Wieder langer Prozess um „Dürener Knöllchenstreit“

18 Verhandlungstage : Wieder langer Prozess um „Dürener Knöllchenstreit“

Es war Mitte Dezember 2017, als der 22-jährige David S. im Strafprozess vor dem Aachener Landgericht um den sogenannten Dürener Knöllchenstreit völlig überraschend als Zeuge die Aussage tätigte: „Ich war’s, Frau Richterin!“.

Damit hatte der jüngere Bruder des Hauptangeklagten Gabriel S., damals 29 Jahre alt, das Ruder vor der 5. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Regina Böhme im letzten Moment noch herumreißen wollen, es reichte aber nicht. Bruder Gabriel wurde verurteilt. Die Vorgeschichte: Die älteren Brüder Gabriel und Michael sowie Vater Faysal waren damals wegen schwerer Körperverletzung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt worden, weil sie an einem Samstagmittag im November 2016 mit ihren wüsten Drohungen gegen einen Ordnungsamtsvertreter, der mittags an der Scharnhorststraße Knöllchen verteilen wollte, einen beispiellosen Polizeieinsatz mit einer nachfolgenden brutalen Schlägerei auslösten.

Dabei wurde der Leiter des Polizeieinsatzes mit einem Werkzeug niedergeschlagen, andere Beamte und Beamtinnen bekamen mehrfach die Fäuste von Familienmitgliedern zu spüren. Am Ende allerdings reichte die Selbstbezichtigung von David S. nicht aus, um seinen Bruder Gabriel vor einer vierjährigen Haftstrafe zu bewahren. Die mutmaßliche Falschaussage von damals hat nun für David S. Konsequenzen. Er muss sich nicht nur wegen der auch bereits damals von der Kammer als Falschaussage bewerteten Einlassung verantworten. Denn auch der von ihm behauptete Faustschlag in das Gesicht des Polizeibeamten Alexander Z., der an jenem Samstag um sein Leben fürchtete und schwer im Gesicht verletzt wurde, ist selbstredend als Körperverletzung angeklagt.

18 Verhandlungstage

Seit Montag muss die 3. Große Strafkammer des Landgerichts mit dem Vorsitzenden Richter Thomas Küpper das Verfahren erneut aufrollen, um am Ende zweifelsfrei herauszufinden, welche Tatbeteiligungen in dem turbulenten Geschehen dem Angeklagten David S. genau zuzurechnen sind.

Das wird nicht leicht werden, weil erneut zahlreiche Zeugen gehört werden müssen, bereits das Vorverfahren hatte eine Unmenge an Verhandlungstagen verschlungen, Küpper plant mit weiteren 18 Verhandlungstagen, um der Wahrheit ein Stück näher zu kommen. Der Prozess wird am Mittwoch, 13. März, ab 9 Uhr fortgesetzt.

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