Morschenich: Wildschweine legen den Flugplatz Morschenich lahm

Morschenich : Wildschweine legen den Flugplatz Morschenich lahm

Der Flugplatz Morschenich ist gesperrt, der Flugbetrieb eingestellt. Wieder einmal. Wildschweine aus dem nahen Rest des Hambacher Forstes haben einen Teil der Start- und Landebahn durchwühlt, zum siebten oder achten Mal bereits in den vergangenen zweieinhalb Monaten.

Rudi Pick, Gründungsmitglied und seit wenigen Tagen wieder Vorsitzender des UL-Aero-Clubs Morschenich, hat schon aufgehört zu zählen. Was er weiß: „Der Wildschaden beläuft sich bis jetzt bereits auf mehr als 10 000 Euro.“

Immer wieder müssen er und seine Vereinskameraden die Rasenpiste reparieren, aufgewühlte Stellen wieder verschließen, walzen und hoffen, dass der Rasen möglichst schnell anwächst. „Denn wenn ein Pilot bei der Landung mit dem Fahrwerk in eines der aufgewühlten Löcher gerät, besteht die Gefahr, dass er sich mit dem Flugzeug überschlägt.“ In der Nacht zum Donnerstag haben die Schwarzkittel wieder ganze Arbeit geleistet und eine Fläche von mehr als 1000 Quadratmetern durchwühlt.

Dass Wildschweine auf ihrer Nahrungssuche auch den am Waldesrand gelegenen Flugplatz nicht aussparen, ist nicht neu. Einen Zaun gibt es nicht. Früher konnten Rudi Pick, seit 50 Jahren selbst passionierter Jäger, und seine Vereinskollegen aber gegen die Sauen vorgehen, um den Bestand in Grenzen und die Wildschweine vom Flugplatz fernzuhalten.

Das aber ist ihm und seinen Jagdkollegen in diesen Tagen kaum mehr möglich. Immer wieder werden Hochsitze zerstört oder abgefackelt, berichtet der Jäger. Die Täter wähnt Pick im Kreis der Umweltaktivisten, die in Sichtweite des Flugplatzes seit Jahren illegal auf einer Wiese campieren oder in Baumhäusern den Hambacher Forst besetzen, um ihn vor der Rodung seitens des Tagebaubetreibers RWE Power zu bewahren. Was seine Vermutung stützt: Einen abgebrochenen Hochsitz hat er vor Tagen als Teil einer Wegeblockade im Wald wiedergefunden.

Tiere lautstark vertrieben

Und damit nicht genug: Als der 72-Jährige vor wenigen Tagen nachts von einer Böschung unweit des Flugplatzes eine große Wildschwein-Rotte ins Visier nehmen wollte, seien aus der Dunkelheit plötzlich drei Gestalten aufgetaucht, hätten die Tiere lautstark vertrieben und ihn verbal derart beschimpft und bedroht, dass Pick nach eigenen Angaben um seine Gesundheit fürchtete.

Dann sei das Trio Richtung Wiesencamp verschwunden. Als sich der Rentner in seinen Wagen setzen wollte, bemerkte er zu allem Übel dann noch, dass alle vier Reifen zerstochen waren. Pick rief die Polizei und erstattete Anzeige, wie so oft in den vergangenen Tagen und Wochen. Genau das habe ihm der Aachener Polizeipräsident geraten, betont Pick. „Aber es passiert nichts. Wir werden hier alleingelassen.“

Die für den Hambacher Forst zuständige Polizei Aachen hat nach eigenen Angaben Ermittlungen aufgenommen. Hinweise auf die Täter aber gebe es bislang nicht. Man werde aber nicht zulassen, dass andere bestimmen, wer sich im Wald aufhalten kann und darf, teilte die Polizei am Freitag mit. Wann auf dem Flugplatz wieder Ultraleichtflugzeuge starten und landen können, war derweil ungewiss. Rudi Pick: „Solange wir die Wildschweine nicht bejagen können, werden sie immer wiederkommen.“

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