Kreuzau: Wo Jugendliche mitreden dürfen

Kreuzau: Wo Jugendliche mitreden dürfen

Die lange Suche hat ein Ende: Nach den Sommerferien wird der gemeindliche Jugendtreff aus dem Pfarrheim in die Festhalle verlegt: „Wir haben großen Einfluss auf seine Gestaltung”, freut sich Severin Wirtz.

Der 18-Jährige aus Drove gehört zu den über 280 Jungen und Mädchen in der Gemeinde Kreuzau, die das Angebot von Lisa Palm und der Mobilen Jugendarbeit der Kommune regelmäßig nutzen. Die Freude auch der Sozialarbeiterin im Gemeindedienst über das neue Domizil der Mobilen Jugendarbeit teilt Bürgermeister Walter Ramm: „Wir haben lange suchen müssen, um jetzt fündig zu werden.”

Frühere ins Auge gefasste Orte kamen von vorneherein nicht in Frage: Die schon länger abgerissenen Lehrerwohnungen am Schulzentrum oder das ehemalige Feuerwehrgerätehaus hätten Proteste der Anwohnerschaft heraufbeschworen.

Jetzt wird aus einem informellen Treffpunkt für die Jugendlichen aus der Kommune ein fester: Denn das Umfeld der Festhalle mit Skateranlage, Hartplatz, Basketballfeld und Wiese gehört zu den 27 teilweise sich ändernden Treffpunkten, die von Jugendlichen zwischen Stockheim und Leversbach aufgesucht werden.

Lisa Palm kennt alle Stätten. Und die 283 Jugendlichen samt und sonders mit Namen. Sie hat seit 2002 die Mobile offene Jugendarbeit der Gemeinde aufgebaut. In den acht Jahren ist sie auf die Jugendlichen zugegangen: „In der Mobilen Jugendarbeit suchen wir die Jungen und Mädchen an ihren Treffpunkten auf.” Unterschiedlicher könnten diese Orte nicht sein: Es sind Bushaltestelle, Parkanlagen, Brücken oder Grillhütten. Doch an allen Orten gibt es ein Problem: „Oft fühlen sich die Anwohner belästigt”, sagen Severin Wirtz, der 19-jährige Alexander Holzportz aus Kreuzau oder die 15-jährigen Svenja Bauer oder Daniela Ink aus Stockheim. „Wir machen nichts kaputt, wir räumen immer auf, wir wollen uns nur treffen, Musik hören und erzählen.” Da stoßen dann Interessen von Anwohnern („Ich will meine Ruhe haben, ich muss morgen arbeiten”) und Jugendlichen aufeinander. Und dann schreitet auch schon mal die Polizei ein und erteilt Platzverbote.

Problematisch wird es auch, wenn an informellen Treffpunkten Jugendliche, die Drogen konsumieren, und Jugendliche, die einfach chillen wollen, aufeinandertreffen. Schnell werden dann alle Jugendlichen über einen Kamm geschert.

Für Severin, Alexander, Svenja und Ink, die sich in der Mobilen Jugendarbeit und teilweise auch in Vereinen engagieren, sind Rauschgifte Tabu. Und auch deshalb ist Lisa Palm froh, wenn der Jugendtreff vom Pfarrheim, das von der Kirchengemeinde anderweitig genutzt werden wird, zur Festhalle umziehen kann: „Ich gehe davon aus, dass Jugendliche, die kiffen, dann Skaterbahn und Festhallenbereich meiden werden, weil sie sich hier nicht mehr wohl fühlen dürften.” Denn es ist kaum anzunehmen, dass sie das Angebot von Lisa Palm annehmen werden.

Und dieses ist sehr breit gefächert: Es reicht von Kegelabenden über Schlittschufahrten und Discos bis hin zur lockeren Sportstunde in der Kreuzauer Sporthalle. Wichtig sind der Sozialarbeiterin aber auch Infoabende mit dem Kommissariat Vorbeugung bei der Kreispolizeibehörde. Drogenprophylaxe ist ebenso angesagt wie das Erkennen der Gefahren, die im Internet lauern.

Prävention ist ein ganz wichtiger Bestandteil von Lisa Palms Arbeit. Und so lässt sie einen jetzt geläuterten Mittzwanziger Jugendlichen sein ehemals kriminelles Leben drastisch schildern, das ihn mit 15 Jahren ins Drogenmilieu und schließlich in den Knast führte. Die Heranwachsenden hörten gebannt zu, waren beeindruckt. Und vielleicht haben auch Veranstaltungen wie diese dazu geführt, dass die Jugendlichen enormes Vertrauen in Lisa Palm und ihre Arbeit haben: „Wir können uns auf sie verlassen. Sie ist immer für uns da, egal mit welchen Fragen oder Problemen wir uns an sie wenden.” Dies gilt auch für die Arbeit am neuen offiziellen Treffpunkt in und an der Festhalle.