Kreis Düren: Widerstand gegen Verbotszone für Windkraft

Kreis Düren: Widerstand gegen Verbotszone für Windkraft

Genau vor einem Jahr war man in Vettweiß noch optimistisch: Rund 200.000 Euro wollte die Kommune jährlich aus der Verpachtung von Flächen für Windkraftanlagen in den Haushalt einsetzen.

Aber: Eine 2012 international eingeführte Regelung untersagt den Neubau von Windrädern rund um Einrichtungen zur Flugsicherung in einem Radius von 15 Kilometern.

Eine derartige Anlage befindet sich in Nörvenich. Dort betreibt die Deutsche Flugsicherung außerhalb des Fliegerhorstes ein sogenanntes Drehfunkfeuer, vor allem für die private Luftfahrt. „Bisher musste ein Abstand von fünf Kilometern eingehalten werden. Jetzt sind es plötzlich 15 Kilometer, ohne, dass das begründet wird. Da war keiner bei uns drauf vorbereitet“, gesteht Fachbereichsleiter Peter Hüvelmann.

Das Ergebnis: Das Bundesamt für Flugsicherung hat die Anträge aus Vettweiß zum Bau neuer Windräder abgelehnt — schon im September 2013. Die Ausweisung der fünf geplanten Zonen für Windräder ist damit obsolet. Nur eine Fläche bei Geich bleibt übrig. Ein Problem, dass nicht nur Vettweiß betrifft. Nörvenich und Merzenich sind komplett betroffen, Kreuzau, Niederzier und Düren teilweise.

Der Kreuzauer Dezernent Siegfried Schmühl ist regelrecht verärgert über die Richtlinie. Die Gemeinde hatte geplant, im Bereich Stockheim, wo bereits zwei Windräder stehen, weitere acht Anlagen zu genehmigen. „Wir haben den Flächennutzungsplan entsprechend geändert. Dann kamen Höhenbeschränkungen durch den Flughafenradar vom Fliegerhorst. Und kurz vor Toresschluss kam dann das Drehfunkfeuer und die Bezirksregierung hat uns gesagt, dass wir diese Fläche nicht ausweisen dürfen.“

Das wird die Kommune allerdings dennoch tun, wohl wissend, dass eine Genehmigung nicht erfolgen wird. Der Grund: „Wir wollen so dokumentieren, dass wir alle Potenzialflächen ausgeschöpft haben“, argumentiert Schmühl. Widerstand gegen diese Regelung gibt es auch in anderen Kommunen. Schmühl setzt darauf, dass die 15-Kilometer-Regel noch fallen könnte. „Dann könnten wir sofort loslegen und müssten nicht neu mit der Planung beginnen.“

Kritisch sieht auch der Niederzierer Bürgermeister Hermann Heuser diese Regelung: „Wir hatten schon mal angedacht, in der Alt-Gemarkung Lich-Steinstraß neue Windkraftanlagen zu realisieren. Das geht mit dieser Einschränkung nun nicht.“ Für Heuser ist das ein untragbarer Zustand: „Wenn schon etwa ein Drittel der Gemeindefläche dem Bergbau geopfert werden muss, kann es doch nicht sein, dass wir nun auch noch diese Einschränkung hinnehmen müssen.“

Sein Amtskollege Peter Harzheim aus Merzenich ist hingegen ganz froh: „Ich persönlich möchte keine weiteren Windräder auf unserem Gemeindegebiet. Schon jetzt ist es so, dass die Nachbarkommunen am äußersten Rand mehrere Windräder zugelassen haben. Egal, von welcher Seite man nach Merzenich kommt, man sieht als erstes Windräder.“ Wie sich der Rat entscheiden wird, ist noch nicht ganz klar. Die Frage könnte sich aber möglicherweise gar nicht mehr stellen: Merzenich liegt komplett innerhalb der 15-Kilometer-Zone. In Düren rechnet man nicht mit Ausnahmen — deshalb hat die Stadt Planungen für den Bereich an der Kölner Landstraße gestoppt.

(bugi)
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