Windkraftanlage Vlatten: Bürger laufen Sturm gegen Repowering

Repowering in Vlatten : Fünf 200 Meter hohe Windräder geplant

Gleich zwei Bürgerversammlungen innerhalb von elf Tagen in der Bürgerhalle von Vlatten – das ist schon ziemlich ungewöhnlich, vor allem wenn man bedenkt, dass der Stadtteil von Heimbach nur knapp 900 Einwohner hat. Und der Grund für die beiden Treffen ist schnell erklärt: Die Windkraftanlage Vlatten soll erneuert werden. Und das ruft jede Menge Kritiker auf den Plan.

Eigentlich wollte Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer (parteilos) seine Ratskollegen beim Tagesordnungspunkt Mitteilungen bei der jüngsten Ratssitzung am vergangenen Mittwoch nur darüber informieren, dass es einen offiziellen Antrag auf Repowering der Anlage gibt. Schon während der Sitzung sind die Emotionen hochgekocht, in Windeseile hat sich in Heimbach die Bürgerinitiative „Vlatten läuft Sturm“ gegründet, um gegen die geplanten größeren und leistungstärkeren Windräder mobil zu machen.

Aber was ist konkret geplant? Die Firma „Wind Repowering GmbH“ hat nach Angaben von Bürgermeister Cremer beim Landrat des Kreises Düren als zuständige Genehmigungsbehörde den Antrag auf Errichtung und Betrieb von fünf neuen Windenergieanlagen gestellt. Cremer: „Es gibt in dem Bereich Baurecht, weil die Fläche ja eine ausgewiesene Windkraftkonzentrationszone ist. Trotzdem müssen wir, das heißt Rat und Verwaltung, natürlich sorgfältig prüfen, ob wir das Repowering genehmigen oder nicht.“ Bisher stehen in der Windkraftkonzentrationszone in Vlatten elf Windkraftanlagen, acht sind Gegenstand des neuen Verfahrens.

Peter Cremer: „Die Windräder, die im Augenblick in Vlatten stehen, sind 135 Meter hoch, die neuen sollen 200 Meter hoch und natürlich leistungsstärker sein.“ Cremer weist aus­drücklich darauf hin, dass das Bundesemmissionsgesetz genau regelt, wie viel Lärm und Schattenwurf Windkraftanlagen verursachen dürfen. „Wir wissen bis jetzt nur, dass der Antrag der Firma mit den entsprechenden Gutachten vorliegt“, sagt der Verwaltungschef. „Und auch die Bevölkerung ist noch nicht ausreichend informiert. Deswegen laden wir für Dienstag, 7. Mai (18 Uhr, Bürgerhalle Vlatten, Auf der Horstert), zu einer Informationsveranstaltung ein.“ Dort sollen sich, wenn es nach dem Bürgermeister geht, vor allem auch die Heimbacher Stadtratsmitglieder ein umfassendes Bild vom geplanten Repowering machten.

Cremer: „Die Windkraftanlage in Vlatten steht am Donnerstag, 9. Mai, beim Stadtentwicklungsausschuss auf der Tagesordnung und eine Woche später wird der Rat darüber entscheiden. Dann müssen alle gut informiert sein.“ Neben einem Vertreter der Firma Wind Repowering GmbH sollen bei der Veranstaltung der Stadt auch Vertreter der Bürgerinitiative zu Wort kommen.

An Karfreitag gegründet

Gleichwohl lädt die Initiative „Vlatten läuft Sturm“, zu der sich an Karfreitag, also nur zwei Tage nachdem Bürgermeister Cremer den Rat über das geplante Repowering informiert hatte, Bürger aus Vlatten und umliegenden Dörfern zusammengeschlossen haben, ihrerseits bereits an diesem Freitag, 26. April (19 Uhr Bürgerhalle Vlatten), zu einer Informationsveranstaltung eingeladen. „Wir wollen uns an diesem Abend den Menschen in Vlatten vorstellen“, sagt SPD-Ratsfrau Ulla von Gagern, die in Vlatten wohnt und sich auch in der Bürgerinitiaitve engagiert. „Und natürlich wollen wir auch unsere Bedenken erklären.“

Das tut „Vlatten läuft Sturm“ auch auf ihrer Internetseite. Dort heißt es unter anderem: „Aufgrund  dieser Anlagen käme es zu einer massiven Verschlechterung der Lebensqualität in Vlatten und den Dörfern Berg, Bürvenich, Eppenich, Hergarten und Wollersheim. Gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgrund von Schattenwurf, 24-Stunden-Lärmbelästigung und Infraschall sowie ein Wertverlust von mehr als 20 Prozent für die Häuser in unseren Dörfern sind Nachteile, die wir nicht akzeptieren werden.“

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