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Theater in Düren: Wie man das Böse mit dessen eigenen Waffen schlägt

Theater in Düren : Wie man das Böse mit dessen eigenen Waffen schlägt

Was ist Gerechtigkeit? Kann es sie überhaupt geben? Um nichts weniger als diese existentiellen Fragen geht es in Friedrich Dürrenmatts düster-philosophischem Kriminalroman „Der Richter und sein Henker“.

Das Altonaer Theater hat eine Inszenierung des Stoffes als Schauspiel im Haus der Stadt gezeigt. Das ruhige Bühnenbild lud die Zuschauer dazu ein, sich ganz auf die psychologischen Innenansichten der Figuren zu konzentrieren.

Franz-Joseph Dieken spielte Kommissar Bärlach als knorrig-halsstarrigen Rache-Engel. Der magenkranke und desillusionierte Polizeimann durchschaut die Ränkespiele um ihn herum von Anfang an und nutzt sie zu dem einen Zweck, seinen Widersacher, den schmierigen Lobbyisten Gastmann (hervorragend interpretiert von Jacques Ullrich, der Gastmanns vermeintlich „gute“ oder zumindest charmante Seite auch dem Publikum zu verkaufen weiß), zu beseitigen.

Auf legalem Wege konnte Bärlach dem Verbrecher und Mörder seine Taten nicht nachweisen. Also instrumentalisiert er seinen jungen Kollegen Tschanz (gespielt von Achmed Ole Bielfeldt mit tollem Gespür für die Brüchigkeit dieser Figur), um Gastmann zu ermorden. So wird Bärlach statt des Gesetzes zum Richter, Tschanz zum Henker und das Böse wird mit den eigenen Waffen geschlagen.

Roman und Stück sind weit mehr als spannende Krimi-Unterhaltung. Gesellschaftskritisch werden das Rechtssystem und bürokratische Hierarchien hinterfragt. Regisseur Mathias Schönsee beleuchtet in seinem gleichzeitig spannenden, zum Nachdenken anregenden und unterhaltsamen Stück die Abgründe menschlicher Bosheit. Seine Frage an das Stück: Gibt es hier überhaupt jemanden, der moralisch richtig handelt?

Packend und berührend

Großartig spielte in diesem Zusammenhang auch Herbert Schöberl als Gastmanns Rechtsanwalt und „Fähnchen im Wind“. Helena Krey überzeugte nicht nur als Freundin des ermordeten Polizisten, sondern auch als versierte Sängerin, deren Song zum Schluss des Stückes packend und berührend war. Überhaupt war der Indie-geprägte Soundtrack des Abends, für den Simon Strasser, ebenso wie für die expressionistische Video-Installation verantwortlich zeichnete, ein absoluter Volltreffer. Zusammen mit dem Totempfahl in der Mitte der Bühne, der eine mystische Verkörperung des Bösen darstellte, die sich stetig um sich selbst dreht und gleichzeitig Dreh- und Angelpunkt ist, ergab die Ton- und Video-Installation das perfekte Setting für Dürrenmatts düstere Bilanz fehlender menschlicher Moral.

Alle Darsteller überzeugten mit ihren Charakterisierungen der Figuren aus dem Dürrenmatt-Universum und erhielten schließlich lang anhaltenden Applaus.