„Frauen helfen Frauen”: Wohnungsmarkt wird zum Sorgenkind

„Frauen helfen Frauen” : Wohnungsmarkt wird zum Sorgenkind

Hinter jeder Statistik stehen Schicksale. So auch im Fall der 19 Frauen, die eine Unterkunft im Dürener Frauenhaus suchten - und wegen Überbelegung abgelehnt werden mussten. 19 Entscheidungen, die dem Verein „Frauen helfen Frauen” als Träger der Einrichtung im Kreis Düren, nicht leicht gefallen sind.

„Das Frauenhaus ist als Schutzhaus eine vorübergehende Wohnmöglichkeit für Frauen und ihre Kinder”, erklärt Sonja Waltl vom Verein. Doch die Praxis sah im Jahr 2011 anders aus. „Wir hatten Frauen, die ausziehen wollten, es aber nicht konnten”, berichtet Vorstandsfrau Petra Müller.

Die Folge: Die Belegungsquote der Hilfseinrichtung lag bei 86 Prozent, die Aufenthaltsdauer stieg überdurchschnittlich an. Das Haus konnte Frauen, die in Ehe und Partnerschaft Gewalt erfahren haben, keinen Schutz bieten. Die Betroffenen mussten in andere Städte in NRW vermittelt werden.

Es sei auch in der Vergangenheit nicht immer leicht gewesen, Vermieter zu finden, die alleinerziehenden Müttern, die oft auf Hartz-IV angewiesen sind, eine Wohnung vermieten, berichtet Sonja Waltl. Doch im vergangenen Jahr trat ein zusätzliches Problem auf: „Es gab keine geeigneten Wohnungen auf dem Markt”, berichtet Petra Müller.

Der Blick in den nun vorgestellten Jahresrückblick zeigt: Im Jahr 2011 haben 23 Frauen und 22 Kinder im Frauenhaus gelebt, sechs Frauen und neun Kinder wurden auf dem Vorjahr übernommen. Und der Wohnungsmarkt im Kreis Düren wird allmählich zum Sorgenkind des Vereins. „Die Kosten der Wohnungen, die es gibt, liegen über den Sätzen, die das Amt übernimmt”, erklärt Vorstandsfrau Anne Pentzlin.

Auch, wenn es sich nur um 20 Euro handelt, die die Hilfesuchenden noch übernehmen könnten: Der Einzug in eine Wohnung, die über dem Satz liegt, habe weitreichende Konsequenzen für die Frauen. „So werden beispielsweise die Umzugskosten nicht bezahlt, es gibt keine Hilfe bei der Kaution und die Wohnungserstausstattung fällt weg”, zählt Petra Müller auf.

Nur die wenigsten Frauen, die mit ihren Kindern im Frauenhaus Schutz suchten, seien nicht auf finanzielle Hilfe angewiesen. Ihre Hoffnungen setzen Mitarbeiterinnen und Vorstand von „Frauen helfen Frauen” nun auf ein vom Kreis Düren als Kostenträger in Auftrag gegebenes Gutachten.

Es soll die Angemessenheit der Mieten überprüfen, das Ergebnis wird noch in diesem Jahr erwartet. „Es muss sich etwas tun, um für diese Frauen Hemmnisse aus dem Weg zu räumen und ihnen ein neues Leben ohne häusliche Gewalt in der eigenen Wohnung zu ermöglichen”, sagt Petra Müller.

Schutz vor häuslicher Gewalt

Um möglichst viele Frauen vor häuslicher Gewalt zu schützen hat der Verein eine neue Homepage ins Netz gestellt. Neben Informationen zu aktuellen Themen und weiteren Hilfsangeboten im Kreis Düren ist der sogenannte „Schnelle-Hilfe-Knopf” zentraler Bestandteil der Seite. In sieben Sprachen erhalten Besucherinnen so auf einen Blick alle Informationen, die sie benötigen, wenn sie Opfer häuslicher Gewalt geworden sind und Schutz im Frauenhaus suchen.

Bedanken möchte sich der Verein für alle Spender. So hatten Schüler der Gesamtschule Niederzier/Merzenich und ein regionaler Energieversorgers die überfällige Renovierung des Kinderspielzimmers ermöglicht. Nun soll das Treppenhaus renoviert werden. „Wir sind immer auf Spenden angewiesen, beispielsweise wenn wir mit den Kindern einen Ausflug unternehmen möchten”, sagt Petra Müller.

Das Frauenhaus ist auf eine Notsituation ausgerichtet; es soll für Frauen und ihre Kinder aber auch die erste Station auf dem Weg in einen gewaltfreien Alltag in den eigenen vier Wänden sein.

Weitere Infos gibt es auf der neuen Homepage

Terminabsprachen für Beratungsgespräche sind auch telefonisch unter Tel. 02421/17355 oder per E-Mail an info@frauen-helfen-frauen-dueren.de möglich.

Der Verein sucht noch ehrenamtliche Mitarbeiter, die sich einbringen wollen und können. So will der Verein beispielsweise eine Hausaufgabenbetreuung für die Kinder im Frauenhaus anbieten. Auch die Nachbetreuung der ehemaligen Bewohnerinnen soll verbessert werden.

Mehr von Aachener Zeitung