Unterschiede ist Anika Gasper zu den „Diamanten“ gestoßen. Garde habe sie nie getanzt, das ist ihr „zu steif“. „Unsere Art mit den Latein-Schritten und den hohen Schuhen ist etwas anderes, es hat mir direkt Spaß gemacht“, sagt die 25-Jährige. Sie ist eine von fünf Dürenerinnen; der Rest der Gruppe kommt direkt aus dem 800-Seelen-Ort Wollersheim (neun), aus anderen Nideggener Stadtteilen (sieben), eine Tänzerin ist aus Zülpich. Von den Gründungsmitgliedern 2005 sind noch acht aktiv. „Wir sind ein großer Freundeskreis. Ich bin zwar als Trainerin mittendrin, wir entscheiden aber die meisten Dinge zusammen“, sagt Andrea Brack.

Andrea Brack ist die Trainerin. Mit 31 ist sie die älteste der Gruppe, die jüngste Tänzerin ist 19. Foto: ZVA/Carsten Rose

Etwa 50 Mal trainiert die Gruppe pro Jahr, was laut Andrea Brack „unterdurchschnittlich“ oft sei. Sie studiert pro Session zwei Tänze ein. Ideen für ein Motto hätte die Gruppe jedes Jahr genug, nur oft scheitere es an der Musik, weil diese jedes Alter ansprechen und klatschbar sein müsse. In der laufenden Session orientieren sich die „Dancing Diamonds“ an dem weltweit erfolgreichen US-Erotikfilm/-buch „Fifty Shades of Grey“. „Unsere Zugabe hat nichts mehr mit Film zu tun, aber mit der Liebe zum Kölschen Karneval“, erklärt Jenny Claßen.

Die „Diamanten“ treten zwischen zehn und 20 Mal pro Session auf, die Nachfrage schwanke sehr. Der anstehende Auftritt in Köln könnte diese noch mal steigen lassen, aber ganz hoch hinaus will die Gruppe nicht. „Es ist nicht unser Ziel, semi-professionell zu werden“, betont Jenny Claßen. Ohnehin hätte sich die Sitzungskultur in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark verändert. „Es gibt kaum noch Büttenredner, der Fokus liegt stark auf der Musik. Und Showtanz hat an sich eigentlich keine Chance“, erklärt Andrea Brack. Im Kölner Karneval ist es außerdem üblich, dass die Tänze der großen Traditionscorps beziehungsweise die akrobatischen Tanzformationen im Mittelpunkt stehen.

Gegen den sich abzeichnenden Trend haben die „Dancing Diamonds“ vielleicht mit ihrem eigenen Stil eine Chance, ihr Ziel zu erreichen: „Es wäre toll, wenn wir von der KG finanziell unabhängig würden, die Session sollte sich tragen“, sagt Jenny Claßen. Deswegen wünscht sich ihre Trainerin auch, mal in Düren für einen Auftritt engagiert zu werden.

22 Tänzerinnen bilden die „Dancing Diamonds“. Foto: Vera Drewke