Merzenich: Wo die Musik spielt, gibt er den Ton an

Merzenich: Wo die Musik spielt, gibt er den Ton an

Wo bitteschön steht denn nun das Mischpult? Es gibt Boxen, es gibt eine Menge Kabel, es gibt ein Keyboard, es gibt eine Kabine mit Mikrofon, und es gibt vor allem zwei große Bildschirme. Aber keine Spur von einem Mischpult, das ja wohl so etwas ist wie das Wahrzeichen der Produzentenszene.

Das war einmal. Denny Fabian klickt ein paar Mal mit der Maus und tippt ein paar Mal in die Tastatur. Ein treibender Beat, elektronische Klänge, dazu eine zuckersüße Stimme. So macht man heute Musik.

„Es wird nur noch digital produziert”, sagt Denny Fabian, 27 Jahre alt und aller Wahrscheinlichkeit nach einer der jüngsten Musikproduzenten in Deutschland. Das ist er schon ziemlich lange. Nach einer Ausbildung zum Augenoptiker gründete der Autodiktat bereits im Alter von 18 Jahren ein eigenes Aufnahmestudio, damals noch in Eschweiler, trat parallel dazu als Interpret im Bereich Popschlager und Discofox in Erscheinung.

Regelmäßig in den Top 20

Wenige Jahre später stampfte er die Plattenfirma Pulsschlag Music aus dem Boden, und seit einiger Zeit dreht er sogar die Musikvideos zu seinen Titeln selbst. Zehn Künstler sind bei Fabian unter Vertrag. Die Singles landen regelmäßig in den Top 20 der Party- und Schlagercharts auf WDR 4.

Von außen betrachtet sieht das kreative Epizentrum des Fabianischen Kosmos eher aus wie ein Gartenhäuschen. Im Inneren fehlt allerdings jede Spur von gutbürgerlicher Tristesse. Dort verbirgt sich Hitech hinter schlichten Armaturen. Dort gibt Denny Fabian den Ton an - und zwar jeden Ton. „Jede Note, die ich produziert habe, ist selber eingespielt.” Instrumente braucht er dazu nicht. Das übernimmt alles der Computer. Vorsprung durch Technik.

Die Sänger, die der Merzenicher produziert, tragen Namen wie Andy Andress, Sandro Marin, Daniela Dilow oder Ted Power. Und die Lieder, die er komponiert, tragen Titel wie „Wann liegen wir uns wieder in den Armen, Barbara?”, „Schnall Dich an” oder „Johnny liebt Jenny”. Fabians neueste Entdeckung kommt aus Eschweiler: Oxana ist blond, jung, hübsch und hat eine Stimme mit Wiedererkennungswert. Darauf könne man aufbauen, findet der Szenekenner. Einmal hat er für Daniela Dilow einen Titel komponiert, der als Lückenfüller für ihr neues Album gedacht war.

Eine Jux-Nummer sei das gewesen: „Wer ist der DJ?” als Pendant zu „Sie liebt den DJ” von Michael Wendler, dem selbsternannten Schlagergott. 52 Wochen sei der Song in den Charts gewesen. Gerade die Stücke, denen man am wenigsten Hitpotenzial zutraue, stellten sich oft als Senkrechtstarter heraus, weiß Fabian. Die Branche ist manchmal unberechenbar.

Aber Hauptsache, dem Publikum gefällt´s. Bis dato hat Denny Fabian rund 40 Tonträger produziert. Das macht in etwa 400 Titel, und ein Ende scheint noch lange nicht in Sicht. In nächster Zeit will der kreative Unternehmer wieder selbst als Sänger in Erscheinung treten. „Ich muss wieder auf die Bühne”, sagt er.

„Nach zwei Jahren bin ich wieder total heiß darauf.” Sein neues Album, das fünfte, wird von Tony Hendrik produziert, der Interpreten wie Wolfgang Petry, Haddaway oder den Weather Girls zu einer ansehnlichen Karriere verholfen hat. Möglich macht das ein Exklusivvertrag mit dem renommierten Warner Chappell Music Verlag.

Hamburg, Berlin, München - Danny Fabian ist so eine Art Überflieger geworden und viel unterwegs in Deutschland. Zum Geschäft gehören selbstverständlich auch Auftritte auf Mallorca. Weil dort die Musik spielt.