Nideggen: Wiglaf Droste über Belgien: 1000 Biere, aber 500 Tage ohne Regierung

Nideggen: Wiglaf Droste über Belgien: 1000 Biere, aber 500 Tage ohne Regierung

Wiglaf Droste, Journalist, preisgekrönter Schriftsteller, Sänger und als Vorleser auch in der Rolle eines Schauspielers, las im Rahmen der „Lit.Eifel“ aus Texten, die ihn unverkennbar als Nachfolger von Joachim Ringelnatz und Tucholsky kennzeichnen.

In der Kapelle des Bergfrieds von Burg Nideggen — die der Vorleser als einen seiner besten Vorleseorte der vergangenen Jahre bezeichnete — stand im Mittelpunkt das Bändchen „Wasabi dir nur getan?“

Wie gestalten Top-Manager ihren Tag? Sie hangeln sich — frei nach Droste — an einer „To-do-Liste“ entlang. Und was es da nicht alles gibt mit „To“? To go — to be — or not to be“. An der Raststätte gibt es das Getränk „Coffee to go“.

Auf seinen vielen Reisen im In- und Ausland versucht Wiglaf Droste das Wesen der Bewohner zu ergründen. In Belgien werden Männer und Frauen von „Moules Frittes“ geprägt. Wer möchte in diesem Land nicht eine „Drei-Männer-Zigarre“ im berühmten „Val der Dieu“ paffen, in einem Land über 1000 Biersorten, das aber oft bis zu 500 Tagen ohne Regierung leben muss? Wiglaf Droste bringt diese „Botschaften“ nicht zynisch, sondern mit humoriger Satire rüber, ohne jemanden zu verletzen.

In Deutschland machen die Franken die Erotik zu „Erodik“ und lassen damit jeden Gedanken an ein Liebesabenteuer vergessen. Den Dialekt seiner ost-westfälischen Heimat nimmt der Autor besonders auf die Schippe. „Wen hört den Fahrrad?“ Die Antwort „Meinen“. Die Antwort in Hochdeutsch „Das Fahrrad gehört mir“ würde in diesem Zusammenhang gestelzt wirken.

Mit Genuss schaut der Satiriker in die Jugendzeit, als er und seine Freunde an einem Abend unzählige Male zu Bob-Dylon-Songs abtanzten. Heute fühlt er sich bei so genannten „Revival-Partys“ fehl am Platz. Vorbei ist vorbei für den „Arthrosenkavalier“.

Aktuelles Thema „Terrorismus-Prävention“. Witzig und unverständlich für ihn, dass bei der Kontrolle auf Flughäfen Gebrauchsgegenstände wie Zigarrenschneider oder Nagelfeile in den Mülleimer wandern. „Befürchtet man, dass die Piloten entmannt oder zu Tode pedikürt werden?“, stellt Droste diese Maßnahmen in Frage.

Der wiedergefundene deutsche Nationalismus, zurzeit besonders im Sport zu finden, findet Droste recht unappetitlich. Auch die beiden christlichen Konfessionen bedachte Droste mit Kritik, ob es nun das autoritäre Gehabe der römischen Kirche oder Martin Luther ist, der ein antisemitisches Buch mit dem Titel „Von den Juden und ihren Lügen“ geschrieben hat, heute noch zu kaufen.

Anrührend erzählt Wiglaf Droste von den kleinen Abenteuern, dem Monolog eines sächselnden Taxifahrers in Chemnitz, dem Speiselokal in Mexico City, wo er und seine Freundin die Flucht vor einer Mörderbande ergreifen mussten.

Das anschließende „Morden“ von riesigen Kakerlaken, die im Hotelzimmer über die Betten tanzten, verschweigt Droste nicht.

Dass man mit der deutschen Sprache Philosophisches und Wissenschaftliches benennen kann, ist bekannt. In der Nachfolge berühmter Satiriker gelingt es Droste in seinen Texten, Wörter und Sätze noch lebendiger, sie zu einem Hort unerschöpflicher Kreativität zu machen. „O Gabi! Sake: Wasabi dir nur getan?“ Die Frage birgt eine Unmenge Antworten in sich.

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