Heimbach: Wo Solidarität mehr als eine leere Floskel ist

Heimbach: Wo Solidarität mehr als eine leere Floskel ist

„Wir helfen einander.” Das Motto der im März 2009 gegründeten „Heimbachhilfe” ist keine leere Floskel: Kompetent und unbürokratisch unterstützen mittlerweile zehn engagierte Heimbacherinnen die Hilfsbedürftigen im Stadtgebiet. Frank Thyssen vom Sozialamt der Stadt war mit der Idee einer zusätzlichen, privat organisierten Anlaufstelle für Rat- und Hilfesuchende an den Verein der „Jungen Alten” herangetreten.

Spontan griffen Hilde Kleinschmidt, Gisela Lüth und Karin Breuer diesen Vorschlag auf. In einem kleinen Häuschen an der Hengebachstraße, das der „Heimbachhilfe” kostenlos von der Stadt zur Verfügung gestellt wurde, richteten sie eine Kleiderstube ein. In Windeseile füllten sich die aufgestellten Regale und Kleiderständer mit Sachspenden aus der Bevölkerung. „Das Echo war enorm”, freut sich das Organisatoren-Trio.

Wie in einem kleinen Kaufhaus sind die gespendeten Sachen in Themengruppen sortiert: Bereits im Eingangsbereich der knapp 60 Quadratmeter großen Kleiderstube stehen erste Ständer mit Hosen, Jacken und Sakkos - alles in einem einwandfreien Zustand. „Wir sortieren im Vorfeld sehr gut aus”, versichert Gisela Lüth. An manchen Kleidungsstücken baumelt sogar noch das Original-Preisschildchen. Die sind dann einige Euro teurer, denn in der Regel kosten die gebrauchten, schicken Schnäppchen zwei bis drei Euro. Mäntel und Jacken aus Loden, Leder oder Tweed sind für acht Euro zu haben. Einkaufen kann hier jeder, der Lust am Stöbern hat.

Auch Kinderwagen und Spielzeug

Die „Kinderabteilung” befindet sich im ersten Stock: Vom Strampler bis zum Kommunionkleid wird alles angeboten. Bunt und einladend warten Kinderwagen, Bettchen und Spielzeug auf die kleinen Kunden. Daneben ein Regal mit Geschirr und kleinen Haushaltsgeräten. „Kühlschränke, Küchenschränke oder Sofas können wir in der alten Tenne lagern”, sagt Karin Breuer.

Neben den Sachspenden wurde die neu gegründete Nachbarschaftshilfe auch finanziell gefördert. „Wir erhielten großzügige Schecks und Spenden von Heimbacher Geschäftsleuten und Vereinen”, hebt Hilde Kleinschmidt hervor.

Dieses Geld konnte in den vergangenen zwei Jahren für hilfsbedürftige Heimbacher eingesetzt werden. Gerade die Kinder profitieren von dem ehrenamtlichen Engagement der „Heimbachhilfe”. „Bei zwei Schülern haben wir die Fahrkosten für die Offene Ganztagsschule übernommen; einem Kind zahlen wir für ein halbes Jahr das Mittagessen in der OGS und zwei weiteren finanzieren wir gezielten Nachhilfeunterricht. Mit durchschlagendem Erfolg, denn die Lehrer sind begeistert von den Fortschritten der Kinder”, betont Hilde Kleinschmidt.

Vergangenes Jahr Weihnachten sorgte eine Benefiz-Aktion der „Heimbachhilfe” für strahlende Gesichter. „Zusammen mit einem kleinen Weihnachtsstern verteilten wir 80 hübsch verpackte Einkaufsgutscheine im Wert von jeweils 25 Euro”, erzählen die drei Gründungsmitglieder, die seit 50 Jahren miteinander befreundet sind.

„Für uns alle geht dabei viel Zeit drauf”, merkt Hilde Kleinschmidt an. „Und es ist so mancher Tropfen Benzin, den wir verfahren”, fügt Karin Breuer hinzu. Aber eins steht fest: Das zehnköpfige „Kleiderstuben”-Team wird sich weiter um die Sorgen und Nöte ihrer Nachbarn kümmern.

„Die Solidarität der Bürger untereinander ist hier einfach großartig”, freut sich Frank Thyssen, der die Idee der „Heimbachhilfe” auf den Weg brachte. „Was in anderen Städten eine Anlaufzeit von zwei Jahren braucht, funktioniert hier nach zwei Gesprächen.”

Die Kleiderstube der „Heimbachhilfe”, Hengebachstraße 8, ist jeden Donnerstag von 14.30 bis 17.30 Uhr geöffnet.

Nähere Auskunft geben gerne:Hilde Kleinschmidt (02446/ 3155), Gisela Lüth (02446/478) und Karin Breuer (02446/3111).

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